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Ausstellung "Hommes de lettres - Federic. Der König am Schreibtisch"

05.07.2012 - (idw) Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz

Noch nie gezeigte Stücke von höchster Qualität in einer einmaligen Zusammenstellung

6. Juli 30. September 2012
dienstags sonntags, 10 bis 18 Uhr
200 Seiten Katalog (16 ), Eintritt 6 (ermäßigt 3 )
Kunstbibliothek | Staatliche Museen zu Berlin PK
Kulturforum / Matthäikirchplatz
10785 Berlin Die Ausstellungsreihe der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum Jubiläumsjahr 300 Jahre Friedrich der Große Kunst, König, Aufklärung wird vom Geheimen Staatarchiv und der Staatsbibliothek zu Berlin mit einer Ausstellung abgeschlossen, für die beide aus ihren reichen Beständen zur Geschichte Preußens rund 200 Objekte zusammentrugen. Die meisten sind der Öffentlichkeit noch unbekannt: unikale Akten, Briefe, Edikte, Werkmanuskripte, Drucke, Randverfügungen, Musikautographe, Siegel, Karten, militärische Objekte und mehr vom König selbst geschrieben oder an ihn adressiert, von ihm kommentiert, in Auftrag gegeben sowie beim Regieren und bei der Erholung von seinen Amtsgeschäften benutzt.

Friedrich II. (1712-1786) steht in der Ausstellung Homme de lettres Federic als König am Schreibtisch im Mittelpunkt. Diese Sicht auf den Monarchen ist neu. Fast keines der überwiegend unikalen Stücke aus den bedeutenden Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wurde je zuvor öffentlich präsentiert. Durch das temporäre Nebeneinander der Zeugnisse von Friedrichs literarischem Schaffen im weitesten Sinne wird das Bild von ihm weiter differenziert, zugleich werden seine Vielschichtigkeit und sein Fleiß eindrucksvoll dargelegt.

Der im Eingang der Ausstellung stehende Schreibtisch des Monarchen aus dem Schloss Sanssouci ist hier nicht allein Sinnbild seines vielfältigen und unermüdlichen Schaffens; er repräsentiert zugleich die Aufträge, Entscheidungen und Erlasse, Briefe an Vertraute und Familienmitglieder, Prosawerke, Kompositionen und vieles mehr, mit denen Friedrich der Große die Geschicke Preußens lenkte, philosophische Diskurse bereicherte, politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturrelle Entwicklungen beförderte. Wo immer der König längere Zeit sich aufhielt, war ein Schreibtisch in seiner Nähe, ob im Felde oder in seinen Schlössern.

Von des Königs Hand und in seinem Auftrag

Einige der von Friedrich spontan geschriebenen Randverfügungen, wie die über die gleich guten Religionen oder dass Gesetze kurz und nicht weitläufig sein müssten, sind ebenso ausgestellt wie die Manuskripte zu solche berühmten Werken wie Die Widerlegung des Fürsten von Machiavel (1740), Die Generalprinzipien des Krieges und ihre Anwendung auf die Taktik und Disziplin der preußischen Truppen (1748) oder sein eigenhändig niedergeschriebenes politisches Testament von 1768. Dazu kommen Briefe an seine Schwester Wilhelmine und seinen Bruder Heinrich, an den Marquis dArgens und an Voltaire, ein 1740 verfasstes Gedicht über die Liebeslust, auch eine Schatullrechnung aus dem Jahr 1751 über den Ersatz von Kleidungsstücken C. P. E. Bachs, welche von Friedrichs Hund Alcmene zerrissen worden waren.

Friedrichs Liebe zur Musik drückte sich nicht zuletzt in seinen Kompositionen und Interpretationen aus. Zu sehen sind aus den Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin neben Musikautographen von Friedrich II auch eine seiner Querflöten aus dem Musikinstrumentenmuseum.

Besonderes Augenmerk schenkte der König seiner Privatpresse: In den Werkstätten wurden nur von ihm ausgewählte Werke in kleinen Stückzahlen und in von ihm bestimmter Ausstattung gedruckt - einige dieser Bücher sind ausgestellt.

In nahezu jedes der neun Kapitel der Ausstellung sind bedeutende Porträts und Skulpturen aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin integriert, auch diese gehören zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Die Gliederung der Ausstellung

Insgesamt rund 200 Exponate beleuchten den preußischen König aus einer bislang unbekannten Perspektive - der des Schreibenden. Gegliedert ist die Ausstellung in neun Kapitel:

Avant-propos - Die Ausstellung wird mit einem prachtvollen Schreibtisch Friedrich des Großen und Portraits eingeleitet. Der Schreibtisch stammt aus der Bibliothek im Schloss Sanssouci. Theodor Fontane vermerkte im 19. Jh.: Von Potsdam aus wurde Preußen aufgebaut, von Sanssouci aus durchleuchtet.

