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Blick hinter die Kulissen - Interdisziplinäres Labor Bild Wissen Gestaltung

17.09.2012 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Die Sprecher des neuen Exzellenzclusters stellten beim Pressefrühstück ihre
Forschungsprojekte für die kommenden fünf Jahre vor. 15 Institutionen der Humboldt-Universität zu Berlin sowie weitere Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt. Mit dem Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung. Ein interdisziplinäres Labor, an dem 22 Disziplinen aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Museen mitwirken, war die Humboldt-Universität in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative mit einem der größten Projekte erfolgreich. Die beiden Sprecher des Exzellenzclusters, Professor Horst Bredekamp (Institut für Kunst- und Bildgeschichte) und Professor Wolfgang Schäffner (Institut für Kulturwissenschaft), erläuterten Medienvertretern heute den Aufbau und die Ziele des Clusters sowie die ab November 2012 beginnenden Basisprojekte.

Wissenschaft ist Gestaltung. In allen wissenschaftlichen Disziplinen spielen Bilder eine zentrale Rolle für die Gewinnung, Modellierung, Vermittlung und Dokumentation von Erkenntnissen. Durch die Entwicklung digitaler Bildgebungsverfahren und Modellierungen hat die Bedeutung von Gestaltung für die Herstellung und Wahrnehmung von Wissen jedoch eine neue Qualität erreicht. Die herausfordernden Veränderungen des Wissens durch Visualisierung und Virtualisierung im 21. Jahrhundert erfordern gemeinsame Bemühungen von Geistes- und Naturwissenschaften sowie den Gestaltungsdisziplinen. Darum zielt der Cluster auf den Aufbau eines interdisziplinären Labors, in dem Bilder, Objekte und Wissen als Gestaltungsprozesse untersucht werden und die Spezialwissenschaften zu unerwarteten Verbindungen und neuen Erkenntniswegen gelangen. Ziel ist es, eine tiefe Reflektion von Methoden und Praktiken zu provozieren und die wissenschaftlichen Instrumente zu schärfen und zu gestalten.
Als Mittel der Sichtbarmachung und Verdichtung, der Modellierung und der Vermittlung, der Beweisführung und der Archivierung haben Bilder einen tiefgreifenden Wandel in Natur- wie Geisteswissenschaften, Technik und Medizin bewirkt. Sie lassen unüberschaubare Datenmengen und Komplexitäten begreifbar werden, und indem sie Stile und ästhetische Strategien transportieren, verlangen sie die disziplinäre und räumliche Überwindung von Grenzen. Mit Bild Wissen Gestaltung verknüpft die Humboldt-Universität erstmals in ihrer 200-jährigen Geschichte universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Museen zu einer gemeinsamen Wissensarchitektur, erläutert Horst Bredekamp.

Der Cluster verbindet programmatisch Theorie und Praxis, Grundlagenforschung und Anwendung. Bild Wissen Gestaltung forscht problemorientiert mit direktem gesellschaftlichen Bezug. So werden beispielsweise neue Lösungsstrategien für Mobilität und energieeffiziente Materialien entwickelt. Das Wissen, das in den historischen Beständen der Berliner Museen, Archiven und Sammlungen gespeichert ist, wird durch neue Strategien der Erschließung, der Digitalisierung und Vermittlung für aktuelle Forschung produktiv gemacht.

Damit stellt sich auch die Frage, wie das historische Wissen experimentell werden kann, so dass zukunftsorientierte Gestaltung vom historischen Archiv profitiert. Die Geisteswissenschaften agierten immer historisch, analytisch und auch kritisch und behandelten die Frage, was geschehen ist, oder die historischen Möglichkeitsbedingungen bestimmter kultureller Prozesse. Insoweit kommen wir eigentlich notorisch zu spät, wenn es um die Frage geht, was getan werden soll. Die eigentliche Herausforderung für uns als Geisteswissenschaftler ist daher: Das profunde Wissen über die Geschichte für die Gestaltung der Zukunft notwendig und nutzbar zu machen, sagt Wolfgang Schäffner.

