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Technik- und Medienschmiede TU Ilmenau: 10 Jahre Institut für Medientechnik

21.01.2013 - (idw) Technische Universität Ilmenau

Mit einem wissenschaftlichen Kolloquium und einer Festveranstaltung feiert das Institut für Medientechnik der Technischen Universität Ilmenau am 24. Januar 2013 sein 10-jähriges Bestehen. Die Gründung des Institutes im Jahr 2002 war Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits 1993 mit dem Start des Modellversuchs Elektronische Medientechnik ihren Anfang nahm und zu einer Erfolgsstory wurde, die Ihres gleichen sucht. Das vom damaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter und heutigen TU-Professor Hans-Peter Schade initiierte Pilotprojekt war auf vier Jahre befristet und kleine Gruppenstärken zugeschnitten. Doch schon ließ sich die Nachfrage nach dem neuen Ausbildungsangebot kaum noch befriedigen.

Die neuen Entwicklungen im Bereich der Medien und insbesondere deren Digitalisierung früher als andere aufgreifend, handelte die TU Ilmenau schnell und entschlossen: Nicht nur einer, sondern gleich drei Medienstudiengänge wurden konzipiert und 1996 eingeführt: Medientechnologie, Angewandte Medienwissenschaft und Medienwirtschaft. Mit jeweils eigener Schwerpunktsetzung verbinden sie technik-, wirtschafts- und kommunikationswissenschaftliche Inhalte. Diese interdisziplinäre Herangehensweise wurde als Ilmenauer Modell bekannt. Der Rektor der TU Ilmenau, Professor Peter Scharff: Obwohl wir erst 10 Jahre Institut für Medientechnik feiern, blicken wir auf insgesamt fast 20 Jahre Ausbildung und Forschung in der Medientechnologie zurück. Wir waren damals die ersten auf diesem Gebiet, und wir haben aus diesem Pfund immer mehr gemacht: Heute können wir mit Stolz sagen, dass die TU Ilmenau zu den größten und renommiertesten Medienstandorten in der deutschen Universitätslandschaft gehört. Allen Medienschaffenden der Universität meine hohe Anerkennung und herzliche Gratulation zum Jubiläum!

Begleitet vom bis heute aktiven Wissenschaftlichen Beirat Medien aus führenden Vertretern der Medienpraxis wurde 1997 die Gründungsphase des Instituts für Medientechnik (IMT) und darüber hinaus des ebenfalls neu entstandenen Instituts für Medien- und Kommunikationswissenschaft (IfMK) eingeläutet. Mit den Berufungen der ersten drei Professoren (2000: Professor Karlheinz Brandenburg, Fachgebiet Elektronische Medientechnik, 2001: Professorin Heidi Krömker, Fachgebiet Medienproduktion, 2002: Professor Hans-Peter Schade, Fachgebiet Audiovisuelle Technik) waren schließlich auch die formalen Voraussetzungen für Gründung des IMT im November 2002 gegeben. Später erweiterten Professor Gerald Schuller (Fachgebiet Angewandte Mediensysteme) sowie Professor Paul Klimsa (Fachgebiet Kommunikationswissenschaft) die Reihe der Hochschullehrer am Institut.

Heute arbeiten in den fünf Fachgebieten des IMT rund fünfzig wissenschaftliche und technische Mitarbeiter/innen. Die Hälfte der Forscher wird über Drittmittelprojekte von Bund, Land, EU oder Industriepartnern finanziert. Zu den zukunftsträchtigen Themen, mit denen sich die Ilmenauer Medientechnologen bisher beschäftigten, gehören beispielsweise interaktive audiovisuelle Anwendungssysteme, dreidimensionales Fernsehen und virtuelle Studioproduktion. Mehr als 1000 Studierende haben inzwischen das Studium der Medientechnologie mit einem Diplom-, Bachelor oder Masterabschluss erfolgreich beendet. Zudem wurden 30 junge Wissenschaftler auf diesem Gebiet promoviert bzw. habilitiert.

Insgesamt sind an den beiden Medieninstituten IMT und IfMK heute zwölf ingenieur- und sozialwissenschaftliche Professuren angesiedelt, darunter auch Fachgebiete für empirische Medienforschung und politische Kommunikation, für Medienpsychologie und Medienkonzeption und für virtuelle Welten und digitale Spiele. Hinzu kommen noch wirtschaftswissenschaftliche Fachgebiete wie Marketing und Medienrecht. Der Aufbau der Mediensäule trug damit maßgeblich zur Verbreiterung des Lehr- und Forschungsspektrums der TU Ilmenau um sozialwissenschaftliche Bereiche bei.

