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Tagung zum Menschenbild in der frühen DDR-Literatur

13.06.2012 - (idw) Universität Leipzig

"Der Neue Mensch. Ein ideologisches Leitbild der frühen DDR-Literatur und sein Kontext" ist der Titel einer Tagung, zu der das Institut für Germanistik der Universität Leipzig vom 21. bis 23. Juni einlädt. Die Konferenz, die am 21.
Juni um 14.00 Uhr in der Bibliotheca Albertina beginnt und an den beiden darauf folgenden Tagen im Zeitgeschichtlichen Forum fortgesetzt wird, ist für alle Interessierten offen. Im ersten Jahrzehnt der DDR und darüber hinaus war in staatlichen Verlautbarungen oft vom "neuen Menschen" die Rede. Die Partei- und Staatsführung glaubte, durch sozialistische Produktionsverhältnisse einen neuen, in seinem Wesen gewandelten, guten Menschen formen zu können, der dem egoistischen Menschen der Klassengesellschaft moralisch überlegen war. Dieser neue Mensch betrachtete die Arbeit als ehrenvolle Verpflichtung, er ordnete seine individuellen Interessen den gesellschaftlichen unter. Ihm waren Neid, Konkurrenzdenken und Habgier fremd. Er schaute optimistisch in die Zukunft.

"Vom Ich zum Wir" lautete eine viel gebrauchte Parole der Zeit - die Erziehung zum neuen Menschen war Erziehung zum Kollektivismus. "Schriftsteller und bildende Künstler sollten als 'Volkspädagogen' erzieherisch wirken, das Werden des neuen Menschen in ihren Werken darstellen und so für den Aufbau des Sozialismus begeistern", berichtet Dr. Katrin Löffler, die Organisatorin der Tagung. Mit dem Bitterfelder Weg habe sich Ende der 1950er Jahre der ideologische Druck auf die Schriftsteller verstärkt. Es sei jedoch anzunehmen, dass das positive sozialistische Menschenbild gerade von der jungen Autorengeneration als Identifikationsangebot ernst genommen wurde, weil es als Gegenbild zum nationalsozialistischen "Herrenmenschen" und als Alternative zum westlichen "Individualismus" erschien.

"Wie setzten sich die Schriftsteller mit den kulturpolitischen Vorgaben auseinander? Übernahmen, problematisierten oder konterkarierten sie den neuen Menschen? - Diesen Fragen geht die Tagung nach", sagt Dr.
Löffler. Nicht nur zur Literatur, sondern auch zu Film und bildender Kunst gebe es Beiträge. Ein Abendvortrag am 22. Juni um 20.00 Uhr im Zeitgeschichtlichen Forum informiere beispielsweise darüber, wie das Leitbild vom neuen Menschen die DEFA-Märchenverfilmungen von Rumpelstilzchen, Frau Holle, Schneewittchen und Dornröschen beeinflusst hat. Mit Werner Heiduczek ist ihr zufolge am Abend des 21. Juni um 20.00 Uhr im Vortragssaal der Albertina ein namhafter Autor der damals jungen Schriftstellergeneration zu Gast. Er ging zweimal für längere Zeit "in die Produktion" und wird von seinen Erfahrungen und Beweggründen berichten.

Das Tagungsprogramm ist im Internet zu finden unter:
www.uni-leipzig.de/~germ/ (Aktuelles).

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Weitere Informationen:
Dr. Katrin Löffler
Telefon: +49 341 9606674
E-Mail: kloeff@rz.uni-leipzig.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });

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