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Dirigieren als Führungskompetenz

24.02.2004 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Lehr- und Fortbildungsoffensive, Teil 2: Die Universität Witten/Herdecke entwickelt völlig neues Fortbildungsprogramm für Führungskräfte aus der Wirtschaft

Das Studium fundamentale wird oft als Herzstück der Universität Witten/Herdecke bezeichnet. Reflexion, Kommunikation und Kunst stehen jeden Donnerstag auf dem Lehrplan von Studierenden der Wirtschaft, Biowissenschaft, Zahnmedizin und Humanmedizin. Warum? Eine Antwort gibt Prof. Elmar Lampson, Dekan für das Studium fundamentale:

"Wir begegnen damit bei unseren Studenten der Gefahr der fachwissenschaftlichen Verengung. Das Studium fundamentale regt sie beständig an, über Erkenntnisgrenzen nachzudenken, mit Nichtwissen umgehen zu lernen und Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Künsten zu machen. 10 Prozent der Gesamtstudienleistung muss jeder Student im Studium fundamentale erbringen. Viele Studierende kommen nicht nur wegen der exzellenten fachlichen Ausbildung nach Witten, sondern wegen der Möglichkeit, eine solche Ausbildung mit dem Studium fundamentale zu kombinieren."

Da das Studium fundamentale in der über 20jährigen Geschichte der UWH ein Erfolgsmodell ist, lag es nahe, "es irgendwann auch nach außen zu klappen", sagt Elmar Lampson. Denn die Probleme einer zu großen Verengung und Spezialisierung treten nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in Unternehmen auf. Die Folge: Die Führungsfähigkeit des Spitzenpersonals leidet. Unter dem Stichwort Perspektivenwechsel bietet die Fakultät für das Studium fundamentale seit gut 18 Monaten Unternehmen Inhouse-Schulungen an.

Den Anfang machte das Bochumer Maschinenbauunternehmen Eickhoff, wo inzwischen alle Führungskräfte nach dem Modell des Studium fundamentale geschult werden. Gerade hat der Betrieb den Vertrag mit der Uni verlängert. Nach dem dortigen Erfolg haben inzwischen auch andere Unternehmen Kurse in Witten gebucht.

Da kann es schon mal passieren, dass der Wittener Universitätsmusikdirektor Ingo Ernst Reihl mit einem ganzen Profi-Orchester im Betrieb anrückt und Managern das Dirigieren beibringt, Soziologieprofessor Dirk Baecker Spitzenkräfte mit Platons Höhlengleichnis konfrontiert oder Philosophieprofessor Dirk Rustemeyer die Zusammenhänge von "Kommunikation und Wissen" erläutert.

Dass bei solchen "Zumutungen" und Grenzüberschreitungen manchmal auch etwas Reibung entsteht, ist gewollt. "Wir wollen die Menschen nicht mit gefälligen, leicht zu konsumierenden, konfektionierten Programmen abspeisen, sondern Mitarbeit ist erwünscht", erklärt Lampson die Philosophie des Programms. Die Reaktionen sind zum Teil überraschend emotional, wenn gestandene Führungskräfte z.B. erfahren, dass auf ihre Auftaktbewegung hin das Orchester die ersten Töne von Mozarts Jupiter-Symphonie spielt.

Die Frage, inwieweit sich solche Erfahrungen unmittelbar in den beruflichen Alltag integrieren lassen, beantwortet Lampson so: "Die Erfahrungen mit dem Studium fundamentale an der Universität Witten/Herdecke zeigen, dass der Umweg oft viel besser geeignet ist, ans Ziel zu kommen, als wenn man von vornherein über die möglichst direkte Vernutzung nachdenkt. Letztlich geht es darum, dass sich Menschen mit Führungsverantwortung wieder Freiräume erobern, dass sie wieder Fragen stellen lernen. Davon profitiert dann später auch ihr berufliches Umfeld."

Kontakt: Prof. Elmar Lampson, Tel.: 02302/926-812
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