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Zukunft braucht Forschung

27.07.2004 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Forschungsverbünde

Das unter Beweis zu stellen, lud die Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Forschungsverbünde, abayfor, Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft am 26. Juli 2004 in die Bayerische Akademie der Wissenschaften in München ein. Mehr als 300 Gäste kamen aus der gesamten Republik, um sich über den Innovationsfaktor Forschung zu informieren.

Den Hauptvortrag hielt Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel, der die Bedeutung der Forschung, insbesondere in interdisziplinären Projekten herausstrich und einmal mehr die zügige Umsetzung der Ergebnisse in die Wirtschaft forderte.
Prof. Dr. Dieter Seitzer, Präsident der Bayerischen Forschungsstiftung, gestand in seinem Grußwort, vom Saulus zum Paulus geworden zu sein, und bekannte sich zur öffentlichkeitswirksamen Verbundforschung. Sie sei kreativ, beschleunige den Technologietransfer und diene der Nachwuchsgewinnung und -ausbildung.
Prof. Dr. Bernd Radig, Initiator und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft zog eine beeindruckende Bilanz aus insgesamt 42 Forschungsverbünden in 16 Jahren : "3000 wissenschaftliche Veröffentlichungen, Vermittlung neuer Ideen, Methoden und Verfahren an 1000 Partnerunternehmen, über 100 Patentanmeldungen, über 50 Unternehmensgründungen von Projektmitarbeitern mit einigen 100 neuen Arbeitsplätzen und dem Erhalt vieler weiterer hoch qualifizierter Arbeitsplätze und nicht zuletzt die Ausbildung von 800 Nachwuchswissenschaftlern mit Wissen und Umsetzungserfahrung in zukunftsträchtigen Forschungsfeldern!".

Drei für Alle ...
Stellvertretend für die 18 aktiven Forschungsverbünde stellten drei Redner ihre Projekte vor. Die unterschiedlichen Auffassungen von "Vertraue" bei den neuen und alten EU-Mitgliedern stellte Prof. Dr. Klaus Roth in den Mittelpunkt seines Vortrags. "Westlichen Firmen und Organisationen wird oft mehr vertraut als einheimischen", meint der Sprecher des Forschungsverbundes Ost- und Südosteuropa. Hieraus ergäbe sich eine große Verantwortung dieser Firmen und Organisationen, besonders jener der EU, deren Handeln aufmerksam verfolgt wird. Zerstörtes Vertrauen gegenüber einzelnen Firmen und Institutionen würde sehr schnell auf den ganzen "Westen" übertragen.

Prof. Dr. Werner Kießling präsentierte die virtuelle und interaktive Verkaufsagentin COSIMA, die erst kürzlich bei der Verleihung des Bayern Online-Preises als besonders innovativ gepriesen wurde. Die neue Technologie berücksichtigt die Entscheidungssituation und -freiheit des Einzelnen. Kießlings Erfolgsgeheimnis: "Der alles bestimmende Kernfaktor bei solchen Forschungsprojekten ist die Zusammenarbeit der Forschergruppen, die unterschiedliches Know-how und Erfahrung einbringen."

Wissenschaftliche Meriten und wirtschaftliches Potenzial muss das Chiplabor von Fingernagelgröße nicht mehr nachweisen: Prof. Dr. Achim Wixforth, der Gründer der Advalytix AG, erläuterte in seinem Vortrag, wie aus der "spinnerten" Idee ein funktionierendes Unternehmen der Nanotechnologie wurde, das sich auch in schwierigen Zeiten am Markt durchsetzt. "Minimengen an Flüssigkeiten auf einem Chip zum Bestimmungsort zu manövrieren ist ungefähr so schwierig wie Honig durch einen Strohhalm zu pumpen", beschreibt Wixforth den Ausgangspunkt der Forschungsarbeiten.

