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Auf der Suche nach der eckigen Welt

11.04.2011 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernst-Haeckel-Haus der Universität Jena zeigt Ausstellung zu Kartographischen Weltbildern um 1800 / Vernissage am 13. April um 17 Uhr Die Erde war ein Würfel zumindest im Buchladen des 19. Jahrhunderts. Andreas Christoph von der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist davon überzeugt, dass in dieser Zeit neben den uns vertrauten Kugeln auch kubische Globen die Welt verkörperten. Zwar ist bisher kein Exemplar bekannt, doch sind ihm Atlanten vertraut, in denen genau die sechs Karten enthalten sind, die man für einen Globus in Würfelform braucht. Es war technisch einfacher und billiger, die Erde als Würfel herzustellen, erklärt der Jenaer Wissenschaftshistoriker. Globen waren teure Ausstellungsstücke, die sich nur wenige Wohlbetuchte leisten konnten.

Reproduktionen der Würfelgloben sind während der neuen Ausstellung Kartographische Weltbilder um 1800 zu sehen, die vom 13. April bis 8. Juli im Ernst-Haeckel-Haus der Universität Jena (Berggasse 7) gezeigt wird. Neben den verkleinerten Erdkugeln (oder -würfeln) werden alte Karten und Atlanten gezeigt. Denn die Beschäftigung mit Globen ist nur ein Teil von Christophs Arbeit der letzten drei Jahre. In seiner Dissertation, die er im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 482 Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800 angefertigt hat, beschäftigte er sich mit dem Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch (1747-1822). Der unterhielt eine bekannte Verlagsanstalt, aus der er 1804 das Geographische Institut als Spezialverlag ausgliederte. Denn der Geschäftsmann erkannte hier eine lukrative Einnahmequelle.

Im Zuge der Entdeckungsreisen und den damit verbundenen, bei der Leserschaft sehr beliebten Reisebeschreibungen, florierte auch das Geschäft mit Landkarten. Die Berichte der Naturforscher aus Afrika zu lesen und ihnen dabei mit den Fingern auf den oftmals noch lückenhaften Landkarten zu folgen, war sehr beliebt in dieser Zeit, erzählt Christoph. Dieser Hunger nach kartographischer Information zog sich durch das ganze 19. Jahrhundert. Gleichzeitig gehörte es zu einer guten Expedition, dass aus ihr Karten hervorgingen. So bestand die Arbeit von Bertuchs Mitarbeitern in erster Linie aus der Übersetzung englischer Karten, die zu diesem Zeitpunkt die modernsten waren. Eigene Expeditionen gingen von Weimar nicht aus.

Bis 1850 war Bertuch damit auch Marktführer in Deutschland, erklärt der Jenaer Kartenexperte. Erst danach überflügelte ihn die heute weitaus bekanntere Konkurrenz aus Gotha die Verlagsanstalt Justus Perthes, die man aus der DDR noch unter dem Namen Hermann Haack kennt. Trotzdem wurde etwa der Handatlas also ein Buch, durch das man die Welt in den Händen halten konnte in Weimar geprägt.

An die Ausstellung im Jenaer Haeckel-Haus schließt sich vom 29. Juli bis 16. Oktober eine weitere im Weimarer Stadtmuseum an dem ehemaligen Wohnhaus Bertuchs. Bis dem soweit ist, hofft Andreas Christoph weitere unbekannte Aspekte der Kartographie um 1800 wie den Erdkubus zu entdecken.

Zur Vernissage der Jenaer Ausstellung am Mittwoch, dem 13. April, um 17 Uhr ist die Öffentlichkeit ins Ernst-Haeckel-Haus eingeladen. Direktor Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach und Andreas Christoph werden in die Sonderausstellung einführen.

Kontakt:
Andreas Christoph
Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik Ernst-Haeckel-Haus der Universität Jena
Berggasse 7, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 949514
E-Mail: andreas.christoph[at]uni-jena.de Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de
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