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Akzeptanz von Sicherheitsmaßnahmen

25.04.2012 - (idw) Universität der Bundeswehr München

Nach den Terroranschlägen des 11. September in den USA wurden die Sicherheitsmaßnahmen auch an deutschen Flughäfen deutlich verschärft. Wie nehmen die Fluggäste die Kontrollen wahr und wodurch werden diese Wahrnehmungen beeinflusst? Dieser Frage geht Prof. Wolfgang Bonß mit seiner Mitarbeiterin Katrin Wagner vom Institut für Soziologie und Volkswirtschaftslehre an der Universität der Bundeswehr München in dem Forschungsprojekt Neue (Un-)Sicherheiten im zivilen Luftverkehr am Frankfurter Flughafen nach.

Jeder Passagier ist heutzutage zahlreichen Sicherheitskontrollen ausgesetzt, bevor er seine Flugreise antreten darf. Seit den Anschlägen am 11. September 2001 und weiteren Vorfällen wurden die Sicherheitsmaßnahmen nicht nur für Flugreisende, sondern auch für die Flughafenmitarbeiter und die Crew an Bord spürbar verschärft. Auffällig ist dabei insbesondere die reaktive Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen direkt nach versuchten bzw. durchgeführten Anschlägen. Durch die globale Vernetzung der Flughäfen untereinander ist Deutschland durch zahlreiche Verordnungen verpflichtet, exakt vorgeschriebene Mindestsicherheitsstandards zu erfüllen. Die Wahrnehmung und Bewertung dieser Sicherheitsmaßnahmen durch die Passagiere ist höchst unterschiedlich. Die Wissenschaftler führten dazu Leitfadengestützte, relativ offene Passagierinterviews unmittelbar vor dem Gate durch, nachdem die Passagiere die Sicherheitskontrollen passiert hatten. Im nächsten Schritt sind Interviews mit Experten und Mitarbeitern geplant.

Ablehnung gegen Sicherheitsmaßnahmen im Bahnverkehr
Die Bandbreite der Meinungen ist im Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit angesiedelt. Halten manche die vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen für sinnvoll und unvermeidbar, sehen andere Passagiere diese als unverhältnismäßig und grenzwertig an. Problematisiert werden hier vor allem die Flüssigkeitsbeschränkung und die Möglichkeit, als Opfer eines Irrtums oder aufgrund des Reiseprofils auf einer No-Fly-List zu erscheinen. Bemerkenswert ist, dass sich die Mehrheit der Befragten trotz der Terroranschläge 2004 in Madrid sowie in der Londoner U-Bahn 2005 ablehnend gegenüber möglichen Sicherheitsmaßnahmen im Bahnverkehr äußern. Hierbei wird unter anderem reflektiert, dass der symbolische Effekt und somit die Wertigkeit im Vergleich zum Absturz eines Passagierflugzeug ein anderer ist, und somit die Gefahr zum Opfer zu werden ein geringerer ist. Die nach israelischem Vorbild praktizierte Passagierdifferenzierung mittels eines Datenabgleichs und der Beobachtung der Flugreisenden vor Ort, welche in einer unterschiedlich starken Sicherheitsuntersuchung der Passagiere resultiert, wird hierzulande, sowohl von den befragten Passagieren als auch durch Vertreter der Politik sowie der Luftsicherheitsbranche mehrheitlich abgelehnt.

Obwohl die Testphase mit einem Körperscanner am Hamburger Flughafen bereits im Frühjahr 2011 aufgrund funktioneller Mängel erfolglos eingestellt wurde, ist diese Maßnahme weiterhin in den Köpfen der Passagiere präsent. Diese betrachten den Scanner mit gemischten Gefühlen: Währende viele ihre Grenze zur Intimsphäre überschritten sehen, würden andere für die Sicherheit alles tun.

Besonderheit: Umgang mit privaten Daten
Eine Besonderheit ergibt sich bei der Frage nach dem Umgang mit privaten Daten: In diesem Bereich sind durchaus auch sicherheitsaffine Passagiere sensibel, was die Weitergabe von privaten Daten angelangt. Mehrheitlich geschäftsreisende Passagiere würden jedoch die Speicherung und Verarbeitung ihrer reinen Passagierdaten und die Abnahme eines Iris-Scans oder von Fingerabdrücken dann begrüßen, wenn die Sicherheitskontrollen dadurch schneller passiert werden könnten.

Auffällig ist jedoch, dass der durchschnittliche Passagier gerade in Bezug auf den derzeitigen Umgang mit seinen Passagierdaten nicht aufgeklärt ist. So werden beispielsweise umfangreiche Passagierdaten gespeichert und verarbeitet und zwischen der EU und den USA ausgetauscht. Selbst durch einen Transit-Aufenthalt oder den Überflug der USA werden Passagierdaten an das dortige Heimatschutzministerium übermittelt.

Die Wissenschaftler hoffen, dass in Deutschland mehr Transparenz von Seiten der relevanten Akteure in der Politik und der zivilen Luftfahrtbranche ermöglicht wird, um die Diskussion um ein mehr an Sicherheit oder Freiheit auch unter den Betroffenen zu thematisieren.

Das Verbundprojekt Sicherheit im öffentlichen Raum (SIRA) wird unter der Leitung des Konsortialführers Prof. Carlo Masala durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Der Projektträger ist der Verein Deutscher Ingenieure, welcher das Verbundprojekt während seiner Laufzeit von 2010-2013 betreut. Nähere Informationen finden Sie unter www.sira-security.de


Michael Brauns
Pressesprecher
Universität der Bundeswehr München
Tel.: 089/6004-2004
E-Mail: michael.brauns@unibw.de

Katrin Wagner
E-Mail: katrin.wagner@unibw.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });

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