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Immer mehr Deutsche lernen Italienisch

20.11.2003 - (idw) Universität Bremen

Der Bremer Sprachwissenschaftler und Italianist Professor Hans P. Krings hat herausgefunden, dass die italienische Sprache zur Zeit so beliebt ist, wie nie zuvor. Allein an den deutschen Volkshochschulen haben sich im vergangenen Studienjahr über 200.000 Erwachsene eingeschrieben. Damit hat sich nicht nur die absolute Zahl der Kursteilnehmer in 30 Jahren versechsfacht, sondern auch der relative Anteil an allen Sprachkursen stieg überproportional von vier auf elf Prozent.

Touristenschelte hin, Kanzlerurlaub her - die Deutschen lassen sich ihre traditionelle Liebe zu Italien von Politikern nicht vermiesen. Italienische Küche, italienische Mode, italienisches Design erfreuen sich in Deutschland nach wie vor größter Beliebtheit. In manchen Punkten sind die Deutschen sogar italienischer als die Italiener. So stehen in deutschen Küchen mehr Espresso- und Cappuccino-Maschinen als in italienischen und das typisch italienische Eiscafé in Deutschland ist ein Lokal, das es in dieser Form in Italien so gut wie gar nicht gibt.

Doch die Italienliebe der Deutschen erstreckt sich nicht nur auf Land und Leute, sondern immer mehr auch auf die italienische Sprache. Darauf wies jetzt Professor Hans Krings hin, Sprachwissenschaftler und Italianist an der Universität Bremen. Krings betreut sei 14 Jahren den Beitrag über das Italienische im Standardwerk "Handbuch Fremdsprachenunterricht" und recherchiert dazu regelmäßig alle verfügbaren Statistiken. Nach seinen Untersuchungen haben sich allein an den deutschen Volkshochschulen im vergangenen Studienjahr über 200.000 Erwachsene in einen der rund 19.000 Italienischkurse eingeschrieben. Damit hat sich nicht nur die absolute Zahl der Kursteilnehmer in 30 Jahren versechsfacht, sondern auch der relative Anteil an allen Sprachkursen stieg überproportional von vier auf elf Prozent.

Krings überraschen diese Zahlen nicht. "Italien ist die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt und der viertwichtigste Handelspartner Deutschlands", erklärt er. Deutschland exportiert nicht nur für rund 40 Milliarden Euro Waren nach Italien, sondern Italien führt für fast den gleichen Betrag Waren nach Deutschland ein. Außerdem leben in Deutschland über 600.000 Italiener. Und jedes Jahr verbringen vier Millionen Deutsche ihren Urlaub in Italien. Hinzu komme schließlich noch das große Interesse an der Kulturnation Italien mit seiner einzigartigen Geschichte, das sich nicht in Zahlen fassen lasse. Da sei es nicht verwunderlich, wenn es eine starke Nachfrage nach Italienisch gebe. "Italienisch ist nach Englisch, Französisch und Spanisch unangefochten die viertwichtigste Fremdsprache in Deutschland, das zeigen alle Bedarfsuntersuchungen", betont Krings.

Auch an den öffentlichen Schulen gibt es immer mehr Interesse für Italienisch. Allein in den vergangenen vier Jahren verdoppelte sich die Zahl der Schüler, die Italienisch lernen. Die Gesamtzahl sei mit 39.000 allerdings vergleichsweise gering. Auf einen Italienisch-Schüler kämen immer noch 19 Lateinschüler, 48 Französischschüler und 190 Englischschüler. "Vom Bedarf her sind diese Größenverhältnisse nicht zu rechtfertigen", meint Krings. Wenig erfreulich ist für ihn auch, dass das Land Bremen zusammen mit Brandenburg und Thüringen in Sachen Italienischunterricht an den Schulen das Schlusslicht bildet. "Bei uns an der Universität kommen kaum Studierende aus Bremen mit Italienischvorkenntnissen an. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hingegen ist Italienisch schon lange ein wählbares Abiturfach".

Die eigentliche Hochburg des Italienischen ist aber Bayern. Kein Wunder, meint Krings mit einem Augenzwinkern, hat doch niemand anderes als Franz-Josef Strauß schon vor vielen Jahren in einer Rede einmal gesagt, in Bayern müsse man außer der bayrischen Muttersprache zwei Fremdsprachen beherrschen: Deutsch und Italienisch.

Weitere Informationen:

Universität Bremen

Prof. Dr. Hans P. Krings
Fachbereich 10 "Sprach- und Literaturwissenschaften"
Fachgebiet "Angewandte Linguistik / Romanische Sprachen"
Tel. 0421/218-9590
krings@uni-bremen.de
www.fb10.uni-bremen.de/homepages/krings.htm
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