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Kabale im Konzil: köstliche Memoiren des Juristen Augustin v. Balthasar (1701-1786)

27.08.2003 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

PM 101/2003


Warum soll es früher anders gewesen sein? "So bin zu frieden, daß als ein unnützer Knecht dasjenige gethan, was zu thun meine Schuldigkeit gewesen", schrieb Dr. Augustin Balthasar, als er eben Adjunkt an der juristischen Fakultät geworden war, "nachdem nun also legitime licentiam legendi ed disputandi erhalten und der sehlige Director Gerdes seine Absicht dahin gerichtet hatte, mir zu Erhaltung der Adjunctur bey hiesiger löblichen Juristen Fakultät beförderlich zu seyn". Philipp Balthasar Gerdes war in diesem Jahr 1727 Rektor und schon etwas länger Bruder von Balthasars Mutter. Kaum verwunderlich, beklagte er, der in wohl jedem seiner Sätze das "ich" ausläßt, seines schärfsten Gegners Christian Nettelbladt Klagen über "Nepotismus".

Uni-Archivarius Dr. Dirk Alvermann hat die Memoiren des Augustin (seit 1746 v.) Balthasar, 1930 der Uni geschenkt, "ausgegraben" und soeben sehr erhellend ediert. Eine weitausholende Ahnentafel zeigt, wie sich Familien zu Räten, Senatoren, Bürgermeistern, Predigern und schließlich Professoren aufschwangen und zusahen, daß nicht zu viele in die Greifswalder Idylle eindrangen. Schwedens Hof tat es wie bei Nettelbladt dennoch, doch hatte es dieser Aufgeklärte gegen die Pietisten von Greifswald anfangs sehr schwer. Mevius und Battus, Bostenboestel, Rhaw, Reich und Erich, Gerdes, Koeppen und Balthasar, in Anklam, Stralsund, Greifswald über Generationen.

Balthasar gehört zu den bedeutendsten Juristen, Gelehrtenfamilien Pommerns in der Aufklärung. Vielfach Rektor, wurde auch schließlich wie sein berühmter Verwandter David Mevius Vicepräsident des Tribunals in Wismar. Die besten Jahre ihres Lebens stritten aber diese pietistischen und aufgeklärten Greifswalder Gelehrten seiner Generation so sehr miteinander, daß es am Ende zwei Juristendekane und zwei Rektoren gab ("aufs gräuslichste blamiret"). Die Memoiren erzählen auch von Balthasars "aventuren", einer Schiffsreise bei Sturm, "einem Erdbeben gleich gewesen". Fast beiläufig beschreibt AB die außerordentliche Erziehung: "So ward ... eines anderen Nahmens Sperch, oder wie er sich schrieb Sperchiades, information anvertrauet. Die übermäßige Strenge dieses neuen Schul Monarchen verursachte folgends eine solche hebetationem ingenii bey mir, daß ich gewiß zum studiren möchte gäntzlich ungeschickt worden seyn, wenn nicht nach Umlauf dreyer Jahre derselben wäre entrißen worden", als er sich mit 14 seiner Mutter anvertraute. Dann begann der Aufstieg dank neugierigem Ehrgeiz. Zwischendrin noch einige Händel mit Kopfnüssen und Nachtgeschirr. Berufungs- und Heiratspolitik und Gründung fast aufgeklärter wissenschaftlicher Gesellschaften - das Buch müssen Sie lesen, Genuß!

Im Hause des Herrn Immerdar. Die Lebensgeschichte des Augustin von Balthasar (1701-1786) von ihm selbst erzählt. Hg 2003 von Dirk Alvermann.
Publikationen des Lehrstuhls für Nordische Geschichte, Bd. 2, hrsg. v. Jens E. Olesen, 164 S., mit Namensregister und Ahnentafel. ISBN 3-86006-213-1, für 15 Euro beim Lehrstuhl und in der Pressestelle
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