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Affenschädel: eine Tagung rund um eine Sammlung

01.09.2003 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

PM 107/2003


Die Sammlung von Affenschädeln im Institut für Anatomie in Greifswald kennen zwar die Greifswalder und manche Touristen, weil beeindruckend schön, aber sehr bekannt wissenschaftlich ist sie nicht. Sie ist seit etwa fünfzig Jahren im Besitz der Universität Greifswald, begründet und erweitert während des Anatomie-Direktorats von 1948 bis 1958 von Prof. Richard N. Wegner (1884-1967). Ihm zu Ehren veranstalten der Greifswalder Oberarzt Dr. med. habil. Thomas Koppe und Dr. Todd C. Rae von der Universität Durham in Nordostengland ein Symposium zur Entwicklung der Köpfe von Primaten.

Auf der Tagung "Evolutionary Changes in the Craniofacial Morphology of Primates" vom 18. bis zum 20. September 2003 im Institut für Anatomie treffen sich gut 50 Anthropologen, Primatologen, Zahnärzte, Anatomen aus acht Ländern. Früher habe man vielfach an den Gerippen der Tiere deren Entwicklung zu deuten versucht; seit einigen Jahren wendet man sich wieder auch Schädeln zu und untersucht hier vor allem Zeichen des Schädel- und Zahnwachstums, in Greifswald betrieben unter dem Direktorat von Prof. Dr. Jochen Fanghänel.

Für Morphologieaussagen sind größere Serien nötig; die größten Sammlungen in Europa sind in London, Leiden, Berlin, Wien, Basel und München. Der Münchner Anthropologe Dr. Olav Röhrer-Ertl hat in den letzten Monaten die Exemplare der Greifswalder Sammlung ganz neu bestimmt (Arten, Orte). Einige der Konferenzteilnehmer werden schon im September mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit an der Greifswalder Sammlung beginnen.

Damit hätten dann Thomas Koppe und Todd Rae eines ihrer Ziele erreicht, die bedeutende, aber vergleichsweise kleinere Sammlung von fast 200 Schädeln und Skeletten den Forschern der Welt zu öffnen. Thomas Koppe hat sich nach seinem Studium in Greifswald über diese Sammlung in Rostock habilitiert; danach ging er sieben Jahre an die Okayama-Universität in Japan, traf dort den Amerikaner Todd Rae und wandte mit ihm die Computertomographie an Primatenschädeln an. Er ist spezialisiert auf die Nebenhöhlen der Affen; ein anderer Greifswalder Privatdozent, der Paläontologe und Zoologe Thomas C. Kaiser, schließt von Zahnnutzungsspuren auf die Lebensweise der Tiere.

Auf der Konferenz wird eine Tochter Richard Wegners, Dr. Henriette Bettin, zusammen mit ihrem Sohn Hartmut, jetzt Institut für Pharmaziegeschichte in Marburg, eine Rede über die Ansicht ihres (Groß-)Vaters zur Kiefergelenkentwicklung halten. Auch Prof. Dr. Dr. Reiner Protsch von Zieten, Chef des Instituts für Anthropologie und Humangenetik, Frankfurt/M., hält einen Vortrag; er benannte eine ausgestorbene Halbaffenart nach dem Greifswalder Professor: Adapis wegneri. Darüber wird auf dem Gesellschaftsabend gesprochen, in Jeeser im Garten des Restaurator Reinhard Labs und seines Bildhauerbruders Eckhard, zweier anderer Enkel Wegners.

Dr. Thomas Koppe, Tel. 03834-86-5318
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