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Friedrich-Schiller-Universität Jena wird Forschungsnetzwerk zum Rechtsextremismus etablieren

16.07.2012 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Reichstagsfraktion der NSDAP 1928-1933, Neoliberalismus und neue Rechte, Stationen der Entwicklung der Thüringer Neonaziszene seit 1999, Antisemitismus in Deutschland: Sozialwissenschaftliche Befunde, Vorurteile und Diskriminierung in den Medien, Thüringer Studie zur Vorurteilsprävention und Toleranzentwicklung dies sind nur einige Arbeiten von Wissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die sich mit Rechtsextremismus befassen oder Aspekte daraus untersucht haben. Viele Fakten wurden gesammelt und Einsichten gewonnen, die außerhalb der Wissenschaft nicht immer zur Kenntnis genommen werden.

Nach den Erkenntnissen im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem sog. Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) hält Prof. Dr. Klaus Dicke, Rektor der Jenaer Universität, eine Neubewertung des Rechtsextremismus und des Umgangs mit ihm für erforderlich. Als Rektor und Politikwissenschaftler hat er die Absicht bekundet, ein Kompetenzzentrum zum Rechtsextremismus an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu etablieren. Es soll v. a. drei Aufgaben erfüllen: Erstens den bisherigen Wissensstand in geeigneter Form dokumentieren; zweitens neue Forschungsvorhaben initiieren; drittens als Expertengruppe auf Anfragen aus Politik und Gesellschaft für Beratungsleistungen zur Verfügung stehen.

Mit seiner Initiative ist Prof. Dicke inner- und außerhalb der Universität auf große Resonanz gestoßen. Leider war die ehrgeizig geplante Zeitschiene nicht einzuhalten; die institutionelle Gründung des Kompetenzzentrums wird stattfinden, wenn alle organisatorischen Fragen geklärt sind. Wir wollen die hier vor Ort zu bearbeitenden Forschungsfragen durch Bündelung vorhandener Kompetenzen koordiniert angehen und niemanden von der Mitarbeit ausschließen. Deswegen wird im November 2012 ein Jahr nach dem Bekanntwerden der NSU-Aktivitäten ein Workshop stattfinden, um ein schlüssiges und konsistentes Forschungsprogramm zu entwerfen. Zu diesem Workshop sind alle Forscherinnen und Forscher aus der Jenaer Universität und darüber hinaus eingeladen.

Das Kompetenzzentrum wird die zahlreichen Einzelforschungen zu Fragen des Rechtsextremismus aus allen Disziplinen unter einem Dach zusammenführen und vor allem koordinierend wirken. Es wird eine vom Land finanzierte Koordinatorenstelle geben, konnte der Rektor heute (16.7.) vor den Medien bekanntgeben. Zum neuen Netzwerk soll es eine Homepage und Broschüren geben, in denen Termine, Kompetenzen und neue wie beendete Projekte aufgeführt werden. Wichtig ist dem Rektor auch ein Kompetenzkompass eine Expertenliste, in der Interessierte aus Gesellschaft, Politik und den Medien rasch Ansprechpartner finden, wenn es spezifische Fragen zum Thema Rechtsextremismus gibt.

Ausgehend von dem Befund, dass zwischen dem formalen Bildungsgrad und abnehmender Neigung zu extremistischen Einstellungen ein signifikanter Zusammenhang besteht, sollen in einer nächsten Phase Vorschläge für außerschulische und schulische Bildung auf allen Stufen unter Einschluss der Bildung an den Hochschulen erarbeitet werden.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität von der Politik-, Erziehungs- und Kommunikationswissenschaft über Soziologie, Psychologie, Geschichte und Theologie bis hin zu Jura und Kunstgeschichte haben ihr Interesse bekundet, sich am neuen Kompetenzzentrum zu beteiligen. Und längst gibt es weitere Aktivitäten, z. B. in Richtung Literatur- und Sprachwissenschaft. Es ist für mich ein gutes Zeichen, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich engagieren wollen und sich als kritische Instanz der Gesellschaft sehen auch wenn dies den Abstimmungsbedarf erhöht, sagt Rektor Dicke. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });

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