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Praktische Perspektiven für ein europäisches Bildungsverständnis

22.11.2003 - (idw) Kulturwissenschaftliches Institut

6. Tagung im Rahmen der Forschungsreihe: "Schwellen von Reflexion und Praxis. Überlegungen zu den Bedingungen kritischer Aneignung" des IAphR in Zusammenarbeit mit dem KWI

Ausgehend vom Generalthema der Forschungsreihe: "Schwellen von Reflexion und Praxis" möchten wir mit dieser Tagung Ergebnisse und Diskussionen der vorangegangenen Themenschwerpunkte - "Pragmatismus und Pragmatik", "Anthropologisierung in den Wissenschaften", "Extremismus und Radikalität", "Autonomie und Referenz" sowie "das Experiment Wissenschaft" - zusammen tragen und mit Blick auf das kommende Forschungsprojekt "Gebildet. Europa als Bildungsprozess" neu perspektivieren.
Mit den Parametern "Wert" und "Anspruch" soll ein normatives Relais für ein ausdifferenziertes Verhältnis von Reflexion und Praxis als Grundlegung eines europäischen Bildungsverständnisses angedeutet sein. Mit Blick auf Geltungsansprüche von Wissenstraditionen, Verständigungstechniken sowie Verstehenskulturen könnte das Liminale - als Begriff des Grenz-Wertigen - ein Reflexionsmodell für ein immer wieder gemeinsam zu bildendes Verständnis von Europa sein.
Europa ist ein Inbegriff für eine plural verfasste Bildungs-Kultur. Seine Ausgestaltung ist von daher auf das Gespräch und die Reflexion in Gemeinschaft(en) und die Pflege individualkultureller Forschungsarbeit angewiesen. Die Förderung der kreativen Arbeit des wissenschaftlichen Nachwuchses muss daher aus unserer Sicht eine neue Akzentuierung und Wertschätzung erfahren, die dem doppelten Bildungsauftrag der Moderne gerecht wird: dem reformatorischen Anspruch einer Bildung für alle und dem emanzipatorischen Wert, sich darin selbst zu bilden, d.h. sich Bildung kritisch anzueignen.
Das Projekt "Bildung" konfrontiert uns deutlich mit den darin angelegten Spannungen einer zeitgenössischen Entscheidungskultur, in der nie allein auf einen Begriff von Kultur zurückgegriffen werden kann. Von daher verlangt das Thema "Bildung" wie auch das Thema "Europa" nach Öffentlichkeit. Anstehende Fragen nach Qualitätssicherung und -steigerung, nach Entwürfen für ein Europa auf den Grundlagen eines gemeinsamen Raumes der Kulturen bedürfen der Diskussion aus verschiedenen Perspektiven. In diesem Sinne versteht sich die Tagung als Einladung zu gemeinsamen ersten Sondierungen und zur Verständigung unter den Disziplinen. Philosophischer Reflexion kommt innerhalb der interdisziplinär orientierten Arbeit die Aufgabe der Selbst-Kritik im Prozess von Werte- wie Wissensbildung und die Sorge um die Angemessenheit von Bezügen und Verhältnissen zu, um durchaus auch notwendige Festschreibungen zu hinterfragen, zu prüfen und erneut zu prozessualisieren.
Der wissenschaftliche, vor allem aber der geisteswissenschaftliche Nachwuchs trägt in diesem Zusammenhang eine besondere Verantwortung für eine mögliche gemeinsame Zukunft Europas zu. Seine Arbeitsbedingungen im geeinten Europa sind allerdings derzeit keineswegs so, dass qualitätsvolle Gegenwartsdiagnostik gewährleistet wäre und innovative Ideen zur Gestaltung und Bewältigung des europäischen Alltags entwickelt werden könnten. Die mangelnde Wertschätzung (von Seiten der Gesellschaft, aber auch auf Seiten der Universitäten und Akademien selbst!) trägt hier einen wesentlichen Anteil. Die Tagung soll daher auch ein Forum sein, um Ideen für ein dialogisches Bildungsprogramm zu entwickeln, das nicht nur Wissen und Information kommunikativ durchzusetzen sucht, sondern deren Voraussetzungen - Freiheit und Verantwortung - als Bürgerrechte in einem gemeinsam immer neu zu bildenden Raum Europa begreift.

Wissenschaftliche Leitung: Frauke A. Kurbacher, Christian Suhm, Karin Wendt

Organisation: Frauke A. Kurbacher, Christian, Suhm, Karin Wendt (IAphR)

Tagungszeit: 26. - 28. November 2003
Tagungsort: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
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