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Praxis, die Wissen schafft! Konferenz Familienunternehmen verbindet Politik,Praxis und Wissenschaft

30.04.2012 - (idw) WHU - Otto Beisheim School of Management

Am 27. und 28. April trafen sich an der WHU unter der Schirmherrschaft von Heinrich Otto Deichmann rund 140 Familienunternehmer, Wissenschaftler, Politiker, Nachwuchsführungskräfte und Studierende, um Erfahrungen aus der Praxis mit den neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft zu verknüpfen. Hochkarätige Podiumsteilnehmer wie Bundesminister a. D. Hans-Dietrich Genscher und Jürgen Fitschen, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank, bereicherten die Konferenz Familienunternehmen mit ihren Sichtweisen. Vallendar, 30. April 2012. Am 27. und 28. April trafen sich an der WHU unter der Schirmherrschaft von Heinrich Otto Deichmann rund 140 Familienunternehmer, Wissenschaftler, Politiker, Nachwuchsführungskräfte und Studierende, um Erfahrungen aus der Praxis mit den neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft zu verknüpfen. Unter dem Motto Praxis, die Wissen schafft! setzte die Konferenz Familienunternehmen zudem einen neuen Akzent: Wissensvermittlung wurde als fester Bestandteil integriert. Damit hebt sich die Veranstaltung auch von anderen Konferenzen in Deutschland ab.

Die Familienunternehmen gehören zu den großen Stärken der deutschen Wirtschaft, um die uns das Ausland beneidet, betonte Schirmherr und Familienunternehmer aus Überzeugung Heinrich Otto Deichmann in seiner Rede. Insbesondere während der Finanz- und Wirtschaftskrise habe sich dies gezeigt, denn Familienunternehmen haben ihre Belegschaften nicht nur gehalten, sondern im Vergleich zu den Dax-Unternehmen auch deutlich mehr neue Mitarbeiter eingestellt. Deichmann plädierte für mehr Ethik sowohl in der BWL-Ausbildung als auch in der Wirtschaft. Für das eigene Unternehmen legt er ein christliches Menschenbild zugrunde und stellt sowohl Kunden als auch Mitarbeiter in den Mittelpunkt.

Unter dem Titel Wer braucht wen? Deutschland, Europa und die Familienunternehmer diskutierten der Bundesminister a.D. Hans-Dietrich Genscher, Jürgen Fitschen, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, der Präsident von Die Familienunternehmer Lutz Goebel, PwC-Vorstandsmitglied Dr. Peter Bartels sowie WHU-Professor Markus Rudolf über Stabilität, Solidität und Nachhaltigkeit von Familienunternehmen vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise.

Jürgen Fitschen warnte davor, nur einen einseitigen Fokus auf die Familienunternehmen zu legen und die verschiedenen Unternehmensformen voneinander abzugrenzen: Die Stärke unseres Landes ist es gerade, dass wir verschiedene Sektoren haben, die miteinander harmonieren. Mit Blick auf Europa hob Fitschen hervor, dass gerade Deutschland stark von der gemeinsamen Währung profitiere. Die Krise zeige aber, dass neben einem einheitlichen Währungsraum eine stärkere Kohärenz erreicht werden müsse. Ohne Abgabe von Souveränität wird das nicht gehen, so Fitschen. Lutz Göbel betonte ebenfalls die Vorteile einer gemeinsamen Währung, appellierte aber im Hinblick auf die Griechenlandkrise auch an die Eigenverantwortung der europäischen Länder. Prof. Dr. Markus Rudolf zeigte anhand einer Studie, dass Deutschland von allen Euroländern am meisten von der Währungsunion profitiert habe und seine Wettbewerbsfähigkeit ausbauen konnte. Die Vorteile überwiegen laut Rudolf selbst dann noch, wenn Deutschland Transferzahlungen bis zu einer signifikanten Höhe schultern müsse. Das grundlegende Problem der Währungsunion war es, dass man nicht von Anfang an auf eine Kohärenz der Volkswirtschaften hingearbeitet hat, so Hans-Dietrich Genscher. Das Staatsverhalten müsse grundsätzlich geändert werden, insbesondere auch um die Wettbewerbsfähigkeit in einem globalisierten Markt zu erhalten. Wir stehen vor grundlegenden Veränderungen, denen wir nur durch Forschung, Bildung und Qualifizierung begegnen können. Hier kommt laut Genscher insbesondere den Familienunternehmen eine wichtige Rolle zu: Der Beitrag der Mittel- und Kleinbetriebe zur Berufsausbildung ist überproportional groß, das ist einer der größten Verdienste.