Einhergehend mit der wissenschaftlichen Profilierung wurden die technologischen Voraussetzungen für eine zukunftsorientierte medientechnologische Ausbildung und Forschung geschaffen. Mit Förderung durch das Land Thüringen, den Bund und die Deutsche Forschungsgemeinschaft entstand am IMT ein moderner Studiokomplex, und als erste deutsche Universität verfügte die TU Ilmenau über ein virtuelles Studio. Hinzu kamen ein klassisches Studio, ein Video-, Hör- und ein Usability-Labor sowie das weltweit einzigartige Kompetenzzentrum Virtuelle Realität. Es koppelt die interaktive Visualisierung einer 3-Seiten-Cave mit synchroner räumlicher akustischer Präsentation. Hierbei kommt das IOSONO®-Soundsystem zum Einsatz, das einen perfekten natürlichen Klangeindruck im gesamten Raum schafft. Das System ist eine von zahlreichen Innovationen des von Professor Karlheinz Brandenburg geleiteten Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie Ilmenau, das sich auf dem Campus der Medienschmiede TU Ilmenau angesiedelt hat und gemeinsam mit dem IMT an neuen Medientechnologien für professionelle Märkte und für den Unterhaltungssektor forscht. Das IOSONO®-System wurde inzwischen weltweit installiert und mündete in einer Firmengründung. Gleiches gilt für die Entwicklung Diminished Reality des Fachgebietes Virtuelle Welten und Digitale Spiele des IfMK. Dieses auf Computer-Vision-Techniken basierende Verfahren ermöglicht es, unerwünschte Bildelemente durch andere Bildelemente zu ersetzen, so dass für den Betrachter ein insgesamt plausibler und konsistenter Gesamteindruck entsteht.

Die sich aus der Elektro- und Informationstechnik herausgebildete besondere Medienkompetenz der einzigen technischen Universität Thüringens ist auch in der Mobilkommunikation begründet. Digitale Medientechnologie und Mobilkommunikation sind heute zwei der sechs Forschungsclusters der TU Ilmenau. Dies führte zu weiteren Konzentrationen in diesem Bereich, auch im Umfeld der Universität. 2008 wurde die Professur Drahtlose Verteilsysteme/Digitaler Rundfunk und die gleichnamige Arbeitsgruppe des Fraunhofer IIS Erlangen eingerichtet. Ein 50 Meter hoher Antennenturm und ein Forschungsneubau bilden exzellente Bedingungen für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Satellitenkommunikation.

2011 wurden die Kompetenzen im fakultätsübergreifenden Institut für Medien- und Mobilkommunikation noch stärker gebündelt. Die Studiengänge Medientechnologie und Medienwirtschaft werden heute als konsekutive Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten, der Bachelorstudiengang Angewandte Medienwissenschaft durch den Masterstudiengang Medien- und Kommunikationswissenschaft ergänzt. Hinzu kommt der englischsprachige Masterstudiengang Communications and Signal Processing. Insgesamt werden in diesen Studiengängen derzeit rund 1850 Studierende für zahlreiche Arbeitsfelder in verschiedenen Medien- und Industriebranchen auf höchstem Niveau ausgebildet.

Darüber hinaus sind Inhalte aus diesen Gebieten in weiteren ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen und der Nachwuchsforschung der TU Ilmenau vertreten. Im DFG-geförderten Graduiertenkolleg Selbstorganisierende Mobilkommunikationssysteme für Katastrophenszenarien arbeiten über 30 internationale junge Wissenschaftler an Systemen, mit denen die bei Naturkatastrophen, Unglücken oder Anschlägen zusammengebrochene Mobilkommunikation wieder hergestellt werden kann. Im Rahmen des ProExzellenz-Programms fördert das Land Thüringen die Graduiertenschule Bildverarbeitung und Bildinterpretation, deren Doktoranden an neuesten Kameratechnologien und Bildverarbeitungsverfahren forschen. Hier fließen auch die Kompetenzen des Forschungsclusters Präzisionstechnik und Präzisionsmesstechnik der TU Ilmenau und die engen Kooperationen mit optischen Industrie Thüringens maßgeblich mit ein.


So ist die TU Ilmenau thüringenweit, aber auch national und international, als exzellente Technik- und Medienschmiede aufgestellt. Sie ist damit zugleich ein bedeutender Technologietreiber für die wirtschaftliche Entwicklung Thüringen in einem der wichtigsten Wachstumsfelder im Zeitalter der Digitalisierung.


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