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Regierung will an E10 festhalten: Forscher fordern mehr Augenmerk auf Nachhaltigkeits-Aspekte

02.09.2011 - (idw) Universität Hohenheim

Food Security Center der Universität Hohenheim plädiert dafür, die aktuelle Diskussion für eine strategische Neuausrichtung zu nutzen Bioenergie muss Umwelt und Menschen gleichermaßen nutzen, fordert Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Hans Biesalski als Vize-Leiter des Food Security Centers der Universität Hohenheim. Dies bedeute eine Strategie, die klar ausschließe, dass die Erzeugung von Bioethanol über verschiedene Wirkungsketten zur Steigerung des Hungers in der Welt beitrage. Klare Vorgaben und Transparenz über Herkunft und Auswirkungen von E10 könnten außerdem wesentlich zur Akzeptanz des bislang ungeliebten Kraftstoffes beitragen, nennt Prof. Dr. Biesalski einen weiteren Vorteil. Die Universität veröffentlicht den Diskussionsbeitrag als einen Beitrag im Rahmen des Themenjahrs 2011 Universität Hohenheim stark durch Kommunikation.

Es geht um mehr, als um Autos, betont Prof. Dr. Biesalski für das Food Security Center. Als Begründung für das Festhalten an E10 bezeichnete der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Joachim Pfeiffer die Bedenken der Kunden als irrational. Dies mag für all jene zutreffen, die sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Autos machen. Wer Sorge trägt, die Erzeugung des Biosprits könnte auf Kosten der Hungernden der Welt erfolgen, sorgt sich dagegen durchaus rational.

Dagegen sei die aktuelle Debatte um E10 nach Ansicht des stellv. Leiters des Food Security Centers ein guter Anlass, die gesamte E10-Strategie zu überdenken und konsequent auf Nachhaltigkeit auszurichten. Gerade an der Universität Hohenheim wissen wir, dass Bioenergie ein sehr komplexes Thema ist, bei dem es viele Aspekte zu berücksichtigen gilt. Wer auf stärkere Akzeptanz der Konsumenten hofft, sollte deshalb auch Sorge tragen, dass der Zapfhahn mit gutem Gewissen in den Tank gesteckt werden kann, erklärt Prof. Dr. Biesalski.

Neues Forschungszentrum soll Suche nach Lösungen vorantreiben

Um die Forschungslücke zu ganzheitlichen Ansätzen mit dem Schwerpunkt ganzheitliche Produktion und Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe zu schließen, gründete die Universität Hohenheim im Juli 2011 auch das Zentrum für Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe. Darin wollen Experten für Pflanzenzüchtung, Landnutzung, Pflanzenproduktion, Agrartechnik, Energiegewinnung, Ökologie und Ökonomie künftig intensiv zusammenarbeiten, um die gesamte Produktionskette von Bioenergie untersuchen zu können.

Ein Ansatz, den die Universität verfolgt, ist es zum Beispiel, Bioethanol aus Nicht-Nahrungsmitteln wie Stroh und Energiegräser zu erzeugen. Bislang ist die Menge, die wir an Bioethanol verbrauchen, sicher noch nicht kritisch zu sehen. Für die Zukunft ist es sicher auch eine Aufgabe für uns als Universität, Strategien zu entwickeln, die verhindern, dass eine Konkurrenz zwischen Nahrungsmitteln und Bioenergie entsteht, betont Prof. Dr. Iris Lewandowski, Leiterin des Zentrums für Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe.

Kritik auch von Seiten der Wirtschaftswissenschaftler

Erst kürzlich hatte der Hohenheimer Umweltökonom Prof. Dr. Michael Ahlheim eine Kurskorrektur aus ordnungspolitischer Sicht gefordert. Wolle man am E10-Ziel festhalten, wäre eine sogenannte Korridor-Lösung denkbar, bei der die Steuer schrittweise erhöht wird, bis der gewünschte E10-Anteil erreicht ist ein Ansatz, der für den Verbraucher transparent und vorhersehbar sei.

Bereits im Frühjahr hatte Marketing-Experte Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim die Einführung von E10 aus fachlicher Sicht kritisiert.

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. med. Hans Konrad Biesalski, Universität Hohenheim, Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft, Tel.: 0711 459-24112, E-Mail: biesal@uni-hohenheim.de

Dr. Detlef Virchow, Universität Hohenheim, Geschäftsführer Food Security Center, Tel.: 0711 459 24451, E-Mail: ffsc@uni-hohenheim.de

Prof. Dr. Iris Lewandowski, Universität Hohenheim, Zentrum für Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe, Tel.: 0711 459 22221, E-Mail: Iris_Lewandowski@uni-hohenheim.de

Prof. Dr. Michael Ahlheim, Universität Hohenheim, Fachgebiet VWL, insbes. Umweltökonomie sowie Ordnungs-, Struktur- und Verbraucherpolitik, Tel.: 0711 459 23596, E-Mail: ahlheim@uni-hohenheim.de, Homepage: www.ahlheim-hohenheim.de

Prof. Dr. Markus Voeth, Universität Hohenheim, Fg. BWL insb. Marketing I, Tel.: 0711 459-22925, E-Mail: voeth@uni-hohenheim.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: https://www.uni-hohenheim.de/1597.html?typo3state=institutions&lsfid=616 https://bioenergy.uni-hohenheim.de/ https://www.uni-hohenheim.de/thema.html?&tx_ttnews[tt_news]=10596&cHash=... https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=8805&...

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