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Forschungspreis zur Medizin in der NS-Zeit an Tübinger Doktorandin

12.04.2011 - (idw) Eberhard Karls Universität Tübingen

Sabine Rueß wurde für ihr Buch über Stuttgarter jüdische Ärzte während des Nationalsozialismus ausgezeichnet In Berlin nahm kürzlich Dr. Sabine Rueß den Hauptpreis der zum dritten Mal verliehenen Forschungspreise für die historische Aufarbeitung der Rolle der Ärzteschaft in der NS-Zeit entgegen. Rueß erhielt den Preis für ihr Buch Stuttgarter jüdische Ärzte während des Nationalsozialismus, das auf ihrer am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen verfassten Dissertation basiert. Doktorvater war Prof. Dr. med. Albrecht Hirschmüller. Die mit insgesamt 10 000 Euro dotierten Forschungspreise wurden vom Bundesgesundheitsministerium, der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gestiftet. Rueß arbeitet derzeit als Assistenzärztin in der Abteilung für Psychosomatische Medizin im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart.

Für die Jury ist die Arbeit nicht nur ein herausragendes Gedenkbuch, das die Opfer aus der Anonymität heraushole. Es sensibilisiere auch die nachwachsende Ärztegeneration dafür, dass Zivilcourage möglich und ein bleibendes Thema ärztlicher Ethik sei.

1933 begann mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten eine systematische und juristisch legitimierte Ausschaltung aller jüdischen Ärzte. Im Deutschen Reich waren 1933 mindestens 6500 Ärzte von der rassistisch begründeten Verfolgung der nationalsozialistischen Machthaber betroffen. In Stuttgart lebten zu diesem Zeitpunkt 86 jüdische Ärzte und Ärztinnen. In ihrem Buch hat Sabine Rueß deren Lebensläufe rekonstruiert. In den Biographien der jüdischen Ärzte spiegelt sich die Ausschaltung und Absonderung von ihren nichtjüdischen Kollegen wieder, die in der Verfolgung, der physischen Vernichtung oder der lebensrettenden Emigration endete. Der existentielle biographische Bruch, die Demütigung, die sukzessive
Entrechtung, die Angst vor der physischen Vernichtung und die Schwierigkeiten des Neuanfangs in der Emigration, aber auch die Fortsetzung der Diskriminierung in der Auseinandersetzung um Wiedergutmachung werden in den Einzelschicksalen dargestellt.

Universität Tübingen
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