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Assimilation und Emanzipation in der Berliner Architektur. FU-Symposium zur jüdischen Baukultur

03.09.2003 - (idw) Freie Universität Berlin

Haben Juden die Architektur in Deutschland geprägt? Wie konnten sich jüdische Architekten bis zum Nationalsozialismus in Berlin entfalten? Diesen Fragen geht das Symposium "Architektur und Assimilation - Die jüdischen Baumeister Berlins" nach, das das Kunsthistorische Institut der Freien Universität Berlin vom 10. bis zum 13. September 2003 veranstaltet. Das Programm gliedert sich in vier Themenschwerpunkte: "Bauverwaltung oder Privatbureau", "Von der Emanzipation zur Integration", "Zwischen jüdischer Renaissance und Normalität" und "Der Blick auf die Architektur". Die Tagung endet mit einem Schlussvortrag von Werner Oechslin, Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, über "Moderne, internationale und postmoderne Architektur und die innerliche Analogie mit dem Judentum". Die Gebühr für das Symposium beträgt 30, Studenten bezahlen 20 Euro.

Bereits seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren jüdische Architekten in Deutschland tätig. Spätestens in den fünfziger Jahren des Jahrhunderts gewannen sie immer mehr christliche Auftraggeber für sich und beeinflussten bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 nicht nur die jüdische, sondern die gesamte deutsche Baukultur. Gerade Berlin besaß eine große jüdische Gemeinde, die der assimilatorischen Attraktion der Großstadt, den vielseitigen Möglichkeiten der Entfaltung, der Karriere und des Aufstiegs offen begegnete. Folglich ist es schwer, Integration und Assimilation klar zu trennen; viele jüdische Architekten konvertierten zum Christentum oder stammten aus schon lange konvertierten Familien. Das Symposium sucht nach Spuren der jüdischen Wurzeln im individuellen Werk einiger der größten Architekten jener Zeit. Die Tagung legt neben dem historischen einen psychologischen Blick auf das Selbstverständnis der deutschen Juden in dieser Zeit frei.

Friedrich Hitzig, Cremer & Wolffenstein, Alfred Messel, Erich Mendelsohn, Erwin Gutkind und Harry Rosenthal sind die bekanntesten Künstler, die jüdische Architektur in Deutschland prägten. Neben deren Porträtierung widmen sich die Wissenschaftler auch dem Beitrag der jüdischen Kritiker und Theoretiker zur architektonischen Diskussion. Das Symposium verbindet einen detaillierten Blick auf die jüdische Architektur und Kultur mit dem Zwiespalt zwischen Assimilation und Emanzipation - eine Zeitreise ins Herz Berliner Architektur also.

Neben vielen anderen spricht Oliver Sander über "Jüdische Architekten im Preußischen Staatsdienst" und Harold Hammer-Schenk, der wissenschaftliche Leiter des Symposiums, über den "Synagogenbau vor dem 1. Weltkrieg". "Der Adel und die Juden. Breslauer & Salinger und ihre Kundschaft" werden von Ulrich Maximilian Schumann thematisiert. Gerd Maltenklott referiert über die "Geschriebene Großstadtarchitektur". Auf der Tagung sollen die Einzelforschungen über jüdische Architektur versammelt werden, um so ein Forschungsfeld zu umreißen, vielleicht sogar definieren zu können.
Florian Hertel

Veranstaltungsort: Clubhaus der Freien Universität Berlin, Goethestr. 49, 14163 Berlin-Zehlendorf
Anmeldung: Sylvia Claus, ETH Zürich, Tel.: 0041/1/6332497, E-Mail: claus@gta.arch.ethz.ch
Informationen: Prof. Dr. Harold Hammer-Schenk, Freie Universität Berlin, Kunsthistorisches Institut, Tel.: 030/838-53800, khi@zedat.fu-berlin.de
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