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Studie über Unternehmerpersönlichkeiten

17.11.1997 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

FSU-Mediendienst

Haengt der Erfolg am Gummiseil? Bungeespringer sind gute Unternehmer Jenaer Psychologen untersuchen Manager-Persoenlichkeiten

Jena (17.11.97). Unternehmer, die Willen und Durchsetzungskraft zur Maxime ihrer Strategie erheben, werden ebenso durch Umsatzminus bestraft wie Konkurrenten, die Risiken am liebsten aus dem Wege gehen. Subjektiv empfinden gesellige oder emotional ausgeglichene Firmenlenker eher Zufriedenheit ueber ihren Geschaeftsverlauf als der kreative, phantasievolle Typus. Zu diesen Ergebnissen kamen die Jenaer Psychologen Dr. Eva Schmitt-Rodermund und Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen in der ersten Phase einer Studie, die die Persoenlichkeitsprofile von Unternehmern untersucht. Die Wissenschaftler befragten dazu seit Mai dieses Jahres 97 ostdeutsche Firmeninhaber und -geschaeftsfuehrer.

Mut und Entschlossenheit, Tatkraft und Risikofreude werden gemeinhin als markante Attribute erfolgreicher Manager angesehen. Mit ihrer Studie "Wer hat das Zeug zum Unternehmer?" gehen Rainer Silbereisen und Eva Schmitt-Rodermund dieser Annahme auf den Grund. Ihre Arbeit wird vom Thueringer Wissenschaftsministerium gefoerdert. Tatsaechlich fanden die beiden Psychologen heraus, dass die Profitorientiertheit des Chefs, aber auch die Groesse des Unternehmens einen signifikanten Einfluss auf die Umsatzzahlen haben. Zumindest galt das fuer solche Firmen, die 1995 und 1996 bereits bestanden. Risikofreude und Aufgeschlossenheit gegenueber neuen Erfahrungen spielen wohl die wichtigste Rolle. Unternehmer, die das Risiko nicht scheuen, und zum Beispiel auch in Sport und Freizeit gern risikoreichen Aktivitaeten nachgehen, machen mehr Umsatzplus als vorsichtige Menschen: "Es scheint zu helfen, wenn man Fallschirmspringer ist", rekapituliert Eva Schmitt-Rodermund eine der Fragen aus ihrem Katalog.

Dabei spielen Alter, Bildung und Erfahrung keine Rolle fuer den objektiven Erfolg. Wenn man bereits mehr als zwei Jahre am Markt bestanden hat, sind die Chancen fuer Jungunternehmer nicht besser oder schlechter als die der ,alten Hasen'. Nicht erklaeren kann sich Eva Schmitt-Rodermund, warum Wessis erfolgreicher am Markt agieren als Ostdeutsche. Wenn auch diese beiden Gruppen teils unterschiedliche Persoenlichkeitsmerkmale aufweisen - Westdeutsche sind beispielsweise nach den Ergebnissen der Studie nach extravertierter - erklaeren diese Differenzen aber nicht die Unterschiede im unternehmerischen Erfolg. "Es sind wohl eher cleverere Strategien in der Unternehmensfuehrung, die bei den Westdeutschen positiv zu Buche schlagen", meint die Psychologin.

Klar ist jedoch, dass kontaktfreudige und freundliche Bosse sich subjektiv eher mit ihren Geschaeftsergebnissen abfinden. "Wer seltener von seinen Mitmenschen Bestaetigung erhaelt, ist leichter unzufrieden und schlaeft schlechter", weiss Eva Schmitt-Rodermund. Ob ein dickes Lob fuer den Firmenchef auch dessen Neigung zum Bungeespringen weckt? - Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich noch nicht vollends geklaert.

Ansprechpartnerin: Dr. Eva Schmitt-Rodermund, z. Zt. USA e-mail: exs38@email.psu.edu

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