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Europas modernstes Epilepsie-Zentrum steht in Erlangen

23.07.2004 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Zum 10-jährigen Bestehen des Epilepsie-Zentrums am Universitätsklinikum Erlangen (ZEE) wird am Samstag, 24. Juli 2004, eines der modernsten Diagnostik-Systeme Europas eingeweiht.

Das rund 1,2 Millionen Euro teure System erlaubt es, epileptische Anfälle von Patienten umfassend und - für Patient und Klinik - besonders komfortabel zu analysieren. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat das neue System als Pilotprojekt an Bayerischen Universitäten gefördert.

Eine Besonderheit des neuen Erlanger Systems ist, dass sich die Patienten während der Diagnostik in Gruppen- und Schlafräumen frei bewegen können. Bislang mussten Patienten mit einem festen Kabel am Überwachungssystem angeschlossen werden. Die Befunddaten werden in Erlangen digital erfasst und in das zentrale Kliniknetzwerk eingespeist. "Diese neue Diagnosetechnik macht uns zusammen mit neuesten Messanlagen für Gehirnströme und der intraoperativen Neuronavigation zum modernsten Epilepsie-Zentrums Europas", sagte ZEE-Leiter Prof. Dr. Hermann Stefan. Epilepsie sei eine der häufigsten Erkrankungen des Zentralen Nervensystems. Rund ein Prozent der Bevölkerung würde während ihres Lebens an Epilepsie erkranken. Das Epilepsie-Zentrum in der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor Prof. Dr. Bernhard Neundörfer) ist eines von bundesweit vier Zentren, denen das Bundesgesundheitsministerium 1994 mit dem Grad IV-Status die höchste Versorgungsstufe zugeteilt hat. Hier werden Patienten mit schweren Epilepsien aus ganz Europa behandelt.

Bei Patienten ist es zunächst sehr wichtig, die Areale im Gehirn zu lokalisieren, in denen die epileptischen Anfälle ausgelöst werden. "Diese Anfälle sind wie ein Gewitter im Gehirn, bei dem Blitze durch den Körper zucken", erläuterte Prof. Stefan. Mit einem Vielkanal-Magneto-Encephalographen (MEG) steht in Erlangen ein strahlungsfreies Untersuchungsverfahren zur Verfügung, mit dem diese "Blitze" als winzige Magnetfelder des Gehirns gemessen werden können. "Mit dem MEG können wir den Patienten berührungsfrei beim Denken zusehen. Im Hinblick auf die klinische Erprobung dieses diagnostischen Verfahrens leistet Erlangen Pionierarbeit", sagte Prof. Stefan. Vergleichbare Diagnose-Geräte seien nur in wenigen Kliniken Europas verfügbar.

Mit den Messergebnissen wird der Anfallsherd im Gehirn des Patienten präzise bestimmt und zum Beispiel vom Sprach- oder Sehzentrum abgegrenzt. Sollte eine Operation des Patienten notwendig sein, werden die Messergebnisse im Operationsmikroskop des Neurochirurgen dargestellt. "Damit ist sichergestellt, dass der Chirurg keine funktionalen Gehirnareale verletzt, sondern präzise den Epilepsieherd ausschaltet", erklärt Prof. Stefan. Diese Neuronavigation mit intra-operativem MRT/MEG/EEG ist eine weitere Besonderheit des Erlanger Epilepsie-Zentrums, das neben der Klinik für Neurochirurgie auch mit der Nuklearmedizin, Neuroradiologie und Neuropsychologie eng zusammenarbeitet. Eine Operation ist allerdings das äußerste Mittel bei schweren Formen der Epilepsie. In 75 Prozent der Fälle kann Patienten ambulant oder teilstationär mit einer medikamentösen Therapie geholfen werden. Auch in diesem Bereich gehört Erlangen zu den führenden Zentren. "Wir können im Rahmen von sorgsam abgesicherten klinischen Studien neueste Medikamente einsetzen, die in anderen Kliniken noch nicht verfügbar sind", so Stefan.

Seit 17 Jahren werden in der Neurologischen Klinik in Erlangen Epilepsie-Patienten diagnostisch und therapeutisch betreut, davon seit zehn Jahren im Epilepsie-Zentrum. Das interdisziplinäre Ärzteteam behandelt jährlich rund 2.500 Patienten, davon über 2.000 ambulant. Ziel einer jeden Therapie ist die Anfallsfreiheit, um Verletzungen und Folgeschäden zu vermeiden, damit der Patient ohne berufliche und soziale Beeinträchtigungen ein selbstbestimmtes Leben führen kann.

Der Begriff "Epilepsie2 stammt vom griechischen Wort "epilambánein" (überwältigt werden im Sinne eines Überraschungsangriffs) und weist auf das bekannteste Symptom der Erkrankung hin: den epileptischen Anfall. Dieses für Außenstehende sehr dramatische Geschehen hat schon in der Antike die Menschen erschüttert. Epilepsie-Kranke galten als Besessene, aber auch als Menschen mit einer "heiligen Krankheit". Erst durch die wissenschaftliche Arbeit des vergangenen Jahrhunderts wurde deutlich, dass Epilepsie keine Erkrankung der Psyche ist, sondern eine Erkrankung des Gehirns, die den ganzen Menschen betrifft. Viele Betroffene sind nur während der wenigen Minuten eines Anfalls "erkrankt", ansonsten aber völlig gesund.

Eine Patienten-Hotline unter Tel.: 09131/85 -36928 ist ab sofort von Montag bis Freitag von 9.00 bis 16.00 Uhr (danach Anrufbeantworter) für Patienten und deren Angehörigen eingerichtet worden.

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Informationen

Johannes Eissing
Tel.: 09131/85 -36102
presse@kv.med.uni-erlangen.de
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