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Uni Kassel: Die Verantwortung der Wissenschaft

16.04.2004 - (idw) Universität Kassel

Universität Kassel legt Bericht und Empfehlungen ihrer Ethik-Kommission vor.

Kassel. Über einen längeren Zeitraum hat eine Ethik-Kommission der Universität Kassel, bestehend aus Wissenschaftlern und Vertretern der Öffentlichkeit, unter dem Vorsitz von Prof. Herbert Haf darüber beraten, welchen Stellenwert ethische Verhaltensweisen in der Wissenschaft heute haben und wie sie zu definieren sind. In dem jetzt vorliegenden Bericht "Wissenschaftsethik in Lehre und Forschung der Universität Kassel" sind diese Grundgedanken formuliert und zu Empfehlungen verdichtet. Nach einer grundsätzlichen Betrachtung äußern sich in individuellen Beiträgen Mitglieder der Kommission zu Einzelaspekten, wie Ethik als philosophische Disziplin (Prof. Wolfdietrich Schmied-Kowarzik), christliche Ethik aus evangelischer Perspektive (Bischof Martin Hein), das Konzept der Nachhaltigkeit (Prof. Joseph Alcamo), Ethik und Öffentlichkeit (Dirk Schwarze, Dr. Bernt Armbruster), Bioethik an der Uni Kassel (Prof. Wolfgang Nellen, Prof. Andreas Bürkert) oder zu Fragen der Informationstechnologie (Prof. Dieter Wloka).
Schon dieser kurze Themenüberblick zeigt, wie breit und vielseitig diese Überlegungen angelegt sind, die sich aus der "Leitbild"-Diskussion in den 90er Jahren entwickelt hat. Ziel der seit 2001 systematisch an der UNIK geführten Gespräche war es, nicht philosophische Gedankengebäude im leeren Raum zu schaffen, sondern Orientierungspunkte zu finden, die sich konkret auf die wissenschaftliche Arbeit an der Universität Kassel beziehen und die "Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" (so ein Senatsbeschluss) herbeiführen. Die jetzt formulierten Empfehlungen stellen das Ergebnis dieser Gedankengänge dar. Sie sollen das Bewusstsein für Ethikfragen schärfen und dazu beitragen, einen "Weg zu finden zwischen Freiheit der Forschung, ethischem Handeln und Folgen für Gesellschaft und Umwelt". Dabei solle Ethik nicht von außen vorgeschrieben werden, sondern sie soll eine "reflexive Disziplin" sein, die den Forscher dazu anregt, moralische Probleme zu erkennen und zu lösen. Zu den Beispielen, die von der Kommission angeführt werden, gehört z.B. die Frage der biotechnologischen Eingriffe in den Genbestand des Menschen, aber auch die Auswirkungen auf die pädagogische Praxis oder die Berufsfelder von Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern und Ingenieuren. Angestrebt wird aber auch eine Hilfe für die Politik. Hier könne die Ethik dazu beitragen, den moralischen Anspruchscharakter politischer Entscheidungen bewusst zu machen.
Betrachtet wurde die Auswahl von Forschungsthemen, das methodische Vorgehen, aber auch die praktische Anwendung von Forschungsergebnissen, um so mehr Transparenz in der Forschung zu schaffen. Aber auch die Lehre wurde in die Überlegungen einbezogen. Hier empfiehlt die Kommission, ethische Grenzfragen schon im Studium zu vermitteln, aber auch die "normative Ethik", die moralisches Handeln auf der Grundlage praktischer Vernunft bedeutet. Jeder Forscher sollte über die Gefahren nachdenken, die von seiner Arbeit ausgehen könnten - darin liege die besondere Verantwortung der Wissenschaft.
Trotz der vorliegenden Empfehlungen macht die Kommission deutlich, dass die Ethik-Diskussion damit nicht endgültig abgeschlossen, sondern ein fortdauernder Prozess ist. Alle Fachbereiche werden aufgerufen, in einem "permanenten selbstkritischen Prozess" regelmäßig ethische Aspekte ihrer Forschung und Lehre zu behandeln.
Claudia Sandner-v.Dehn
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Infos

Dr. Bernt Armbruster
Universität Kassel
Abteilung Kommunikation und Internationales
tel 0561) 804- 2217
fax 0561) 804- 7216
e-mail armbrust@uni-kassel.de
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