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Hochschulkonzept 2010: Universität Dortmund schärft ihr Profil

24.02.2004 - (idw) Universität Dortmund

Forschungsuniversität mit international profilierten, interdiszipli-när vernetzten Schwerpunkten und hochqualifizierten Lehrangeboten, das ist das Leitbild des rund 200 Seiten starken Strukturent-wicklungsbericht, den die Universität Dortmund der Landesregie-rung als ihren Beitrag zum Hochschulkonzept NRW 2010 vorgelegt hat.

Um dieses Leitbild umzusetzen hat die Universität in den vergangenen sechs Monaten einen intensiven Prozess der Analyse ihrer Situation und Entwicklungsmöglichkeiten durchlaufen. Das Ergebnis dieses Prozesses schließt an den Strukturentwicklungsbericht aus dem Jahr 1999 an, der seinerzeit Eingang in den Qualitätspakt zwischen der Landesregierung und den Hochschulen fand. Der aktuelle Bericht der Universität Dortmund entwirft dementsprechend keine neue, in ihren Grundzügen veränderte Hochschule sondern bilanziert vielmehr die vor fünf Jahren eingeleitete Entwicklung. Basierend auf einer aktuellen Leistungsbilanz und unter Berücksichtigung jüngster hochschul- und wissenschaftspolitischer Rahmenbedingungen werden so Felder benannt, auf denen die Universität in den nächsten Jahren durch verschiedenste Maßnahmen steuernd und entwickelnd eingreifen will.

Entwicklungslinien
Die Universität will ihr Profil in allen großen an ihr vertretenen Wissenschaftsgebiete Ingenieurwissenschaften und Informatik, Naturwissenschaften sowie Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften erhalten und schärfen, wobei die Bedeutung der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften als Bindeglied intensiviert werden soll. Eine personelle Stärkung dieses Bereichs dient diesem Ziel ebenso wie die Gründung eines Instituts für Sozialwissenschaften mit starker Anwendungsorientierung.
Für die Lehrer- und Lehrerinnenausbildung, die in ihrer vorhande-nen Breite der Ausrichtung auf alle Schulformen und -stufen erhalten bleibt, fordert die Uni einen schnellstmöglichen Übergang in ein System gestufter Studiengänge, auch unter dem Gesichtspunkt der Forschungsorientierung.

Allianz mit Bochum
Im Zuge der sich ausweitenden Kooperation der Ruhruniversitä-ten werden die Universitäten Dortmund und Bochum eine Allianz bilden. Schon jetzt arbeiten die Hochschulen in einigen Fächern und Fakultäten sowie auf der Ebene der Verwaltung und der Leitung zusammen. Durch die Allianz soll dieses Kooperationspotential erweitert und vor allem in den Bereichen Forschung und Lehre strategisch-planerisch verankert werden. Das dieses nicht der An-fang einer späteren Fusion ist, betonen beide Rektorate ausdrücklich: "Das Konzept beruht auf der völligen Eigenständigkeit beider Universitäten. Neben Feldern der Komplementarität und der Kooperation ist auch der Wettbewerb Bestandteil der Allianz - dort wo es der Sicherung und Verbesserung wissenschaftlicher Qualität dienlich ist", so der Dortmunder Rektor Prof. Eberhard Becker.

Schwerpunkt Biowissenschaften und -technologie
Der in den letzten Jahren vollzogene Auf- und Ausbau eines bio-wissenschaftlichen und biotechnologischen Forschungsschwerpunktes soll fortgesetzt werden. Dies erfolgt im Wesentlichen durch die Änderung der Arbeitsgebiete von Professuren in den Fachbereichen Chemie und Bio- und Chemieingenieurwesen. Die Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie und dem Institut für Spektrochemie und an-gewandte Spektroskopie (ISAS) soll durch gemeinsame Berufun-gen weiter intensiviert werden, zusätzlich sollen die Fachbereiche Physik, Informatik und Statistik noch stärker in den Forschungs-schwerpunkt mit einbezogen werden. Von diesem Lehr- und Forschungsbereich wird neben dem Beitrag zur regionalen Wirtschaftsentwicklung eine besondere Ausstrahlung in nationaler wie internationaler Forschung erwartet.

Ingenieurwissenschaften und Informatik
Die Ingenieurwissenschaften und die Informatik machen bereits jetzt eine besondere Leistungsstärke der Universität Dortmund aus. Dem Maschinenbau, der bundesweit zu den forschungs-stärksten Fachbereichen gehört, ist es durch ein breiteres und qualitativ hoch stehendes Angebot an Studiengängen gelungen, die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger innerhalb von zehn Jahren bis heute zu verfielfachen.
Im Bauwesen steht der Erhalt und die Weiterentwicklung des Dortmunder Modells (Architektur und Bauingenieurwesen) im Vordergrund. In der Raumplanung ist eine extern unterstützte Entwicklungsplanung der Fakultät beschlossen.
Die bereits eingeleiteten strukturellen Veränderungen betreffen insbesondere die Vernetzung des Instituts für Roboterforschung mit dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und Informationstechnik und der Informatik sowie der Auf- und Ausbau des Bioingenieurwesens.

