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Fachkraft für gesundes Leben

25.08.1997 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Modernisierung in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft

Herausforderungen fuer die berufliche Bildung

Die "Fachkraft fuer gesundes Leben" als neues, integriertes Berufsbild?

Waehrend die Gesundheits- und Sozialwirtschaft seit 15 Jahren boomt, ist die Modernisierung der Gesundheitsfachberufe in den letzten Jahren deutlich zu kurz gekommen. Von 1980 bis 1995 verzeichneten die Sozialen Dienstleistungen ein Beschaeftigungsplus von nahezu 60 Prozent auf derzeit ca. 3,3 sozialversicherungspflichtig Beschaeftigte und stellen damit fast 15 Prozent aller Beschaeftigten heute. Trotz der Rationierung oeffentlicher und halboeffentlicher Gesundheitsausgaben kann sich der Trend fortsetzen, wenn sich die Gesundheitsanbieter um Qualitaet bemuehen, ihre Produkte und Dienstleistungen attraktiver und kundenorientierter, wirksamer und kostenguenstiger anbieten. Dazu bedarf es aber geschulten Personals. Die berufliche Bildung im Bereich Gesundheit und Soziales ist jedoch bislang uneinheitlich geregelt, behindert berufliche Mobilitaet und vernachlaessigt berufsuebergreifende Kooperationsfaehigkeit

Vor allem wirtschaftliche Potentiale, die aus dem Zusammenwirken von Gesundheit und den benachbarten Branchen - wie Sport, Freizeit, Tourismus, Nahrung und Genuss, Bildung, Lebensstil - erwachsen, werden zuwenig beachtet. Will die Gesundheitswirtschaft diese Potentiale nutzen, muss auch die berufliche Bildung in diesem Wirtschaftszweig erneuert werden. Mindestens ebenso wichtig wie die aerzte, Zahnaerzte und Apotheken sind bei dieser Neuorientierung die anderen Gesundheitsfachberufe, die derzeit drei Viertel des in diesen Wirtschaftsfeldern taetigen Personals ausmachen. Das Spektrum der Berufe und Ausbildungsgaenge reicht von der Arbeitserziehung ueber die Sprachtherapie und die Diaetassistenz bis hin zu den verschiedenen Pflegeberufen. Waehrend andere Ausbildungsgaenge wie beim Bau oder der Metallwirtschaft neu geordnet und zusammengefasst wurden, blieben entsprechende Reformen im Gesundheitsbereich bislang aus.

Entsprechend schlecht steht es um die "interprofessionelle Kooperation" der Gesundheitsfachberufe und die Moblitaet zwischen ihnen - Schluesselressourcen fuer die Modernisierung. Erhebliche Belastungen bei gleichzeitig niedriger Entlohnung und fehlende Aufstiegsmoeglichkeiten fuehren bei vielen Beschaeftigten haeufig zur "Inneren Kuendigung". Weil es kaum Moeglichkeiten gibt, in andere, aehnliche Berufsfelder zu wechseln oder mittels Qualifizierung aufzusteigen, erscheinen die Gesundheitsberufe als "Sackgassenberufe", viele Beschaeftigte steigen aus oder waehlen einen voellig neuen Beruf - ein Schritt, der aus Sicht der Beschaeftigten wie auch aus der der Arbeitgeber eine unnoetige Entwertung von Qualifikations-Investitionen darstellt.

Reformen der Gesundheits- und Sozialberufe werden seit Jahren gefordert. Die derzeit entwickelten Perspektiven fuer eine Modernisierung der beruflichen Bildung in einigen Kernbereichen der Gesundheits- und Sozialberufe greifen aber zu kurz, weil nicht beruecksichtigt wird, dass zukuenftig neben den althergebrachten Gesundheitsberufen zunehmend auch benachbarte Arbeitsbereiche an Relevanz gewinnen, fuer die ebenfalls Handlungsbedarf bei der beruflichen Bildung besteht, kritisieren die IAT-Wissenschaftler Dr. Josef Hilbert und Karin Scharfenorth vom Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen).

Gesundheit und Soziales werden in Zukunft weniger die Aufgabe von Institutionen wie Krankenhaeusern und Heimen sein. Insbesondere Gesundheitserhaltung und -foerderung werden stattdessen staerker als bisher Teil des normalen Lebens werden und zu Hause, am Arbeitsplatz oder in anderen, eher alltaeglichen Zusammenhaengen stattfinden. Diesem Megatrend im Gesundheitssystem koennte man mit einem Ansatz zur Integration von Berufsbildern, bzw. zur Entwicklung neuer beruflicher Perspektiven gerecht werden, der solche Qualifikationen zusammenfasst, die ueber das traditionelle Verstaendnis von Gesundheit, Medizin und Soziales hinausgehen und gezielt auf die Entwicklung synergetischer Potentiale zwischen den Branchen setzten. Als "konkrete Utopie" schlagen die IAT-Wissenschaftler ein neues Berufsbild "Fachkraft fuer gesundes Leben" nach dem Berufsbildungsgesetz vor. Nach einer gemeinsamen Grundausbildung im ersten Jahr koennte die Qualifizierung in verschiedene Berufsfelder aufgeteilt werden, z.B Mobilitaet und Freizeit, Kommunikation, Leistungsphysiologie, Nahrung und Genuss und Wohnen. In einem dritten Ausbildungsjahr stuende dann eine Spezialisierung auf ausgewaehlte Taetigkeitsbereiche an.

Tabelle 1: Beschaeftigte im Bereich sozialer Dienstleistungen im westlichen Bundesgebiet 1980 - 1995 Dienstleistungsbereich 1980 1995 Veraenderung Kinder-/Altenheime u.ae. 193.148 401.902 +108,1% Gesundheit/Veterinaer 997.563 1.580.375 +58,4% Hygienische Einrichtungen u.ae. 80.230 122.747 +53,0% Wohlfahrtsverbaende, Parteien 133.682 307.682 +130,2% Schulen, Hochschulen 416.820 472.234 +13,3% sonstige Bildungsstaetten 172.978 291.233 +68,4% Kirchen, religioese Vereine 101.204 161.831 +59,9% Gesamt 2.095.625 3.338.004 +59,3%

Fuer weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfuegung: Dr. Josef Hilbert Durchwahl: 1707-120 und Karin Scharfenorth Durchwahl: 1707-163


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