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Teeniemutter...und doch an die eigene Zukunft denken

21.02.2004 - (idw) Universität Bremen

Uni Bremen: Projekt MOSAIK für mehr Kompetenz und bessere Bildung von jungen Müttern

Jung und Mutter: eine Lebenssituation, mit der jedes Jahr 23.000 junge Frauen in der Bundesrepublik neu konfrontiert sind. In der öffentlichen Wahrnehmung gelten die Mütter unter 20 als "defizitäre Wesen" aus bildungsfernen Schichten, als "Sozialamtsmütter", die ihre fehlende Ausbildungs- und Erwerbsbereitschaft gern mit der Flucht in die Mutterschaft kompensieren. Ob das so stimmt, darf bezweifelt werden, auch wenn über die Lebenssituationen junger Mütter sehr wenig bekannt ist. Die Mehrzahl der Teeniemütter versucht, Kind, Familie, Ausbildung oder Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Auch wenn sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf inzwischen gesellschaftlich etabliert hat, stehen die jungen Frauen dabei häufig vor fast unüberwindbaren Hindernissen. Untersuchungen des Wissenschaftlerinnen-Teams um Dr. Marianne Friese aus dem Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen belegen, dass die Angebote an Beratung, Bildung und Ausbildung für junge Mütter und ihre Kinder nicht ausreichen, um ein eigenständiges und wirtschaftlich unabhängiges Leben zu führen. Hier setzt das wissenschaftliche Projekt MOSAIK "Kompetenzentwicklung für (junge) Mütter" an: mit Evaluation und Unterstützung der Beratung zu Schulabschlüssen, Lehre und Berufsvorbereitung sowie psychosozialer und sozialpädagogischer Unterstützung. Finanziert wird es aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds.

Zentraler Gegenstand des Projektes MOSAIK ist die konzeptionelle Erarbeitung individueller Angebote: für den allgemeinbildenden Schulabschluss, für die Berufswahl, Berufsvorbereitung und Berufsausbildung, für professionelle, psychosoziale und sozialpädagogische Beratung und Unterstützung sowie für eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung. Die MOSAIK-Mitarbeiterinnen der Uni Bremen berücksichtigen bei ihrer Beratung die Qualitätsstandards der PISA-Studie für frühkindliche Bildung sowie Reformansätze der (beruflichen) Bildung. Wichtig: Sie gehen auf die konkrete Problemlage der jungen Mutter ein. Ist es beispielsweise insbesondere die "Zeitnot", die die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf erschwert, wird gemeinsam ein zeitflexiblen Ausbildungsmodell in Teilzeit entwickelt.
Die Bremer Jugend- und Sozialsenatorin Karin Röpke begrüßt dieses Modellprojekt: "Es leistet einen wichtigen Beitrag zu unserem Ziel, Familie und Beruf besser miteinander in Einklang bringen zu können."

MOSAIK entwickele die bereits bestehende Zusammenarbeit vieler Institutionen, Organisationen und Bildungsträger bei Beratungs- und Bildungsangeboten weiter, erprobe neue, dem Bedarf junger Mütter angepasste Konzepte und werte sie wissenschaftlich aus. Die Senatorin: "Mit dem Ansatz der Vernetzung haben die Wissenschaftlerinnen des Projektes genau den Punkt getroffen, von dem aus Verbesserungen für die jungen Frauen und ihre Familien geschaffen werden können."

So entwerfen die Uni-Wissenschaftlerinnen vom Projekt MOSAIK ein Konzept, um ein Kooperationsnetz von Beratungs-, Bildungs- und Ausbildungs- sowie Weiterbildungsangeboten für junge Mütter und ihre Kinder aufzubauen und in der Praxis zu erproben. Die Kooperationsstelle wird zunächst als "Bremer Förderkette Junge Mütter in Beratung, (Aus)Bildung und Beruf" initiiert. Dabei bündelt sie im Rahmen regionaler und überregionaler Netzwerke Aktivitäten und Hilfen für die jungen Mütter. Außerdem informiert und berät das MOSAIK-Team Weiterbildungseinrichtungen und Sozialzentren sowie die politischen Instanzen. Darüber hinaus sichert die wissenschaftliche Begleitung des Projektes, dass alle Erfahrungen und Untersuchungsergebnisse festgehalten und transferiert werden. Gleichzeitig werden Strukturen gebildet, die eine effektive Integration in den Erwerbsarbeitsmarkt sichert. Ein Projektbeirat und eine durch die Bremer Senatorin Karin Röpke eingerichtete Arbeitsgruppe "Junge Mütter" begleitet die Arbeit.

Am 19. Februar 2004 organisierte das Projekt MOSAIK eine Fachtagung mit Projektmesse, zu der mehr als 150 Interessierte, Expertinnen und Experten aus Bremen und dem Bundesgebiet an die Universität Bremen kamen. Im Anschluss an zwei bereits in Bremen durchgeführte Tagungen wurden in Vorträgen und Podiumsrunden die Lebenslagen junger Mütter und Herausforderungen an die Familien-, Sozial- und Bildungspolitik in den Mittelpunkt gerückt. Zentrale Fragen waren darüber hinaus die Vereinbarkeit von Bildungsabschluss, Berufsausbildung und Kindererziehung. Vorgestellt wurden die Erprobung von Teilzeitausbildung und die Vernetzung der Trägerlandschaft in der bundesweit modellhaften "Bremer Förderkette". Auf der parallel zur Fachtagung stattfindenden Projektmesse präsentierten sich 25 Initiativen und Institutionen der Arbeitsgemeinschaft "Junge Mütter" sowie überregionale Träger. Die Tagung setzte den lebendigen Theorie-Praxis-Transfer in der Region Bremen und in überregionalen Kooperationen fort.

Weitere Informationen:

Universität Bremen

Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften
Projekt MOSAIK
PD Dr. Marianne Friese
Tel. 0421 218 3643
Email: mfriese@uni-bremen.de
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