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Arbeitsmarktchancen durch Qualifikation

04.09.1997 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Qualifikation wird zunehmend zum Eintrittsbillet in den Arbeitsmarkt - Lohnsenkungen sind kein taugliches Rezept, die Arbeitsmarktchancen Ungelernter zu verbessern.

Die Qualifikation der Arbeitskraefte in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Der Anteil der Ungelernten an den Beschaeftigten, der 1957 noch bei 42 Prozent lag, halbierte sich bis Anfang der 90er Jahre und wird allen Prognosen zufolge bis zum Jahr 2010 auf rund 10 Prozent zurueckgehen. "Fuer An- und Ungelernte wird es damit immer schwieriger, einen Arbeitsplatz zu finden", stellt Prof. Dr. Gerhard Bosch, Vizepraesident des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen), fest.

Das zeigt sich an den Erwerbs- und Arbeitslosenquoten, die je nach Bildungsstand immer mehr auseinander driften. Waehrend deutsche Frauen zwischen 25 und 64 Jahren mit einem Universitaetsabschluss im Jahr 1992 zu 82,4 Prozent erwerbstaetig waren, lag die Erwerbsquote der Frauen mit nur schulischer Elementarbildung bei 46,1 Prozent. Nicht ganz so ausgepraegt sind die Unterschiede bei den Maennern (93,8 gegenueber 80,2 Prozent), da ihre Erwerbsorientierung wegen der traditionellen Ernaehrerrolle staerker ausgepraegt ist; zudem steigen gerade die gering qualifizierten Maenner ueber Vorruhestandsregelungen frueher aus dem Erwerbsleben aus.

Auch die Verdienstchancen nehmen mit steigender Qualifikation zu. Ein zusaetzliches Bildungsjahr fuehrt in Deutschland zu einem Einkommenszuwachs von 3,5 bis 7 Prozent. Waehrend in Deutschland die Verdienstrelationen in den letzten 15 Jahren weitgehend stabil blieben, kam es zum Beispiel in den USA zu einem drastischen Verfall der unteren Einkommen. Die zunehmend ungleichere Einkommensverteilung hat dort allerdings nicht, wie oft behauptet, die Arbeitsmarktchancen der weniger Qualifizierten verbessert. "In Grossbritannien haben sie sich drastisch verschlechtert und in den USA sind sie gegenueber den 70er Jahren unveraendert miserabel", kritisiert Bosch. Lohnsenkungen sind also kein taugliches Rezept, die Arbeitsmarktchancen Ungelernter zu verbessern.

Da die Zahl der Arbeitsplaetze fuer Ungerlente in den naechsten Jahren deutlich abnehmen wird, ist es notwendig, das Qualifikationsniveau der Beschaeftigten zu verbessern. Hier sieht der deutsche Arbeitsmarkt auch wesentlich guenstiger aus als der vieler anderer Laender. In Grossbritannien waren 1988 63 Prozent der Beschaeftigten ungelernt gegenueber 26 Prozent in West-Deutschland.

Dass die USA dennoch Beschaeftigungszuwaechse auch in den unteren Qualifikationsgruppen erzielten, haengt mit amerikanischen Sonderbedingungen zusammen, insbesondere den betraechtlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung in der Spitzentechnologie, die eine grosse Innovationsdynamik entfalteten. Die USA geben fast fuenfmal soviel wie Deutschland (169 Mrd. $ gegenueber 36 Mrd. $ 1994) fuer Forschung und Entwicklung aus. Fast zwei Drittel der neugeschaffenen Arbeitsplaetze in den USA finden sich in den oberen Einkommensgruppen. "Hier ist das zusaetzliche Einkommen entstanden, mit dem auch die Produkte und Dienstleistungen der Einfachjobs nachgefragt wurden. Grossbritannien, das nur 21 Mrd. $ pro Jahr - also weniger als 60% des deutschen Werts - in F&E investierte und nur den Arbeitsmarkt deregulierte, kann daher auch nur schwaechere Beschaeftigungzuwaechse verzeichnen als Deutschland", so Bosch.

Fuer weitere Fragen steht Ihnen zur Verfuegung: Prof. Dr. Gerhard Bosch Durchwahl: 1707-147

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