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Rassismus ein Thema für den Biounterricht

18.07.2012 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Biologiedidaktiker der Universität Jena legt überarbeitete Ausgabe von Überblicksbuch vor Biologie ist inzwischen weit mehr als das, was Schüler im Unterricht lernen. Natürlich sind etwa die Anatomie von Säugetieren, die Fortpflanzung von Einzellern oder die Fotosynthese elementarer Lehrplanstoff. Doch die Auseinandersetzung mit ethischen Problemen, z. B. um die Stammzellforschung und die Gefährdung der Biodiversität, nehmen heutzutage eine wichtige Rolle ein, wenn Schüler sich mit dieser Wissenschaft beschäftigen. Im Unterricht bleibt dafür leider nur wenig Zeit und den Lehrerinnen und Lehrern fehlen oftmals die nötigen, aktuellen Informationen.

Dass sie sich allerdings gern solch praktischen Themen stellen, zeigt die riesige Nachfrage nach Informationsmaterial, sagt Prof. Dr. Uwe Hoßfeld von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Biologiedidaktiker veröffentlichte im vergangenen Jahr das Buch Biologie und Politik. Die Herkunft des Menschen, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Die erste Auflage war umgehend vergriffen, so dass der Autor nun eine zweite, überarbeitete Fassung vorlegt.

Auch in Hoßfelds Veröffentlichung steht ein praktisches Thema im Vordergrund, das sowohl biologische als auch gesellschaftliche Bereiche berührt und dringend didaktisch überarbeitet werden musste. Das menschliche Zusammenleben geht immer auch einher mit Diskriminierung und Kategorisierung, erklärt der Biodidaktiker. Spätestens mit dem Einsetzen der anthropologischen Forschung im 19. Jahrhundert mündete dies u. a. im Rassismus, den man auch wissenschaftlich begründen wollte. Bis heute sei im Lehrplan für den Biologieunterricht von Rassen (in ihrer Anwendung auf den Menschen) die Rede und auch das Grundgesetz verwende diesen Begriff. Deshalb sei es wichtig, Rassismus mit seinen historischen und theoretischen Ursprüngen und Auswirkungen ebenso im Biologieunterricht zu thematisieren. Er habe während verschiedener Weiterbildungsveranstaltungen immer wieder festgestellt, dass er mit dem Thema bei den Lehrerinnen und Lehrern offene Türen einrenne, aber zeitgemäßes Informations- und Lehrmaterial fehle, so Hoßfeld. Mit dem neuen Buch gebe er eine leicht verständliche Handreichung, die über die Zentrale für politische Bildung Thüringen kostenlos bezogen werden kann. Dieser Publikationsweg empfehle sich zudem, da eine aktuelle Überarbeitung von Lehrplänen und Schulbüchern derzeit zwischen fünf und zehn Jahren dauert.

Wie die Geschichte und auch etwa die rechtsterroristischen Geschehnisse in Deutschland gezeigt haben, müssen Lehrkräfte zu dieser Thematik auch Position in der Schule beziehen. Heute wissen wir und die Wissenschaft konnte mit eindrucksvollen (vorwiegend genetischen) Argumenten beweisen: Die Einteilung der Menschen in Rassen ist wissenschaftlich unhaltbar. Zudem wurde gezeigt, dass äußere Merkmale wie Haut- und Haarfarbe, die gerade von einem Dutzend von insgesamt 150.000 Erbfaktoren bestimmt werden, nur der Anpassung der Natur an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten zu verdanken ist. Wir Menschen sind verschieden und dennoch gleich, weil wir genetisch eine breite Mixtur aus ethnischen Gemeinsamkeiten darstellen, sagt Hoßfeld. Welche Ausprägungen Rassismus haben kann, zeigte sich nicht nur besonders perfide in der Nazizeit, sondern auch die Bürgerkriege in Jugoslawien und Tschetschenien, die nicht so lange zurückliegen, sind aktuelle Beispiele solch menschlichen Fehlverhaltens.

Dass diese Publikation auch auf internationales Interesse stößt, belegen die hebräischen und russischen Übersetzungen des Buches, die im kommenden Jahr erscheinen werden.

Bibliographische Angaben:
Uwe Hoßfeld: Biologie und Politik/Die Herkunft des Menschen", zweite Auflage, erschienen bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt, Erfurt 2011, 93 Seiten, ISBN 978-3-943588-02-6. Zu beziehen über: www.lzt.thueringen.de.


Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Universität Jena
Am Steiger 3 (Bienenhaus)
07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: http://www.lzt.thueringen.de http://www.uni-jena.de
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