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Rechentechnik, historische Kontrazeptiva und einzigartiges Fotomaterial Ausstellung in Greifswald

24.02.2014 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Vom 25. Februar bis zum 25. Mai 2014 werden im Foyer der Zentralen Universitätsbibliothek Greifswald Sammlungsobjekte der Rechentechnischen Sammlung des Instituts für Mathematik und Informatik, der Geburtshilflich-Gynäkologischen Sammlung der Universitätsmedizin und des Bildarchivs des Caspar-David-Friedrich-Instituts präsentiert. Zum vierten Mal wird in einer Ausstellung der Fortschritt bei der Digitalisierung der vielfältigen Sammlungsschätze der Universität Greifswald präsentiert. In den vergangenen sechs Monaten haben Museologie-Studentinnen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie der Kunstgeschichte an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald im Rahmen ihres Berufspraktikums Sammlungsobjekte digital erfasst und die Präsentation ihrer Arbeitsergebnisse in der Ausstellung mit ausgewählten Originalobjekten einschließlich eines ausführlichen Ausstellungskataloges vorbereitet.

Seit 2010 werden unter wissenschaftlicher Leitung der Kustodie die Objekte der wissenschaftlichen Sammlungen digital erfasst und in das Greifswalder Sammlungsportal http://www.wissenschaftliche-sammlungen.uni-greifswald.de eingestellt. Zur vierten Ausstellung erscheint ein von Dr. Birgit Dahlenburg herausgegebener Katalog. Die Universitätsleitung fördert das fakultätsübergreifende Projekt. Die Rektorin Professor Dr. Johanna Eleonore Weber wird die Ausstellung Wissen sammeln Die digitalisierten Schätze der Universität Greifswald am Dienstag, 25. Februar 2014, um 18:00 Uhr feierlich eröffnen.

Von Abaki, Rechenscheiben, -schiebern und -walzen über mechanische Rechenmaschinen hin zu Computern und EDV-Anlagen erzählt die Rechentechnische Sammlung des Instituts für Mathematik und Informatik die Geschichte der Mathematik und ihrer Hilfsmittel. Neben aus Schulzeiten bekannten Abaki sind in der Ausstellung der erste tragbare Computer namens Osborne Executive mit einem Gewicht von zwölf Kilogramm sowie kuriose Werbe-Taschenrechner in Form von Schokolade und einem 100 DM-Geldschein zu sehen.
Praktikantin Franziska Ledig schildert ihre Eindrücke beim ersten Besuch der Rechentechnischen Sammlung: Wie funktioniert das? Habe ich als erstes gedacht. Bei vielen Objekten der Rechentechnischen Sammlung war mir die Anwendung ein Rätsel. Wie rechnet man zum Beispiel mit einem Rechenschieber oder einer Brunsviga? Ich kannte diese Rechenhilfsmittel vorher überhaupt nicht. Franziska Ledig ist Studentin der Museologie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und hat sechs Monate am Digitalisierungsprojekt in Greifswald mitgearbeitet. Während ihrer Praktikumszeit erfasste sie unter anderem den Nachbau der Schickard-Maschine. Diese erste mechanische Rechenmaschine der Welt erfand der Universalgelehrte Wilhelm Schickard (1592 1635). Der Nachbau (1997) stammt von dem in Greifswald promovierten Mathematiker Bruno Baron von Freytag-Löringhoff.

