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Wenn Milch nicht länger das Leben bedroht

21.02.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Australischer Junge wird in der Hautklinik der Universität Jena von seiner Kuhmilch-Allergie befreit


Oberärztin Dr. Andrea Bauer von der Hautklinik der Uni Jena mit dem 5-jährigen Alexander, dem jüngsten Patienten, den sie jemals von einer Kuhmilch-Allergie befreit hat. (Foto: Pittner/FSU-Hautklinik) Jena (20.02.04) "Ich möchte Schokolade", war heute Morgen (20.02.) der erste Satz des kleinen Alexander Gorniak. Was zunächst völlig normal klingt, war für den 5-Jährigen eine Sensation. Denn der australische Junge hatte gestern sein erstes Stück Schokolade gegessen. Noch am Tag davor wäre dies "für ihn tödlich gewesen", wie Vater Mariuz betont, da Alexander bisher an einer Kuhmilch-Allergie litt.

"Kuhmilch kann man quasi nicht vermeiden, denn überall ist Milch drin", verdeutlicht Dr. Andrea Bauer (37). Die Oberärztin aus der Hautklinik der Universität Jena behandelt den Jungen seit Wochenbeginn. Bei Alexander war die Reaktion besonders extrem. Wenn er nur geringste Mengen an Milch zu sich nahm, schwoll sein Körper innerlich an, was zum Teil lebensbedrohlich wurde, wenn etwa der Kehlkopf zuschwoll. Die Jenaer Allergiespezialisten aus der Uni-Hautklinik diagnostizierten, dass bei Alexander die Reizschwelle bereits bei einer Mischung von 1:100.000 lag. Wenn ein Tropfen Milch mit einhunderttausend Tropfen Wasser verdünnt wurde, bekam der Junge noch einen Hautausschlag.

Das Gegenmittel, zu dem sich australische Ärzte bisher nicht getraut hatten, ist so simpel wie genial. Bauer und ihr Team verdünnten Milch im Verhältnis 1:1.000.000. Diese Flüssigkeit trank der Junge am Montag - ohne allergische Reaktionen zu zeigen. In den folgenden Tagen wurde der Milchanteil erhöht und am vierten Tag konnte Alexander bereits unverdünnte Kuhmilch trinken, ohne allergisch zu reagieren.

"Wir haben das Immunsystem des Jungen überlistet", erläutert Dr. Bauer das Verfahren der Desensibilisierung, "denn eine Allergie ist eine verstärkte Abwehrreaktion des Immunsystems gegen an sich harmlose Erkrankungen". Etwa 5 % aller Kleinkinder leiden an einer Allergie gegen Kuhmilch, doch bei mehr als zwei Drittel gehen die allergischen Reaktionen im dritten Lebensjahr von selber zurück.

Anders hingegen bei Alexander, der weiterhin "supersensibel" reagierte. Seine Eltern Mariuz (36) und Meeijy (40), denen die lebensbedrohliche allergische Reaktion bereits während Alexanders viertem Lebensmonat aufgefallen war, versuchten zunächst, in Australien eine passende Behandlung zu finden - ohne Erfolg. Daraufhin recherchierte Mariuz, der als Internist in Canberra arbeitet, per Internet und stieß auf weltweit nur drei Zentren, die passende Hilfe anbieten: in den USA, in England und in Jena. "Jena erschien uns als bestgeeignetes Zentrum für die Behandlung", sagt er. "Die von Frau Dr. Bauer publizierten Arbeiten machten den besten Eindruck", betont der australische Mediziner polnischer Herkunft. "Und dieser Eindruck hat sich in der Klinik bestätigt", freut er sich über den Erfolg der Behandlung und findet auch lobende Worte für die Betreuung.

Jetzt blickt Familie Gorniak in eine wesentlich einfachere Zukunft. Denn wenn Alexander demnächst in die Schule kommt, muss er nicht mehr nach der bisher üblichen strengen Diät leben, deren Einhaltung umso schwerer ist, "da in fast allem Milch enthalten ist", wie Vater Mariuz erklärt. "Selbst in manchen Sorten Orangensaft sind Milchbestandteile enthalten", weist er auf die Probleme im Alltag, "die Alexander leicht in eine soziale Isolation hätten treiben können". Doch die ist jetzt dank Jenaer Hilfe gebannt. Auch wenn Alexander nun täglich ein Glas Milch trinken muss, wie Dr. Bauer betont, damit sein Immunsystem weiterhin normal auf die Milchinhaltsstoffe reagiert.

Für Alexander hat sich der weite Weg von Canberra nach Jena gelohnt, "denn sein Leben hat sich grundlegend gewandelt", wie Mutter Meeijy betont - für den 5-Jährigen, der schon morgen die Klinik verlassen kann, ist heute das "Wunder Schokolade" allerdings das Wichtigste.

Kontakt:

OÄ Dr. Andrea Bauer
Klinik für Hautkrankheiten der Universität Jena
Erfurter Str. 35, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 937311
E-Mail: abau@derma.uni-jena.de
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