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Wie ist nachhaltiges Wirtschaften machbar ? "Handbuch Nachhaltige Entwicklung" erschienen

02.09.2003 - (idw) ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen Köln

Das Ziel einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung wird als programmatischer Anspruch weitgehend anerkannt. Doch die Umsetzung in die Praxis hakt. Im "Handbuch Nachhaltige Entwicklung" diskutieren Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen und Praxisfeldern, WIE nachhaltiges Wirtschaften und Arbeiten verwirklicht werden kann.

An wissenschaftlichen Erkenntnissen, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist und warum ein Umsteuern in Richtung Nachhaltigkeit notwendig ist, mangelt es nicht. Dennoch lässt sich das Konzept der Nachhaltigkeit bislang weder mit normativen Appellen, politischen Vorgaben, dem Verweis auf langfristige Vorteile noch mit dem Angebot modellhafter Umsetzungskonzepte im Selbstlauf verwirklichen. Damit stellt sich die Frage: Wovon hängt es im Einzelnen ab, dass die mit dem Leitbild Nachhaltigkeit vorgegebenen Herausforderungen in der sozialen Praxis auch aufgegriffen und vorhandene Innovationspotenziale genutzt werden?

Dr. Gudrun Linne, in der Hans-Böckler-Stiftung für den Förderschwerpunkt "Erwerbsarbeit im Wandel" zuständig, und Dr. Michael Schwarz, Wissenschaftler im Forschungsschwerpunkt Organisation und Ökologie am ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen in Köln, haben politisch handelnde Akteure, Praktikerinnen und Praktiker in Verbänden und Unternehmen, Beraterinnen und Berater sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen dafür gewonnen, über die Umsetzungsbedingungen und -hemmnisse nachhaltigen Wirtschaftens zu diskutieren. Die Autorinnen und Autoren tragen ihre Perspektiven, Erkenntnisse, Argumente und Handlungsprioritäten in der Form eines Handbuches mit dem Ziel zusammen, sie für Politik, Wirtschaft, Nicht-Regierungs-Organisationen und Wissenschaft nutzbar zu machen.

Im ersten Kapitel geht es um Ansatzpunkte einer Politik für nachhaltiges Wirtschaften. Deutlich wird, dass staatliche Rahmensetzungen allein nicht genügen. Vielmehr müssen auch zivilgesellschaftliche Akteure zu aktiven Trägern der Nachhaltigkeitspolitik werden und Verantwortung übernehmen. In den Beiträgen wird diskutiert, wie angesichts eines derart veränderten politischen Agenda-Settings die Koordination von zivilgesellschaftlichem und staatlichem Handeln gelingen und die Balance zwischen Orientierung gebenden und verbindlichen politischen Richtlinien gefunden werden kann.

Die Notwendigkeit der Aktivierung und Nutzung vielfältiger, dezentral organisierter Formen der Vernetzung und Kooperation von unterschiedlichen Akteuren wird in Kapitel 2 vertiefend behandelt. Verschiedene Fallbeispiele illustrieren die Bedeutung polyzentrischer Steuerungsmuster für nachhaltiges Wirtschaften.

Kapitel 3 widmet sich der Binnenperspektive unternehmerischen Handelns. Die Beiträge erläutern, was Nachhaltigkeit in und für Unternehmen konkret bedeutet, inwieweit sich ökonomische Rationalität mit Nachhaltigkeit "verträgt" und im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Entscheidungstheorie zu einem dualen Erfolgsbegriff des Managements zusammengeführt werden kann, was Nachhaltigkeit für Unternehmen attraktiv macht und welche Nachhaltigkeitsstrategien den Unternehmen unter dem Gesichtspunkt der Wettbewerbsfähigkeit überhaupt offen stehen. Am Ende dieses Kapitels werden in mehreren Beiträgen spezielle Umsetzungsinstrumente und -projekte vorgestellt.

In Kapitel 4 überprüfen die Autorinnen und Autoren die aktuelle Arbeitsgestaltung und -politik auf ihre nachhaltigkeitsrelevanten Potenziale und Hemmnisse und formulieren Anforderungen an eine künftige Arbeitsgestaltung. Wenngleich alle Beiträge dieses Kapitels in der Einschätzung übereinstimmen, dass die Praxis derzeitiger Arbeitsgestaltung nicht nachhaltig ist, so gibt es dennoch bereits erprobte Modelle, in denen das Wechselspiel zwischen nachhaltiger Arbeitsgestaltung und nachhaltigem Wirtschaften gelingt.

Die bis dahin formulierten Anforderungen, Probleme und notwendigen Innovationsprozesse machen deutlich, dass die Realisierung nachhaltigen Wirtschaftens auf Beratung angewiesen ist. Die Beiträge im fünften Kapitel kontrastieren konventionelle Beratung mit den Herausforderungen, denen eine nachhaltigkeitsorientierte Beratung neuen Typs sich stellen muss.

Die Konkretisierung und praktische Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung sowie eine darauf orientierte Beratung und Qualifizierung der gesellschaftlichen Akteure in unterschiedlichen Handlungsfeldern stellen auch Wissenschaft und Forschung vor neue Herausforderungen. Welche Anforderungen an Forschung und Wissenschaft sich aus dem mit Nachhaltigkeit fokussierten Gegenstandsbereich eines ökonomisch, sozial und ökologisch zukunftsfähigen Entwicklungsprozesses ergeben, behandeln die Beiträge des abschließenden sechsten Kapitels. Außerdem wird diskutiert, wie sich angesichts ihrer Einbindung in einen komplexen und spannungsreichen gesellschaftlichen Diskussions- und Umorientierungsprozess das Verhältnis von Forschung und Praxis neu formieren muss.

Das Handbuch wendet sich mit seinen vielfältigen Informationen an jene, die nachhaltiges Wirtschaften in die Praxis umsetzen wollen.


Gudrun Linne und Michael Schwarz (Hrsg.): Handbuch Nachhaltige Entwicklung. Wie ist nachhaltiges Wirtschaften machbar? Opladen: Leske + Budrich, 2003, ISBN 3-8100-3758-3, 620 S., 35.- Euro
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