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Namen allgegenwärtig, aber zu wenig erforscht

08.05.2012 - (idw) Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Mainzer Linguisten veröffentlichen erste moderne Einführung in die
Onomastik für Fachleute und Laien Milchkühe und Wirbelstürme, Gaststätten und ferne Himmelskörper so unterschiedlich sie sind, haben sie doch Eines gemein: Sie tragen Namen, sei es die Kuh Berta, der Hurrikan Katrina, das Gasthaus Zum Löwen oder das Sternsystem der Plejaden. Namen sind allgegenwärtig und machen einen großen Teil unseres Wortschatzes aus. Dass Namen und die Namenkunde auch von allgemeinem Interesse sind, zeigen derzeit nicht nur die vielen Radiosendungen und Presseberichte zur Herkunft sowie Bedeutung von Familiennamen. Auch universitäre Veranstaltungen zur Onomastik, der Namenforschung, haben enormen Zulauf. Dennoch fehlte bislang eine umfassende, allgemein verständliche Einführung in das Fachgebiet, die den neuesten Stand der Forschung präsentiert. Mit dem Buch Namen haben Linguisten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nun eine moderne und umfassende Darstellung vorgelegt, die sich sowohl an Experten als auch an interessierte Laien richtet.

Ein großer Teil unserer Sprache besteht aus Eigennamen, wobei niemand deren genaue Anzahl kennt. Tatsächlich gibt es unendlich viele Namen, da wir theoretisch jedes Wort zu einem Namen machen können, das Nameninventar ist folglich maximal offen, sagt Co-Autor Fabian Fahlbusch vom Deutschen Institut der Uni Mainz. Niemand weiß also, wie viele Namen es auch nur annähernd sein könnten. Es gibt aber die Hypothese, dass wir mehr Namen als sonstige Wörter beherrschen. Ein Blick in das neue Buch zeigt, dass Namen in fast jedem erdenklichen Lebensbereich vorkommen: Von den Personen- und Ortsnamen über die Haus-, Nutz- und Zootiernamen zu den Waren-, Unternehmens- und Kunstwerknamen. Historische Ereignisse bekommen einen Namen (der 11. September), politische Programme (Agenda 2010), kulturelle Strömungen (Barock), Naturereignisse (Orkan Lothar) etc.

Wie die Namen gebildet werden oder nach welchem Motiv die Benennung erfolgt darf ein Kind etwa Pumuckl, Borussia oder Euro heißen? , wird von Damaris Nübling, Fabian Fahlbusch und Rita Heuser in ihrem Buch erklärt. Sie liefern zunächst einen linguistisch orientierten namentheoretischen und namengrammatischen Teil, wobei sie den Blick immer wieder auf die Sprachgeschichte lenken. Erstmals wird hier auch das kaum erforschte Thema Namen in der Gebärdensprache angeschnitten. Im zweiten Teil wenden sich die Autoren den sechs wichtigsten Namenklassen zu. Sie blicken dabei weit über den Tellerrand des bisher Üblichen hinaus und zeigen die vielen Facetten der Namengebung und Namenkunde, wobei auch ein Ausblick auf Namen anderer Sprachen und Kulturen nicht fehlt.

Das Buch richtet sich an alle, die sich intensiver mit der Erforschung von Namen befassen möchten, insbesondere aber an Schüler, Studierende und Lehrende an Schulen sowie Universitäten. Für das Verständnis dieser Einführung wird die Kenntnis linguistischer Grundbegriffe vorausgesetzt. Viele Termini sind aber zusätzlich noch einmal erklärt, um einen möglichst breiten Leserkreis zu erreichen. Unser Anliegen ist es, die Onomastik aus ihrer philologischen Nische herauszuholen und ihr als linguistisch relevanter Teildisziplin in der universitären Lehre zu mehr Gewicht sowie Verbreitung zu verhelfen, schreiben die Autoren im Vorwort. Auch für den Schulunterricht biete die Namenforschung den idealen Einstieg in Linguistik und Sprachgeschichte. Namen sind allgegenwärtig, und zu ihrer Analyse können die SchülerInnen an linguistische Fachbegriffe und Methoden herangeführt werden.

Das Handwerkszeug dazu liefert das 368-seitige Buch, das vergangenen Monat im Narr-Verlag (Reihe Narr-Studienbücher) erschienen ist. Nach der Lektüre kann das neu erworbene Wissen direkt an den Übungsaufgaben zum Buch auf der Verlagshomepage getestet werden. Aber die Autoren erhoffen sich noch mehr: Sie verstehen die Einführung als Sprungbrett, als Wegweiser in die weitere Forschung und als Anregung zu eigenen Untersuchungen. Denn die Eigennamen sind noch viel zu wenig erforscht.

Abbildungen:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/05_deutsch_namen_buch_almabtrieb.jpg
Bildunterzeile: Bei Almabtrieben in der Schweiz tragen die Kühe einen prachtvollen Blumen-Kopfschmuck mit ihrem individuellen Namen.
Quelle: Namen. Eine Einführung in die Onomastik.

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/05_deutsch_namen_buch_wilde_gans.jpg
Bildunterzeile: Übungsaufgabe: Erstellen Sie ein Korpus moderner GebäudeN (vorzugsweise Hochhäuser, z.B. Frankfurt/Main: Main Tower, Skyper; München: Hypo Haus). Welche Abweichungen von den traditionellen HausN lassen sich beobachten? Stellen Sie v.a. Unterschiede und Besonderheiten in Motivik, Schreibung sowie Lautung heraus.
Quelle: Namen. Eine Einführung in die Onomastik.

Veröffentlichung:
Namen. Eine Einführung in die Onomastik
Damaris Nübling, Fabian Fahlbusch, Rita Heuser
Narr-Verlag, April 2012

Weitere Informationen:

Fabian Fahlbusch, M.A.
Historische Sprachwissenschaft des Deutschen
FB 05 - Deutsches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
D 55099 Mainz
Tel. +49 6131 577-254 oder 0163 5991480
Fax +49 6131 577-277
E-Mail: fabian.fahlbusch@uni-mainz.de
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