Karl Matthäus Schmidt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der auf Honorarberatung spezialisierten quirin Bank, plädierte in seiner Rede für einen Wandel im Banking-Bereich. Vertrauen ist die Basis eines jeden Bankgeschäftes, so Schmidt. Während der Finanzkrise habe aber das Ansehen der Banken stark gelitten, wir sehen eine Generation aufwachsen, die jegliches Vertrauen zu den Finanzinstituten verloren hat. Die Bankbranche müsse sich ihren Kernaufgaben zuwenden, indem sie wieder den Kunden in den Mittelpunkt stellt und durch wertschöpfendes Handeln und Kredite an die Realwirtschaft den Mittelstand und die Familienunternehmen unterstützt.

Prof. Dr. Sabine Rau, die den Lehrstuhl für Familienunternehmen an der WHU innehat, gab in ihrer Rede einen Einblick in die aktuelle Forschung zu erfolgreicher Nachfolge in Familienunternehmen. Unter dem Motto Dallas und Denver vermeiden stellte sie wichtige Governance-Mechanismen vor. Eine Herausforderung ist es laut Rau, dass es zwar definierte Instrumente und Empfehlungen dafür gibt wie beispielsweise Nachfolgeplanung, Ausbildung des Nachwuchses, Schaffung eines Beirates analog zum Aufsichtsrat oder das Prinzip Business first. Allerdings gebe es keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob diese Regeln zielführend sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen müssen. Die Wissenschaftlerin nahm die Zuhörer auf eine spannende Reise zu vier Prototypen von Familienunternehmen und deren Nachfolgepraktiken mit und leitete daraus ein Modell ab, wie eine erfolgreiche Nachfolge funktionieren kann. Grundlegend ist, dass die Familienidentität geklärt wird, also das, wofür eine Familie steht, was ihr langfristig wichtig ist und an was sie glaubt, so Rau. Diese Familienidentität ist demnach dynamisch und ändert sich regelmäßig. Die Governance-Mechanismen müssen sich an diese Familienidentität anpassen, nur so kann ich entscheiden, ob ich beispielsweise einen Beirat installieren will oder nicht. Die Erfahrung zeige, dass Familienidentität alles andere als Luxus sei, sondern handfeste Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens habe.

Das neue Konferenzformat, das Wissensvermittlung durch vielfältige Workshops integriert, kam bei den Teilnehmern gut an: Besonders wertvoll sind in meinen Augen die Workshops aus der Praxis, diese Verbindung von Praxis und Wissenschaft finde ich wichtig, so Lutz Goebel. Auch Dr. Josef Rettenmeier (Rettenmeier Holding AG) lobte das Format: Ich habe viele Anregungen und Informationen mitgenommen, die ich auch im täglichen Arbeitsleben gut einsetzen kann.

Die erste Konferenz Familienunternehmen an der WHU in Vallendar, organisiert von Studierenden der Hochschule, fand im Jahr 2006 statt. Seitdem treffen sich jährlich Unternehmer, Führungskräfte, Gesellschafter und Beiräte für Vorträge, Workshops und interessante Gespräche an der WHU. Dabei sind namhafte Familienunternehmen aus ganz Deutschland sowie international tätige Konzerne und Unternehmen aus der Region präsent. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });

Weitere Informationen: http://www.konferenz-familienunternehmen.de/
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