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Themenbezogener Unterricht und benotete Scheine

16.04.2004 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Dekan Prof. Dr. Heribert Jürgens begrüßt die Studienanfänger an der Medizinischen Fakultät Die 136 Erstsemester, die am Montag (19. April) an der Universität Münster ihr Medizinstudium aufnehmen, werden nach einem völlig anderen Lehrplan studieren als frühere Studentengenerationen. Wie bereits ihre Kommilitonen, die im vergangenen Wintersemester begonnen haben, fallen die Studienanfänger unter die neue Approbationsordnung, die das Medizinstudium in Deutschland grundlegend reformiert hat. Wesentliche Veränderungen gegenüber dem bisherigen Lehrplan sind insbesondere themenbezogener Unterricht statt der bisherigen Abhandlung einzelner Fächer, interdisziplinäre Seminare sowie stärkerer Praxisbezug durch eine deutliche Ausweitung des Unterrichts am Krankenbett. Was genau sie in ihrem Studium in Münster erwartet, haben die angehenden Ärztinnen und Ärzte bereits einige Tage vor Semesterstart bei der traditionellen Erstsemesterbegrüßung der Medizinischen Fakultät durch deren Dekan Prof. Dr. Heribert Jürgens und Studiendekan Dr. Bernhard Marschall erfahren.

Bereits der vorklinische Teil des Medizinstudiums sieht für die heutigen Studienanfänger deutlich anders aus als für ihre Kommilitonen, die noch nach der alten Approbationsordnung studieren. So werden die naturwissenschaftlichen Grundlagen, das heißt medizinrelevante Aspekte der Fächer Physik, Chemie und Biologie, bereits komplett im ersten Semester abgehandelt. Die Lehrangebote der klassischen vorklinischen Disziplinen Anatomie, Physiologie und Biochemie sind künftig nicht nur zeitlich besser aufeinander abgestimmt, sondern sie werden auch inhaltlich stärker miteinander verzahnt. So stehen etwa im dritten und vierten vorklinischen Semester integrierte Seminare auf dem Lehrplan, wo das zuvor erworbene Fachwissen der drei Disziplinen fallbezogen vertieft wird. Neben der Betrachtung von Aufbau, Funktion und Stoffwechsel des gesunden Organismus werden auch bereits klinische Bezüge hergestellt.

Die größten Veränderungen zeigen sich jedoch im klinischen Teil des Medizinstudiums. Statt wie bisher einzelne Fächer, wie etwa Innere Medizin, Chirurgie oder Frauenheilkunde, stehen dort jetzt Themenblöcke im Mittelpunkt. In einen solchen themenbezogenen Unterricht werden Vertreter unterschiedlicher medizinischer Fachdisziplinen einbezogen, die ein bestimmtes Thema, wie etwa Atmung, Kreislauf oder Medizin des Magen-Darm-Traktes, jeweils
aus ihrer Perspektive beleuchten und damit den Studierenden von Anfang an ein umfassendes Verständnis der Lehrinhalte vermitteln. Mit dem Angebot eines solchen themenbezogenen Unterrichts ist die Medizinische Fakultät der Universität Münster im Vergleich zu anderen Regelstudiengängen der Medizin in Deutschland übrigens am innovativsten, wie Studiendekan Dr. Bernhard Marschall betont. Den relativ allgemein formulierten Anforderungen der neuen Approbationsordnung nach einer stärkeren Verzahnung von Theorie und Praxis und fallbezogenem Lernen wurde hier in besonderem Maße Rechnung getragen

Darüber hinaus werden wie an anderen Universitäten auch verschiedene Querschnittsfächer in den Lehrplan aufgenommen. Dazu zählen unter anderem die Medizin des Alterns und des alten Menschen, Gesundheitsökonomie sowie Rehabilitation, physikalische Therapie und Naturheilverfahren. Zur Vermittlung solcher zukunftsträchtigen Themen wird die Uni Münster Vertreter externer Einrichtungen mit ins Boot nehmen. Deutlich verstärkt wurde ferner auch der praktische Teil der Medizinerausbildung in Münster. So werden die Studierenden künftig am Ende der klinischen Semester jeweils zweiwöchige Blockpraktika in Krankenhäusern oder Arztpraxen ableisten. Dabei wird die Medizinische Fakultät ebenfalls eng mit externen Partnern zusammenarbeiten. Insgesamt werden die Ärztinnen und Ärzte von morgen 476 Stunden Unterricht am Krankenbett erhalten haben, was deutlich mehr ist als heute.

Grundlegend reformiert wurde neben dem inhaltlichen Aufbau des Medizinstudiums auch das Prüfungswesen. Statt wie bislang vier Examina gibt es künftig nur noch zwei, und zwar den ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung nach dem vierten Semester und das Staatsexamen nach dem Praktischen Jahr, also ganz am Ende der Ausbildung. Im Gegensatz zu früher fließt das Ergebnis der ersten Prüfung aber bereits zu einem zu einem Drittel in die Abschlussnote ein. Völlig neu sind benotete Leistungsnachweise. Wurde den Studierenden bislang lediglich Bestehen oder Nichtbestehen einer Lehrveranstaltung bescheinigt, so gibt es jetzt für alle 39 erforderlichen Leistungsnachweise Noten, aus denen wiederum Zensuren für einzelne Fächer berechnet werden, die später auch auf dem Examenszeugnis aufgeführt werden. Neben dem Aufbau des neuen Curriculums stellte die Entwicklung eines adäquaten Prüfsystems nach Verabschiedung der neuen Approbationsordnung eine besonders große Herausforderung für die Medizinische Fakultät dar.

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