Die zentrale Ressource hierfür bilden problemorientierte Basisprojekte, in denen sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in unterschiedlichen Konstellationen zur Bearbeitung von Fragestellungen zusammenfinden, die den Horizont der beteiligten Spezialdisziplinen übersteigen. Ab November 2012 starten die ersten Projekte wie beispielsweise Historische Strukturuntersuchungen im Labor, das in Kooperation zwischen Strukturengeschichte, aktueller Materialforschung, Architektur- und Designforschung und Biologie/Evolutionsforschung die historische Literatur neu erschließt, die darin beschriebenen Strukturen und Funktionen extrahiert und im Labor experimentell untersucht. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf einige ausgesuchte Beispiele aus der bio-inspirierten Materialforschung.

Auch der praktische Einsatz von bildgeleiteten Techniken in der radioonkologischen und chirurgischen Therapie ist Forschungsgegenstand des Clusters. Erstmals werden Medizin und Kunst- und Bildgeschichte gemeinsam untersuchen, welche visuellen Muster im medizinischen Kontext mit welcher Semantik und Handlungsoptionen verknüpft werden und aus welchen ästhetischen Traditionen diese hergeleitet sind. Ziel ist, Risiken neuer Verfahren zu analysieren und zur Optimierung bildgeleiteter Verfahren zur Diagnose und Therapie beizutragen. Diagnose- und Therapietechniken sollen als komplexe Gestaltungstechniken untersucht werden. Neue Ansätze zur Gestaltung von Operationslogiken medizinischer Interventionen wie z.B. der Dialyse werden dabei entwickelt. Dazu arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Bereichen Architektur, Design, Urbanistik und Kulturwissenschaft gemeinsam mit Medizinern und Medizintechnikern zusammen.

Im Rahmen des Clusters werden Brückenprofessuren eingerichtet, die eine gemeinsame Forschung zwischen Physik und Kulturwissenschaft sowie Biologie und Kunstgeschichte forcieren. Der Cluster wird herausragende Forscherinnen und Forscher einer Vielzahl universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in einem interdisziplinären Labor zusammenführen. Damit soll in Berlin ein weltweit einzigartiges Netzwerk von Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Gestaltungsdisziplinen entstehen. Dieses Labor soll als Instrument für die integrative Verbindung der Wissenschaften Maßstäbe für zukünftige Forschungsvorhaben setzen, so die Sprecher Horst Bredekamp und Wolfgang Schäffner.

BETEILIGTE INSTITUTIONEN

Sprecheruniversität:
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Kulturwissenschaft (Sprecher)
Institut für Kunst- und Bildgeschichte (Sprecher)
Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik
Integrative Research Institute for the Sciences - IRIS Adlershof
Charité Universitätsmedizin Berlin
Institut für Archäologie
Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft
Institut für Biologie
Institut für Deutsche Literatur
Institut für Geschichtswissenschaften
Institut für Informatik
Institut für Mathematik
Institut für Physik
Institut für Psychologie
Institut für Sozialwissenschaften

Hochschulen:
Freie Universität Berlin Institut für Theaterwissenschaft
Hochschule Anhalt Fachbereich Design Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation
Technische Universität Berlin Institut für Telekommunikationssysteme Institut für Architektur
Universität der Künste Fakultät Gestaltung: Produkt und Prozess Design Fakultät Musik: Sound Studies
Weißensee Kunsthochschule Berlin Fachgebiet 2: Produkt-Design


Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen:
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
Konrad-Zuse-Institut
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte
Max-Plank-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung
Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

Museen und Archive:
Stiftung preußischer Kulturbesitz Ibero-Amerikanisches Institut Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin
Deutsches Hygiene-Museum
Museum für Naturkunde
Stiftung Bauhaus Dessau

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