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Tagung: Öffentliche und private Wirtschaft

02.10.1996 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Bochum, 02.10.1996 Nr. 176

Sparzwang nach unternehmerischem Vorbild

Schlanker Staat und kommunale Dienstleistung

Unternehmens- und Industriegeschichte kritisch betrachtet

Nach Meinung von Kritikern sollen auch Staedte und Gemeinden unter dem gegenwaertigen Sparzwang Personal entlassen, damit Verwaltungen und Dienstleistungsbetriebe der Kommunen so effektiv wie private Unternehmen arbeiten. Dies ist ein Aspekt der Thematik, mit der sich der ,Arbeitskreis fuer kritische Unternehmens- und Industriegeschichte" der Ruhr-Universitaet Bochum (AKKU; Vorsitz: Dr. Christian Kleinschmidt, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Fakultaet fuer Geschichtswissenschaft der RUB) auf seiner diesjaehrigen Jahrestagung beschaeftigt: ,Kommunen und Unternehmen seit 1918. Wechselwirkungen zwischen oeffentlicher und privater Wirtschaft". Auf Einladung des AKKU und des ,Westfaelischen Instituts fuer Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe" treffen sich Historiker und Sozialwissenschaftler am 10. und 11. Oktober in Muenster (Warendorfer Str. 21-23, Block W, Sitzungszimmer)

Verhaeltnis privater und oeffentlicher Wirtschaft

Die Organisationsstrukturen der Kommunen muessen sich in Zukunft verstaerkt an den betriebswirtschaftlichen Grundsaetzen der freien Wirtschaft orientieren. Diese im Zuge der Spardebatte an die Kommunen gerichtete Forderung ist nicht ganz so neu. Bereits in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts und frueher wurde ueber die wirtschaftliche Ausrichtung der Staedte und Gemeinden oeffentlich diskutiert. Damit verbunden war stets die Frage nach dem Verhaeltnis von privaten Unternehmen und oeffentlicher Hand, dem Einfluss von Unternehmen auf staatliche und staedtische Entscheidungen und der Abhaengigkeit von Kommunen und Staat. Diese Seite der Stadtentwicklung wurde bisher von der Stadtgeschichtsforschung fuer die Zeit seit 1914 nicht ausreichend beachtet.

Kontinuitaeten und Brueche

Ziel der Tagung ist es, nach Kontinuitaeten und Bruechen in der Entwicklung seit dem ersten Weltkrieg zu fragen und die Einwirkung der unterschiedlichen politischen Herrschaftssysteme auf soziale und oekonomische Strukturen der Kommunen zu untersuchen. Dabei will man an aktuelle Diskussionen anknuepfen und mit historischen Fragestellungen eine fundierte Basis liefern, um die heutigen vielfaeltigen Reformversuche in einen historischen Kontext stellen zu koennen.

Themen

Folgenden Themenschwerpunkten wollen sich die Mitglieder und Gaeste des AKKU vorrangig widmen:

1) Kommunen als Unternehmer und Arbeitgeber und zwar nicht nur im Verwaltungsbereich, sondern auch als Anbieter von Waren- und Dienstleistungen. Wieweit unterscheidet sich die Betriebsfuehrung kommunaler von privatwirtschaftlichen Unternehmen oder von Unternehmen anderer oeffentlicher Traeger? Gibt es eine spezifische betriebliche Sozialpolitik der kommunalen Unternehmen? Handeln kommunale Unternehmen flexibler und nach anderen Zielvorstellungen als Privatunternehmen?

2) Betriebswirtschaftliche Steuerungselemente in Kommunen. Die aktuellen Zauberworte in den kommunalen Verwaltungen heissen ,betriebswirtschaftliche Steuerung", ,profit center", ,schlanke Verwaltung", ,Eigenbetriebe". Wird die Fuehrung einer Behoerde der Steuerung eines Unternehmens immer aehnlicher und sind dabei betriebswirtschaftliche Steuerungselemente problemlos auf Verwaltungen und Behoerden zu uebertragen?

3) Einflussnahme von Unternehmungen auf kommunale Entscheidungen. Welche Einflussmoeglichkeiten hat die Privatwirtschaft auf Entscheidungsprozesse der kommunalen Verwaltungen und wie erfolgreich koennen sie angewendet werden? Wie gestaltet sich beispielsweise die Beziehung zwischen Kommunen und Unternehmen, wenn es nur ein oder wenige Grossunternehmen mit dominanter Rolle in der Gemeinde gibt?

4) Lokale Horizonte von Unternehmen und Kommunen. Gross- und mittelstaendische Unternehmen besitzen haeufig mehrere Produktionsstaetten in verschiedenen Gemeinden. Die einzelne Kommune hat dagegen in erster Linie die Wohlfahrt innerhalb der Gemeindegrenzen zu beachten. Welche Konflikte entstehen durch diese Konstellation? Trifft sich hier kleinkariertes Provinzdenken und weltlaeufiges Unternehmertum?

5) Kommunale Wirtschaftsfoerderung. Was ist das ueberhaupt, und seit wann gibt es diesen Begriff? Wie gestalten sich die Beziehungen zwischen Unternehmen und Kommunen auf der Ebene der Wirtschaftsfoerderung in der Praxis?

6) Zukunftsplanungen in Kommunen. Wodurch unterscheidet sich die kommunale Haushalts- und Investitionsplanung von der eines privatwirtschaftlichen Unternehmens? Worin unterscheiden sich Planungen und Zielvorstellungen im Hinblick auf die eigenen Aufgabenfelder und im Hinblick auf die Rolle der Kommunen fuer die Infrastrukturpolitik und den lokalen Arbeitsmarkt?

Weitere Informationen

Dr. Christian Kleinschmidt (Fakultaet fuer Geschichtswissenschaft) Ruhr-Universitaet Bochum, 44780 Bochum, Tel.: (0234) 700-2554/4658/5420.


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