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Kernfragen, die die Menschen schon immer bewegt haben

26.07.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Bonner Pfarrer Hermut Löhr auf die Professur für Neues Testament an der Universität Jena berufen


Prof. Dr. Hermut Löhr (Foto: privat) Jena (26.07.04) Mit einem Bein steht Prof. Dr. Hermut Löhr noch in der Gemeindearbeit. In seiner Eigenschaft als Pfarrer engagiert er sich in der Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde Bonn-Holzlar. Er bringt den Jugendlichen die Geschichten der Bibel näher oder lädt anlässlich der "Nacht der offenen Kirche" zur Diskussion über Luther mit Vorführung des neuen Lutherfilms ein. In seiner neuen Eigenschaft als Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena erörtert er mit Studierenden die Bedeutung der "Zehn Gebote" oder welche Relevanz das leere Jesusgrab für die moderne Theologie hat. Der Theologe ist jetzt auf die Professur für Neues Testament berufen worden.

In einem Pfarrerhaushalt groß geworden, fand Löhr zeitig den Zugang zum christlichen Glauben. Er studierte evangelische Theologie und Geschichte an den Universitäten in Bonn, Tübingen, Heidelberg und Straßburg. In seiner Promotion (1993, Bonn) befasste er sich mit dem wenig bekannten Hebräerbrief. Der 40-Jährige schaut jedoch gerne bei seiner Forschung über den Tellerrand der Texte im Neuen Testament hinaus. So widmete er sich in seiner Habilitation (2001, Bonn) einem außerkanonischen Text. "Der Clemens-Brief vom Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus gilt als ,missing link' zwischen den frühchristlichen und altkirchlichen Traditionen", erklärt Löhr. Als historisch arbeitender Theologe ist es für ihn selbstverständlich, heidnisch-antike Quellen oder jüdische Texte für die Forschung heranzuziehen. Doch nicht nur nach hinten, sondern auch seitwärts zu anderen Fächern schweift sein Blick. So interessiert ihn, wie der Apostel Paulus etwa von den deutschen Philosophen wahrgenommen wird oder ob es im Buddhismus eine Entsprechung zur Bergpredigt gibt.

Neben solcher Forschungsarbeit bleibt für ihn die Erdung in der Gemeinde wichtig. "Hier treffe ich wieder auf die Kernthemen Liebe und Tod, Freundschaft und Feindschaft, Sinn des Lebens, zu denen das Neue Testament eine Aussage trifft", sagt Löhr. "Über die Zeiten hinweg hadern die Menschen mit Gott, zweifeln und verzweifeln an ihm." Hier kann der Theologe Kraft seines Wissens und seines Amtes raten und helfen.

Damit auch in Zukunft noch Ratsuchende den Weg in die Kirche finden, versucht er insbesondere Jugendliche zwanglos an den Glauben heranzuführen. Er hat bemerkt, dass die Vorbildung durch das Elternhaus kaum noch vorhanden ist. "Wenige Schüler wissen, wie ein Gottesdienst abläuft, was das Abendmahl bedeutet und warum man betet. Auch die religiöse Bildung der Eltern ist irgendwann nach der Konfirmation auf der Strecke geblieben", sagt der Theologe. Anstatt dies nur zu konstatieren, werden in der Gemeinde spezielle Grundschulgottesdienste, Familiengottesdienste oder Krabbelgottesdienste durchgeführt. "Gerade wenn Kinder geboren werden, regt das die Eltern zur Reflexion über Glauben und Werte an", erklärt Löhr das besondere Angebot für junge Eltern.

Kontakt:
Prof. Dr. Hermut Löhr
Theologische Fakultät der Universität Jena
Fürstengraben 6, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 941125
E-Mail: hermut.loehr@uni-jena.de oder ute407@mailin.uni-bonn.de
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