Die Geburtshilflich-Gynäkologische Sammlung der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsmedizin Greifswald ist eine einzigartige Sammlung. Sie bildet das gesamte Spektrum der Geburtshilfe, der operativen und konservativen Gynäkologie einschließlich der Kontrazeption, das heißt der Empfängnisverhütung, ab. Zu den Exponaten in der vierten Ausstellung Wissen sammeln. Die digitalisierten Schätze der Universität Greifswald zählt das weltweit erstmalig im Einsatz befindliche Kolposkop (1924) von Hans Hinselmann zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge.
Nach Berlin und auch für mein weiteres Arbeitsleben nehme ich viele Erfahrungen aus Greifswald mit. Zu Beginn des Praktikums lernte ich eine neue Software zur Datenerfassung von Sammlungsobjekten von digiCULT-Verbund eG kennen. Da neben der digitalen Datenerfassung auch Fotos in die zentral angelegte Sammlungsdatenbank eingebunden werden, lernte ich hier ebenfalls, wie für die Wissenschaft relevantes Fotomaterial angefertigt wird. Der praktische Umgang mit studienfremden Sammlungsobjekten war für mich eine sehr spannende Erfahrung. Auf der Basis von wissenschaftlicher Recherche und durch die Unterstützung des Sammlungsleiters, Professor Dr. Günter Köhler, stellte ich mich der Herausforderung, meine ersten Katalogbeiträge und Ausstellungstexte zu verfassen, fasst Josephine Wunderlich, Studentin der Museumskunde der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, ihre Praktikumserfahrungen zusammen.
Sie digitalisierte während ihres dreimonatigen Praktikums auch sogenannte Frauenduschen wie die Russka, welche um 1950 von der Greifswalder Firma Richard Woelk hergestellt wurde. Selbst noch um die Wende zum 20. Jahrhundert war Verhütung ein Tabuthema und mit hohen Strafen belegt. Ein häufig verwendetes Verhütungsmittel war ein Scheidenspülapparat auch Frauendusche genannt. Sie wurde unter Tarnbezeichnungen oder unter Angabe anderer Verwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel zur Darmreinigung angeboten und konnte somit auch von unverheirateten Frauen gekauft werden, ohne Gefahr zu laufen, verhaftet zu werden. Die Frauendusche war ein sehr preiswertes Verhütungsmittel von eher geringer Zuverlässigkeit für den Empfängnisschutz und bildete bis zur Einführung der Pille nach dem Kondom die am häufigsten angewendete Methode zur Kontrazeption.

Das Bildarchiv des Fachbereichs Kunstgeschichte am Caspar-David-Friedrich-Institut bewahrt über 20.000 wertvolle Großbild- und Kleinbild-Diapositive, Originalfotografien und Reproduktionen aus Publikationen. Der thematische Sammlungsschwerpunkt liegt auf der regionalen Kunstgeschichte sowie der Backsteinarchitektur im Ostseeraum und der Kunst der Romantik. Das Bildarchiv dokumentiert in einzigartiger Weise verlorene Kunst und Kultur Vor- und Hinterpommerns. Auf historischen Fotografien sind unter anderem die verlustig gegangenen Stadttore von Greifswald und die noch unzerstörte Jakobikirche in Stettin (Szczecin) zu sehen. Die Sammlungsobjekte stellen teilweise einzigartige Quellen für künftige Forschungen dar.
Wie Praktikantin Pia Müller von der Universität Greifswald erklärt, gehören zum einzigartigen Bestand Originalfotografien (Ende 19. Jahrhundert), die den Zerstörungsablauf auf Grund von Küstenerosion der Kirche in Hoff (Trzsacz) dokumentieren. Speziell die Aufnahme des noch unversehrten Sakralbaus stellt für die aktuelle Lehre und Forschung ein überaus wertvolles Dokument dar. Die heutige Kirchruine ist zu einem bedeutenden Sinnbild für die Küstenlandschaft Hinterpommerns geworden.
Mit diesen historischen Dokumenten hat sich Praktikantin Pia Müller beschäftigt. Sie ist Studentin des Bachelors der Kunstgeschichte und Anglistik/Amerikanistik an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Während meiner umfangreichen Suche nach einem sechsmonatigen Praktikum stieß ich auf der Internetseite Unicum.de auf eine Praktikumsausschreibung der Greifswalder Kustodie. Umgehend sendete ich meine Bewerbung an Frau Dr. Birgit Dahlenburg, da mir bewusst war, dass ich durch dieses Praktikum die Chance haben werde, viele Erfahrungen im Bereich der Digitalisierung von Sammlungsobjekten, der Ausstellungsplanung und Umsetzung sowie der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu sammeln.

Rita Sauer koordiniert als Mitarbeiterin der Kustodie seit 2011 den Einsatz der Museologiepraktikanten sowie die Vorbereitung eines Ausstellungskataloges und den Aufbau der Ausstellung Wissen sammeln Die digitalisierten Schätze der Universität Greifswald in der zentralen Universitätsbibliothek. Ich freue mich, jedes Jahr sehr ambitionierte Studenten während des Praktikumseinsatzes begleiten zu können. Vor allem in der Zeit des Ausstellungsaufbaus arbeiten wir konzentriert auf die Eröffnung hin, sagt Rita Sauer.


Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ist mit dem von der Kustodie geleiteten, umfangreichen Digitalisierungsprojekt deutschlandweit federführend im Bereich der fachübergreifend digitalen Erfassung ihrer Sammlungen, so Dr. Birgit Dahlenburg, Leiterin des Referats Kustodie an der Universität
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