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Produktionsstrukturen für das 21. Jahrhundert

15.01.1998 - (idw) Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Dass eine oekonomische Produktionsorganistion auch umweltvertraeglich sein kann, zeigen die Ergebnisse des Verbundprojekts "Vision Logistik" aus dem BMBF-Forschungsprogramm "Produktion 2000". Anfang 1998 erscheinen sie in Buchform unter dem Titel "Vision Logistik" in der HNI-Verlagsschriftenreihe, Paderborn.

Der Erfolg eines Unternehmens haengt entscheidend davon ab, wie gut es in der Lage ist, die spezifischen Wuensche eines individuellen Kunden zu erkennen und zu erfuellen. Bei Produkten, die aufgrund ihrer Komplexitaet und/oder Vielstufigkeit mit kapitalintensiven Produktionsanlagen und damit in einer Massenproduktion hergestellt werden muessen, wird der Erfolg heute meist durch eine sehr hohe Variantenvielfalt und durch lokale Verkaufs- und Servicestationen erreicht. Damit sind i. d. R. immense und lange Distanzen ueberbrueckende Warenstroeme zwischen Lieferanten, Endproduktherstellern und Kunden verbunden. Eine derartige Produktionsorganisation ist unter Beruecksichtigung oekologischer Aspekte nicht akzeptabel und wird in einer Zukunft, die immer staerker oekologiegepraegt sein wird, nicht ueberlebensfaehig sein.

Neue, ressourcenschonende Transportmittel zu fordern und effiziente Logistikorganisationen zu entwickeln reicht jedoch nicht aus. Wirklich weitreichende und effektive Massnahmen muessen weit vorher einsetzen. In diesem Zusammenhang wurde ein Verbundprojekt im BMBF-Forschungsprogramm "Produktion 2000" mit dem Titel "Vision Logistik" initiiert. Eine der Fragestellungen war, wie die Produktion der Zukunft zu gestalten ist und wie sich der inhaerente oekonomisch-oekologischen Zielkonflikt aufloesen laesst. Im Projekt "Vision Logistik" entwickelten hierzu unter anderem Wissenschaftler des Fraunhofer IPA Visionen fuer neue oekonomisch-oekologische Produktionsorganisationen.

Zwei Kernthemen determinierten die Entwicklung dieser Visionen: die Minimierung des Transportaufkommens und die Unterstuetzung der Kreislaufwirtschaft. Die Kreislaufwirtschaft stellte allerdings eher eine produktionstechnische als eine logistische Herausforderung dar und diente daher nicht als Ausgangsbasis der Betrachtungen. Sie floss als essentielle Rahmenbedingung in die Aufloesung des oekologisch-oekonomischen Zielkonfliktes ein. Im Sinne der Minimierung des Transportaufkommens waere es unabhaengig von der Komplexitaet oder Vielstufigkeit eines Produktes erstrebenswert, Rohstoffgewinnung, Produktion und Markt raeumlich zu konzentrieren. Da dies aber ueblicherweise nicht moeglich ist, wurde im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeiten der Versuch gemacht, Visionen zu entwerfen, die dieser Forderung moeglichst nahe kommen.

Um den Entwicklungsprozess der Visionen strukturiert ablaufen zu lassen, wurden zusaetzlich einige Rahmenbedingungen vorgeschrieben. U. a. sollten die Visionen Entwicklungsergebnisse wandelbarer Produktionsnetze darstellen, die zur Aufloesung des oekonomisch-oekologischen Zielkonfliktes beitragen. Sie sollten positiv, also wuenschenswert sein, in ca. 20 Jahren Realitaet sein koennen und wesentliche Bereiche zukuenftigen Produzierens abdecken.

Diese Rahmenvorgaben und die visionaeren Ideen der Beteiligten fuehrten zur Identifikation und Beschreibung von neuen Basiskonzepten: In einer Produktion der kurzen Wege ist der Wertschoepfungsprozess lokal stark gebuendelt. Eine regionale Produktion legt dagegen grossen Wert auf Naehe zwischen Produzentennetzwerk und Endverbraucher. Kundennahe Individualisierung rueckt die variantenbestimmenden Wertschoepfungsschritte an den Endkunden heran. "Kompetenznester" sind Produktionskapazitaeten, derer sich unterschiedliche, auch konkurrierende Markenhersteller bedienen.

Der zielgerichtete Umgang mit diesem Instrumentarium erfordert die Beantwortung von Schluesselfragen: Wie sehen die Netzwerkarchitekturen aus? Treten in ihnen herstellerneutrale Koordinatoren auf? Wie kann die erforderliche Transparenz aufrechterhalten werden? Wie lassen sich auf lokaler Ebene strategische Ziele verankern? Wie sieht das Controlling in einem Produktionsnetzwerk aus, und welche Instrumente kommen dabei zum Einsatz? Wie wird der Weg zu diesen Visionen beschritten? Welche Rahmenbedingungen sind erforderlich und welcher Handlungsspielraum ist gegeben? Selbstverstaendlich konnten nicht all diese Fragen im Laufe der Arbeiten detailliert beantwortet werden. Dennoch ist es gelungen schluessige und nachvollziehbare Visionen zu beschreiben, die auf dem Weg in eine oekologisch-oekonomische Produktionsgesellschaft wichtige Meilensteine setzen.

Die Ergebnisse des Projekts "Vision Logistik" sollen Anfang diesen Jahres in Buchform unter folgendem Titel veroeffentlicht werden:

VISION LOGISTIK - Logistik wandelbarer Produktionsnetze Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe. - ISBN 3-931466-30-2 Hrsg. von Wilhelm Dangelmaier Autoren: Dipl.-Ing. Benedikt Boucke, Fraunhofer IPA Dipl.-Ing. (FH) Oliver Deutsch, Fraunhofer IPA

Ihre Ansprechpartner fuer weitere Informationen: Fraunhofer-Institut fuer Produktionstechnik und Automatisierung, Stuttgart Dipl.-Ing. Benedikt Boucke, Telefon 0711/970-1986, Telefax 0711/970-1900, e-mail boucke@ipa.fhg.de Dipl.-Ing. (FH) Oliver Deutsch, Telefon 0711/970-1966, Telefax 0711/970-1900, e-mail deutsch@ipa.fhg.de


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