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Naht Hilfe gegen multiresistente Erreger?

04.07.2002 - (idw) Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Ein neuer Sonderforschungsbereich an der Kieler Uni entwickelt Antibiotika aus hauteigenen Abwehrstoffen


Auf welche Weise kann unsere Körperoberfläche Infektionen verhindern? Dies ist die Schlüsselfrage, der ein an der Kieler Universität einzurichtender Sonderforschungsbereich nachgeht. Der neue SFB 617 "Molekulare Mechanismen der epithelialen Abwehr" wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rd. 3,5 Mio. Euro gefördert.

Die dem SFB angehörenden Teilprojekte kommen aus Instituten und Kliniken der medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums Kiel, der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen sowie der Mathematisch-Naturwissenschaft-lichen Fakultät sowie des For-schungszentrums Bor-stel.

Ein Schwerpunkt des SFBs liegt in der Erforschung der körpereigenen antibiotischen Eiweiße, die für die Abwehrmechanismen zuständig sind, sowie in dem Studium der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenartigen Epithelzellen (Zellen der Körperoberfläche) des Wirtes (Teilprojekte auch zum Rind und zu einfachen Organismen, hier Süßwasserpolyp) und Mikroorganismen. Die beteiligten Wissenschaftler erwarten eine Fülle neuer Erkenntnisse zu natürlichen Abwehrstrategien gesunder Körperoberflächen und damit auch neue Ansätze zum Verständnis lokal begrenzter epithelialer Infektionen insbesondere der Haut, des Atmungstraktes, des Darms sowie der Harnwege.

Eine der in diesem Zusammenhang zu lösenden Fragestellungen: Ist die künstliche Stimulation einer Produktion dieser Peptidantibiotika in Zellen der Körperoberflächen des Menschen unter Umständen auch als vorbeugender Infektionsschutz und "Immunstimulus" geeignet?

Weiterhin haben sich die beteiligten Forschergruppen das Ziel gesetzt, körpereigene Peptidantibiotika (z.B. durch gentechnologische Verfahren hergestellt) einer therapeutischen Nutzung zugänglich zu machen. Aufgrund ihres völlig anderen Wirkmechanismus werden diese antibiotischen Eiweiße mit hoher Wahrscheinlichkeit eine echte Alternative zu klassischen Antibiotika in der Bekämpfung antibiotika-resistenter Mikroorganismen bieten. Der therapeutische Einsatz dieser Eiweiße ist eines der Fernziele.


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In den letzten Jahren wurde an dem Thema bereits intensiv geforscht: Wir wissen inzwischen, dass die Haut und andere Körperoberflächen neben der physikalischen Barriere ein "chemisches Abwehrsystem", bestehend aus andauernd produzierten, mehr oder weniger breit wirkenden antimikrobiellen Eiweißen sowie weiteren, erst durch Kontakt mit gefährlichen Mikroorganismen induzierbaren antibiotischen Eiweißen besitzt. Die Wissenschaftler der DFG- Forschergruppe "Mechanismen kutaner Entzündungsreaktionen" der Hautklinik der Universität Kiel hatten nach ihrer Entdeckung des ersten antimikrobiellen Eiweißes des Menschen (humanes ß-Defensin-2) vor einigen Jahren ihre forscherischen Aktivitäten auf das Gebiet epithelialer (von Zellen der Körperoberflächen produzierter) antimikrobieller Peptide und Proteine ausgeweitet und zwischenzeitlich noch weitere Abwehrmoleküle entdeckt.

Kontakt: Universitätsklinikum an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Prof. Dr. Jens-Michael Schröder, Tel. 0431/597-1536,
jschroeder@dermatology.uni-kiel.de


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