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Beschäftigung durch Innovation

06.02.1998 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Beschaeftigung durch Innovation - Studie untersucht Strategien fuer eine neue, markt- und bedarfsorientierte Innovationspolitik, die Arbeitsplaetze schafft

Die derzeitige Innovationspolitik in Deutschland und Europa bedarf einer dringenden Neuausrichtung. Damit Innovationen nicht Arbeitsplaetze kosten, sondern neue Beschaeftigung schaffen, muss sich die Politik aus den bisher dominierenden, engen Innovationskonzepten und von der einseitigen Technologieorientierung loesen. Anstatt einzelne Innovationen zu subventionieren, muessen vielmehr die organisatorischen und institutionellen Voraussetzungen des Innovationswettbewerbs unterstuetzt werden, ein Innovationsdialog muss organisiert, das Innovationsgeschehen vernetzt werden. Die Innovationsfoerderung sollte sich nicht so sehr an den neuen Technologien als vielmehr am Markt und Bedarf ausrichten. Zudem muessen diese Innovationsstrategien soweit wie moeglich beschaeftigungsorientiert gestaltet und prozessbegleitend auf ihre Beschaeftigungswirkungen ueberprueft werden.

Diese Vorschlaege sind Ergebnisse eines Projekts, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fuenf Instituten mit unterschiedlichen fachlichen Orientierungen im Auftrag des Bundesministeriums fuer Forschung, Technologie, Bildung und Wissenschaft untersucht haben, ob und in welcher Weise die Beschaeftigung in der Bundesrepublik Deutschland durch Innovation kraeftig und nachhaltig gefoerdert werden kann. Beteiligt an dem Projekt waren das Institut Arbeit und Technik im Wissenschaftszentrum NRW (Gelsenkirchen), bei dem auch die Federfuehrung lag, das Deutsche Institut fuer Wirtschaftsforschung, das Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut (Goettingen), das Institut fuer Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt fuer Arbeit (Nuernberg) und das Institut fuer Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (Universitaet Stuttgart). Die Studie ist soeben im Rainer Hampp Verlag veroeffentlicht worden.

"Beschaeftigung durch Innovation" ist eine Strategie, die sich durch den globalen Strukturwandel und die Wettbewerbsbedingungen der deutschen Wirtschaft foermlich aufdraengt. Allerdings fuehrt "mehr Innovation" nicht zwangslaeufig und kurzfristig zu mehr Beschaeftigung, sondern ist eine langfristige Strategie, die mit vielen Unabwaegbarkeiten verbunden ist. Vor diesem Hintergrund diskutieren die Autoren Erkenntnisse der neueren Innovationsforschung: Wie wirken Innovationen auf die Beschaeftigung? Welche beschaeftigungsrelevanten Innovationspotentiale gibt es beispielsweise in der Umwelttechnik, den sozialen Dienstleistungen, den neuen Medien? Wie haengen betriebliche Arbeitsorganisation, Entwicklung des Humankapitals und Innovation zusammen? Welche Kooperationsformen sind fuer Innovationen erfolgreich? Eroertert werden neue Ansaetze fuer Kooperationsnetzwerke im Internet, die innovative Veraenderung von Arbeit bei neuen Arbeitsformen und -zeiten, innovative Arbeitsmarktpolitik und die Restrukturierung von Betrieben sowie auch Innovationen "jenseits von High Tech".

In Deutschland und Europa hat sich die Innovationspolitik bisher wenig mit der Entwicklung von Maerkten beschaeftigt. "Damit bleibt jedoch ein ausserordentlich wichtiges Instrument einer markt- und beschaeftigungsorientierten Innovationspolitik und der Standortsicherung ungenutzt", meinen die Autoren. Strategien der Beschaeftigungsentwicklung durch Innovation haben dann hoehere Erfolgsaussichten, wenn sie die Innovationsdynamik auch von der Marktseite her anstossen und Innovationsprozesse damit rasch auf eine wirtschaftliche Basis setzen. Dabei kommt der fruehzeitigen Entwicklung einer entsprechenden Leitnachfrage eine zentrale Bedeutung zu, die die Politik sowohl durch ihre Beschaffung als auch durch die Nutzung ihrer Regulierungskompetenz unterstuetzen kann. Durch eine fruehzeitige Entwicklung von Leitnachfrage und den Aufbau von einschlaegigen Produktionsclustern koennen neue Maerkte zu globalen Leitmaerkten entwickelt werden, was unter Standortgesichtspunkten besonders wichtig ist.

Aufgabe der Politik kann es allerdings nicht sein, im Innovationsgeschehen den Bedarf an Innovationen und Moeglichkeiten seiner Umsetzung in neue Maerkte selbst zu ermitteln. Das muss in der Tat die Wirtschaft in ihrem Innovationsumfeld leisten. Indessen erfordert dies ein gut funktionierendes Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure und leistungsfaehige Innovationssysteme, die ein politisches Verknuepfungsmanagement foerdern kann. Damit Politik das leisten kann, ist ein neuer, "wissensbasierter" Politikstil erforderlich.

Franz Lehner, Martin Baethge, Juergen Kuehl, Frank Stille (Hg.): Beschaeftigung durch Innovation: Eine Literaturstudie, Reihe Arbeit und Technik, Bd.8, Muenchen und Mering, 1998.

Besprechungsexemplare der Studie erhalten sie beim Rainer Hampp Verlag, Meringerzeller Str. 16, 86415 Mering. Telefon: 08233-4783, Fax: 08233-30755, E-mail: Rainer_Hampp_Verlag@t-online.de

Fuer weitere Fragen steht Ihnen zur Verfuegung: Prof. Dr. Franz Lehner Durchwahl: 1707-113 Pressereferentin Claudia Braczko, Institut Arbeit und Technik Munscheidstrasse 14 45886 Gelsenkirchen, Tel.: +49-209/1707-176 Fax: +49-209/1707-110 E-Mail: braczko@iatge.de WWW: http://iat-info.iatge.de


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