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RUB-Medizin: Zwischenergebnis der gerac-Akupunkturstudien

24.02.2004 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Ob Nadelstiche gegen Schmerzen wirken - beantwortet ist diese Frage noch nicht. Die subjektive Einschätzung der Wirksamkeit der Akupunktur klafft zumindest zwischen Ärzten und Patienten und zwischen Männern und Frauen weit auseinander: Das ist ein Zwischenergebnis der gerac-Studien (German Acupuncture Trials). Es zeige, "wie sehr Erfolgsbeurteilungen zwischen behandelndem Arzt und Patient abweichen können, weswegen die Einschätzung des Arztes als Kenngröße für die Wirksamkeit der Akupunktur nicht ausreicht", so Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch (RUB). Zuverlässige Ergebnisse lassen erst die randomisiert kontrollierten gerac-Studien erwarten, die ab Mitte 2004 ausgewertet sein werden.

Bochum, 24.02.2004
Nr. 60


Zwischenergebnis der gerac-Akupunkturstudien
Ärzte und Patienten bewerten Schmerzlinderung unterschiedlich
Kopfschmerzpatienten können noch teilnehmen


Ob Nadelstiche gegen Schmerzen wirken - beantwortet ist diese Frage noch nicht. Die subjektive Einschätzung der Wirksamkeit der Akupunktur, auf die sich viele bisherige Studien stützen, klafft zumindest zwischen Ärzten und Patienten und zwischen Männern und Frauen weit auseinander. So gaben in einer repräsentativen Stichprobe von 1096 Patienten des gerac (German Acupuncture Trials)-Kohortenkollektivs nur 61 Prozent der befragten Patienten an, die Akupunkturbehandlung habe gut gewirkt. Dieser Ansicht waren aber 92 Prozent der behandelnden Ärzte. "Dieses Zwischenergebnis zeigt, wie sehr Erfolgsbeurteilungen zwischen behandelndem Arzt und Patient abweichen können, weswegen die Einschätzung des Arztes als Kenngröße für die Wirksamkeit der Akupunktur nicht ausreicht", so Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch (Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der RUB). Zuverlässige Ergebnisse lassen erst die randomisiert kontrollierten gerac-Studien erwarten, die ab Mitte 2004 ausgewertet sein werden.

Zwei Drittel der Frauen, aber nur die Hälfte der Männer sind zufrieden

In der Stichprobe des gerac Kohortenkollektivs wurden Patienten telefonisch befragt, die je zehn Akupunktur-Sitzungen gegen Kreuz- bzw. Knieschmerzen durchlaufen hatten. Bei den insgesamt 61 Prozent der Befragten, die die Wirkung als sehr gut oder gut (Noten 1 oder 2 der Schulnotenskala von 1 bis 6) beurteilten, zeigte sich ein deutlicher Geschlechtsunterschied: Zwei Drittel (66 Prozent) der Patientinnen, aber nur knapp die Hälfte der Patienten empfanden die Behandlung als erfolgreich. Fast alle behandelnden Ärzte (92 Prozent) waren allerdings überzeugt, die Akupunktur habe sehr gut oder gut gewirkt. Bei über 85 Prozent der Patienten, die mit dem Ergebnis der Akupunkturbehandlung unzufrieden waren, schätzte der jeweilige Arzt die Therapie als erfolgreich ein.

Patientenzufriedenheit sagt nichts über die Wirkung aus

"Über die tatsächliche Wirksamkeit der Akupunktur sagen weder das Urteil des Arztes noch die subjektive Einschätzung des Patienten etwas Eindeutiges aus", folgert Prof. Trampisch. Erst der Vergleich der Ergebnisse von traditioneller chinesischer Akupunktur, der sog. Verum-Akupunktur, einer Akupunktur unwirksamer Punkte (Sham-Akupunktur) und einer schulmedizinischen Therapie werde objektiv zeigen, wie es um die Wirksamkeit der Nadelstiche bestellt ist. "Was dieses Zwischenergebnis allerdings zweifelsfrei zeigt, ist, wie schlecht Ärzte das Schmerzempfinden ihrer Patienten beurteilen können und wie notwendig es ist, Schmerz tatsächlich zu messen", so Prof. Dr. Michael Zenz (RUB-Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Schmerztherapie, BG-Kliniken Bergmannsheil und Knappschaftskrankenhaus Langendreer, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V.).

Kopfschmerzpatienten können noch teilnehmen

Mehr als 4.000 Patienten mit chronischen Kopf-, Kreuz- oder Knieschmerzen werden in gerac, die weltweit größte, randomisiert kontrollierte Akupunkturstudie, eingeschlossen. Für die Kniearthrose und Kreuzschmerzen läuft bereits die Auswertung, Patienten zwischen 18 und 65 Jahren, die seit mehr als sechs Monaten unter Kopfschmerzen leiden und bei AOK, BKK, IKK, Bundesknappschaft, Landwirtschaftlichen Krankenkassen oder der See-Krankenkasse gesetzlich krankenversichert sind, können aber noch teilnehmen. Infos zur Teilnahme gibt es unter 0821/6000-230.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch, Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-27790, Fax: 0234/32-14325, info@gerac.de

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