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Europa auf Identitätssuche

02.07.2012 - (idw) Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V.

Diskussionsrunde des DAAD-Informationszentrums Athen

"Europäer zu sein bedeutet für mich, zu einer Gemeinschaft von 27 Staaten zu gehören und die Vorteile dieser Gemeinschaft zu genießen", meinte Nikos Venierakis, Abiturient der Deutschen Schule Athen. Er wird im nächsten Semester mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Politik an der Universität Konstanz studieren und war einer von fünf Teilnehmern der Diskussionsrunde "Europa auf Identitätssuche Perspektiven und Visionen gegen die Krise". So lautete der Titel der Veranstaltung, die das DAAD-Informationszentrum Athen am 29. Juni 2012 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft organisierte. Rund 90 ehemalige Geförderte und Partner des DAAD verfolgten die lebhafte Diskussion im Garten der Residenz des Botschafters.

Die Veranstaltung aus der Reihe "Europa!" widmete sich damit dem Jahresthema des DAAD: "Gesellschaft im Wandel Wandel durch Austausch". 'Wie kann angesichts der Krise eine europäische Identität entwickelt und gefördert werden?', lautete eine der Fragen, zu der die fünf Gesprächsteilnehmer Stellung bezogen. Neben Nikos Venierakis, Jahrgang 1994 und damit jüngster Gast in der Runde, diskutierten Theocharis Gregoriadis, Politikwissenschaftler und DAAD-Alumnus, Konstantinos Bogdanos, Journalist beim privaten Rundfunk- und Fernsehsender SKAI, Jannis Papadimitriou, derzeit Griechenland-Korrespondent für die Deutsche Welle und die Tageszeitung taz, sowie Christos Asteriou, Schriftsteller, Übersetzer und ebenfalls DAAD-Alumnus.

Alexander Roggenkamp, Leiter des Informationszentrums Athen, moderierte die Gesprächsrunde, die im Hinblick auf Alter, Ausbildung und Beruf bewusst vielseitig zusammengesetzt war. Gemeinsam war allen Teilnehmern jedoch, dass sie eine Weile im europäischen Ausland studiert oder gearbeitet haben oder im Fall von Nikos Venierakis dort demnächst ihr Studium beginnen werden.

Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer darüber, dass Europa einen neuen, realistischen Gründungsmythos benötige, damit die Menschen sich stärker mit dem Projekt "Europa" identifizieren. Einen wesentlichen Beitrag dazu hätten nach Auffassung von Konstantinos Bogdanos Erziehung und Bildung zu leisten. Nikos Venierakis stellte fest, dass das Thema Europa im Unterricht sicherlich wichtig sei, für ihn persönlich aber die Begegnung mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern Europas im Rahmen von Schüleraustauschen sehr viel bedeutsamer und prägender gewesen sei. Als einen wichtigen Grund für die derzeitige Krise in Europa nannte Jannis Papadimitriou Vermittlungsprobleme: "Es ist einfach unglaublich schwer, komplexe Themen wie die Europäische Verfassung den Menschen nahe zu bringen und zum Beispiel der Oma in Bottrop zu erklären, was die Verfassung für sie konkret bedeutet."

Christos Asteriou wies auf einen eklatanten Konstruktionsfehler beim Bau des Hauses Europas hin: Die Einführung des Euro sei verfrüht erfolgt, ohne dass eine tragfähige Basis, bestehend aus dem klaren Bekenntnis der Menschen zu Europa als ihrer Heimat mit einer gemeinsamen Geschichte und Kultur, existiert habe. Einig waren sich alle Gesprächsgäste, dass eine Aufwertung des Europäischen Parlaments und mehr Bürgerbeteiligung wichtige Schritte hin zu mehr Integration und Identifizierung des Einzelnen mit Europa seien. Auch müsse langfristig über die Gründung europäischer Parteien nachgedacht werden. Europa sei in jedem Fall kein Selbstläufer, so Jannis Papadimitriou, sondern fordere permanenten Einsatz "so wie in einer Ehe, an der man täglich arbeiten muss."

Im Anschluss an die Diskussionsrunde wurden die neuen DAAD-Stipendiaten, die dieses Jahr für einen Sprachkurs, zum Studium oder für einen Forschungsaufenthalt nach Deutschland ausreisen, feierlich geehrt. Es hatten sich doppelt so viele Griechinnen und Griechen wie im Vorjahr um die Stipendien beworben, 77 von ihnen werden gefördert. Der anschließende Empfang bot den Gästen dann Gelegenheit zum weiteren Austausch.


Kontakt
Alexander Roggenkamp, Leiter DAAD-Informationszentrum Athen
Tel.: 0030 210 36 08 171, E-Mail: daad@athen.goethe.org

Leiterin Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
Francis Hugenroth
Tel: 0228 / 882-454
Fax: 0228 / 882-659
E-Mail: presse@daad.de
www.daad.de
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