Naturwissenschaften
Ebenso wie in der Statistik ist es auch in der Physik und der Chemie mit großer Kraftanstrengung gelungen, wieder deutlich mehr Studierende für ein naturwissenschaftliches Studium zu gewin-nen, in der Chemie insbesondere durch den neuen konsekutiven Studiengang in der Chemischen Biologie. Die Mathematik ver-stärkt bei Beibehaltung ihres breiten Forschungsprofils ihre Aus-richtung auf die Zusammenarbeit mit den Ingenieurwissenschaften und der Informatik ebenso wie mit den Natur- und Lebenswissenschaften und der Wirtschaftswissenschaft.

Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften
Für die Fächer im Bereich der Geistes-, Gesellschafts- und Wirt-schaftswissenschaften sind unterschiedliche Entwicklungslinien nachzuzeichnen. Das Fach Erziehungswissenschaft, bundesweit in der Spitzengruppe, wird personell verstärkt, ebenso das Institut für Deutsche Sprache und Literatur, beides zur Reduktion hoher Überlast. Die Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät ist aufgrund ihres breiten Angebots in den Wirtschafts- und Sozial-wissenschaften und ihrer besonderen Forschungsstärke in der Volkswirtschaftslehre ein von allen Seiten der Universität intensiv nachgefragter Partner in Lehre und Forschung. Ihre Kapazitäten werden daher so erweitert, dass die Fakultät sowohl im Hinblick auf ihre eigene Fachentwicklung als auch im Hinblick auf Anforde-rungen anderer Fächer leistungsfähig bleibt.
Die große Zahl der geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer ist überwiegend in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung tätig, sie widmen sich jedoch in wachsendem Umfang und sehr er-folgreich auch Forschungs- und Lehrgebieten außerhalb dieses Bereichs. Mit der Einführung gestufter Studiengänge in der Lehre-rinnen- und Lehrerbildung, die den Geboten der Polyvalenz und der Professionalisierung folgen, steht nicht nur eine wesentliche Verbesserung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Aussicht, zugleich wird sich auch die Möglichkeit der kleineren Fächer in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verbessern, profi-lierte Studiengänge mit einer breiteren Wissenschafts- und Be-rufsorientierung anzubieten.
Der Aufrechterhaltung eines breiten Fächerangebots insbesondere hinsichtlich der Lehrerinnen- und Lehrerbildung misst die Universität höchste Bedeutung zu. Mit Blick auf die haushaltspoliti-schen Rahmenbedingungen der künftigen Universitätsfinanzierung müssen allerdings Abstriche im Fächerangebot erwogen werden. Für den Bereich der Geschichtswissenschaft und der Politikwissenschaft wird das Rektorat daher in Abstimmung mit den Fakultäten die Entwicklungsmöglichkeiten einschließlich der Auf-gabe der Fächer kritisch prüfen.

Umsetzung des Strukturkonzeptes
Die Universität Dortmund will die Maßnahmen zur Profilschärfung der Universität rasch und energisch umsetzen. Universitätsrektor Becker betont die vorrangige Notwendigkeit einer Planungssicherheit, damit die Ziele durch eigenes Handeln und in eigener Verantwortung erreicht und damit Lehre und Forschung nachhaltig verbessert werden kann. "Dies betrifft nicht nur die notwendige Gewissheit im Hinblick auf die künftigen Ressourcen, sondern auch hinsichtlich der künftigen rechtlichen und politischen Rah-menbedingungen, in denen die Hochschulen ihre Zukunft gestal-ten können. Der Universität Dortmund ist bewusst, dass ihre Ausstattung starken politischen und fiskalischen Einflüssen unterliegt und dass auch rechtliche und politische Rahmenbedingungen stets nur auf Zeit Geltung beanspruchen können. Die mittel- und langfristige Entwicklungsplanung für eine Universität kann jedoch nur sinnvoll sein, wenn auch die Möglichkeit zu ihrer Ver-wirklichung über den Planungszeitraum hinweg besteht. Bei um-fassenden Revisionen des Hochschulsystems in Zeitabständen von nur wenigen Jahren aufeinander, nimmt dies nicht nur jedem einzelnen Planungsschritt seine Chance auf positive Wirkung, es führt vielmehr sogar zu einer Schwächung derjenigen Leistungen, auf die es ankommt und die die Gesellschaft von den Universitäten erwartet: der Leistungen in der Forschung und in der Lehre."

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