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Denn sie wissen nicht, was sie tun

28.10.2011 - (idw) Philipps-Universität Marburg

Die Deutschen haben nur bruchstückhaftes Wissen über Aufgaben und Instrumente der Europäischen Zentralbank (EZB), obwohl sie deren Arbeit als sehr wichtig einschätzen. Das hat eine Umfrage ergeben, die das Fachgebiet Makroökonomie der Philipps-Universität in Auftrag gegeben hat. "Ich persönlich halte die Bekämpfung steigender Preise langfristig für Deutschland für am wichtigsten", gibt die Mehrheit der Befragten in der repräsentativen Studie an, die somit der Inflationsbekämpfung eindeutig Vorrang gegenüber weiteren möglichen Zielen einräumt, wie dem Schutz der Meinungsfreiheit oder mehr Mitspracherecht bei wichtigen politischen Entscheidungen.

Die Angst vor dem Wertverlust des Euro scheint in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise allgegenwärtig doch was muss die zuständige Europäische Zentralbank eigentlich tun, um dem Wunsch nach Preisstabilität zu entsprechen? Wie sollten sich zum Beispiel die Zinsen entwickeln, wenn ein starker Preisanstieg vorhergesagt wird? Mit dieser und weiteren Fragen wollten die Marburger Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Bernd Hayo und Edith Neuenkirch prüfen, wie es um das Wissen über die EZB bestellt ist.

Das Ergebnis: Etwa die Hälfte der Deutschen gibt korrekt an, dass das wesentliche Ziel der EZB darin besteht, Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Doch obwohl die Deutschen in ihrer Majorität die Bekämpfung steigender Preise als vorrangig ansieht, weiß nur jeder Fünfte, dass die EZB bei Inflationsgefahr den Leitzins anheben sollte; mehr als 65 Prozent gab hingegen an, die EZB solle den Zins auf seinem Niveau belassen oder sogar senken, wenn mit steigenden Preisen zu rechnen sei.

Auch der institutionelle Status der Europäischen Zentralbank ist nur einer Minderheit klar: Lediglich 32 Prozent der Befragten wussten, dass die Bank den Leitzins unabhängig von den Regierungen der Euroländer festlegt. Jeder vierte Deutsche glaubt hingegen, dass die EZB nicht unabhängig operiert.

Die Ergebnisse der Umfrage offenbaren zahlreiche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Angehörigen verschiedener Generationen, zwischen Deutschen aus alten und neuen Bundesländern sowie zwischen Arm und Reich: So wissen Männer besser über die EZB Bescheid als Frauen und informieren sich verstärkt aus verschiedenen Quellen (Zeitungen, Internet); Ältere zeigen sich besser unterrichtet als Jüngere. Ostdeutsche haben größere Inflationsangst (38,5 Prozent) als Westdeutsche (27), schneiden jedoch bei den Wissensfragen gleich gut ab wie diese.

Nur jeder fünfte Befragte hat großes oder sehr großes Vertrauen in die EZB weniger als in die Bundesbank (27 Prozent). Weitere Ergebnisse der Umfrage lassen darauf schließen, dass größeres Vertrauen in die EZB mit umfassenderem Wissen über sie Hand in Hand geht; so hat Preisstabilität größere Bedeutung für Frauen (31,4 Prozent) als für Männer (27,4). "Die EZB tut gut daran, sich verstärkt um das Interesse der Bevölkerung und deren Wissen über Geldpolitik zu bemühen", folgert Studienleiter Hayo denn die Bank werde auf die Unterstützung der Bevölkerung bauen müssen, um die anstehenden Aufgaben in der Eurokrise bewältigen zu können.

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Bernd Hayo,
Fachgebiet Makroökonomie
Tel.: 06421 28-23091
E-Mail: hayo@wiwi.uni-marburg.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });

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