Die Arbeit im Kabinett - Die Arbeitszimmer des Königs, die er in jedem seiner Schlösser einrichten ließ, waren die zentralen Schaltstellen der königlichen Macht nach innen und außen. Er regierte aus dem Kabinett heraus, zog sich dorthin zurück und kommunizierte mit seinen Ministern überwiegend schriftlich. Eingehende Schreiben wurden in der Kabinetts-Kanzlei eröffnet und ggf. dechiffriert, dann dem König vorgelegt oder vorgelesen. Er wiederum erteilte mündlich oder als Marginalresolution die Anweisung zum Antwortschreiben, meist in Form einer Kabinettsordre. Ein Feldjäger besorgte den Depeschen-dienst zwischen seinem Kabinett und den königlichen Behörden. Alle Kabinettsordres wurden täglich in vollem Wortlaut in ein Register eingetragen - diese Minüten genannten Dokumente bilden heute im Geheimen Staatsarchiv PK eine lange Reihe von Foliobänden und sind eine äußerst ergiebige archivalische Quelle. Wichtige Schreiben verfasste der König sofort und eigenhändig. Seine Regierung begann der junge König mit einem Paukenschlag, mit ersten Reformen: Er schaffte die Folter ab, beseitigte die Zensur für den nichtpolitischen Teil der Zeitung und verkündete religiöse Toleranz (Alle Religionen sind gleich und gut wenn nur die Leute ehrlich sind, Randverfügung, 15. Juni 1740). Später strengte er eine umfassende Justizreform an, die acht Jahre nach seinem Tod in das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten münden sollte. Zum ersten Entwurf, der dem König 1785 vorgelegt wurde, hielt er in einer Randverfügung fest: Es ist aber sehr dicke und Gesetze müssen kurz und nicht weitläufig sein.

Im Getriebe der großen europäischen Politik Wie für seine Zeitgenossen war auch für Friedrich II. Krieg stets ein legitimes Mittel der Politik. In seinem dritten, dem Siebenjährigen Krieg (17561763), stand bis auf England fast ganz Europa gegen Preußen in Waffen. Mit diesem Staatenbildungskrieg setzte Friedrich sich endgültig durch, am Ende seiner Regierungszeit war Preußen eine von fünf etablierten Großmächten. In der Ausstellung werden u. a. das eigenhändige Manuskript des Königs Geschichte des Siebenjährigen Krieges von 1764 gezeigt sowie ein Faksimile seiner Kabinettsordre an seinen Staats- und Kabinettsminister Finckenstein vom 12. August 1759 nach der verheerenden Niederlage bei Kunersdorf, in der es heißt Alles flieht, und ich bin nicht mehr Herr meiner Leute. Man wird in Berlin gut tun, an seine Sicherheit zu denken.

Der Onkel Deutschlands Politik und Familie. Private Korrespondenz - In einigen Tagen erwarte ich hier eine ganze Schar von Neffen und Nichten. Ich werde allmählich der Onkel von ganz Deutschland, bemerkte Friedrich der Große im August 1763. Durch kluge Heiratspolitik hatte er verwandtschaftliche Beziehungen zu etlichen Höfen innerhalb und außerhalb Deutschlands. Mit seiner Thronbesteigung 1740 war Friedrich auch Oberhaupt des Hauses Hohenzollern geworden, ihm oblag nun die Mehrung der Güter ebenso wie die Versorgung der Familienmitglieder. - Aus Hunderten von Briefen, die er mit seinen Verwandten wechselte, geht hervor, dass er seine Rolle als Sohn, Ehemann, Bruder, Schwager und Onkel sehr ernst nahm. Die Autographe in der Ausstellung belegen dies, darunter Briefe an seine Schwester Wilhelmine Markgräfin von Bayreuth und an seinen Bruder Prinz Heinrich.


Hinter den Kulissen: Die Vertrauten des Königs Häufig thematisierte Friedrich Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Freundschaft und Loyalität. Die Beschäftigung mit Philosophie und Literatur diente ihm als Lebenshilfe, wie er dem befreundeten Marquis dArgens anvertraute: Ich greife nach allem, was den Geist stark beschäftigt. Stets wurde er von ei
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