... Alle für Innovation ...
Unter Leitung von abayfor-Sprecher Radig diskutierten AUDI-Chef Prof. Martin Winterkorn und Dieter Kempf, Vorstandsvorsitzender der DATEV eG mit Prof. Dr. Manfred Broy, Informatiker und Initiator einiger erfolgreicher Start-ups, Prof. Dr. Jörg Hacker, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, mit Prof. Dr. Joachim Heinzl, Spin-off-Gründer und Inhaber von über 100 Patenten und Dr. Ludwig Spaenle, dem neuen Vorsitzenden des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur im bayerischen Landtag. Im Mittelpunkt des lebhaften Gesprächs standen der "return on investment" für Investitionen in die bedarfsorientierte Grundlagenforschung und die Qualitätskontrolle in der Forschung. Audi als entwicklungsstarkes Unternehmen balanciert die F&E-Aktivitäten auch über den internen "Markt", erläutert Winterkorn. Die Entwicklungsabteilungen erhalten teilweise freie Mittel zur Verfügung und akquirieren aber einen großen Teil ihres notwendigen Budgets durch Aufträge aus anderen Abteilungen.

... Innovationen live
Dass aus Forschung auch ein Produkt werden kann, davon konnten sich die Gäste im Anschluss an das Programm überzeugen; zum Beispiel mit dem interaktiven und interkulturellen PC-Spiel Xenophilia, das Jugendliche (und Erwachsene) für das Gefühl des "Fremd seins" in anderen Kulturen sensibilisiert und informiert. Mehrfach ausgezeichnet erhält das Spiel im Zeitalter der Globalisierung eine ständig wachsende Bedeutung.
Wer wollte, konnte mit COSIMA persönlich verhandeln: Zuverlässig und kompetent auch im Umgang mit schwierigen Situationen verliert die virtuelle Verkaufsagentin im Internet selten die Geduld, auch wenn der Kunde immer wieder seine Meinung ändert.
Besondere Aufmerksamkeit erregten die heute möglichen "Ersatzteile" im menschlichen Körper: Hüftköpfe, Gelenke und sogar ganze Knochen zierten ein lebensgroßes Skelett. Implantate als Fremdkörper gehören bald der Vergangenheit an. Die Zukunft gehört Ersatzteilen, die - mit modernen Technologien - nach einiger Zeit nicht mehr vom unversehrten Menschen unterscheidbar sind (Bildschirmdemonstration).
Das "Europa-Puzzle" gab "handfest" Aufschluss über Größenverhältnisse und genaue Lage der Länder im neuen Europa. Die erfolgreiche Integration der neuen Mitglieder hängt ganz wesentlich von Art und Umfang der Informationen darüber ab und da ist noch erheblicher Nachholbedarf.
Das Werkstoffinformationssystem M-Line Pro enthält inzwischen über 5000 Datensätze von Metallen, Keramiken, Polymeren und Verbundwerkstoffen. Diese Informationen dienen Materialwissenschaftlern dazu, schnell maßgeschneiderte Materialien für konkrete Anwendungen zu entwickeln.
BSE ist zwar schon lange keine Schlagzeile in der Presse mehr wert, das Problem existiert aber nach wie vor. Vieles ist inzwischen bekannt, aber nicht, wie die Krankheit verhindert werden kann. Wann das Protein die Löcher im Hirn erzeugt demonstrierte ein dreidimensionales Molekülmodell des Prionproteins.

Lebhafte Gespräche entbrannten zwischen den Wissenschaftlern und den Praktikern aus der Industrie. Vertreter von Banken und Venture Capital interessierten sich vor allem für zukunftsträchtige Ideen und Wissenschaftler mit Unternehmergeist. Radig freute sich besonders über den hohen Anteil an Besuchern aus mittelständischen Unternehmen: "Es ist unser erklärtes Ziel, die kleinen und mittleren Unternehmen noch stärker als bisher in die Verbundforschung einzubinden."

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