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Wirbelsäulen-Kongress in Jena

27.04.1998 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

FSU-Mediendienst

Wirbelsaeulen-Kongress an der Uni Jena

Volkskrankheit Rueckenschmerz nimmt weiter zu

Jena. (27.04.98) Fast 500 Teilnehmer aus Deutschland, OEsterreich, der Schweiz und den Niederlanden erwartet Prof. Dr. Hans-Christoph Scholle zum 7. Interdisziplinaeren Wirbelsaeulenkongress am kommenden Wochenende (1.-3. Mai) in Jena. Orthopaeden, Physiologen, Neurologen, Psychologen, Arbeits- und Sportmediziner sowie Internisten befassen sich in 80 Vortraegen und 35 Workshops mit einem Koerperteil, das fast jedem Mitteleuropaeer frueher oder spaeter Beschwerden bereitet: "Die Wirbelsaeule, genauer: ihr muskulaerer Stuetzapparat, ist den monotonen einseitigen Belastungen und der ueberwiegend sitzenden Taetigkeit in unserem modernen Arbeitsleben einfach nicht gewachsen", macht der Pathophysiologe Scholle deutlich.

Der Kongress befasst sich vor allem mit neuen diagnostischen, vorbeugenden und therapeutischen Massnahmen gegen den Rueckenschmerz. "Nachdem der unkoordinierte Boom an Angeboten durch die letzte Seehofer-Reform ausgebremst ist, befindet sich die Rueckenschule jetzt auf neuen Wegen", erklaert Scholle. Dabei komme einer fachlich untermauerten Praevention ebenso grosse Bedeutung zu wie neuen Therapieverfahren, etwa auch in Rehabilitationskuren fuer Schlaganfallpatienten. Dass diese Ansaetze auch volkswirtschaftlich Sinn machen, liegt bei der Volkskrankheit Rueckenschmerz auf der Hand. Scholle: "Es gibt unterschiedliche Statistiken, aber allein fuer Deutschland beziffern alle Experten die Kosten fuer Arbeitsausfaelle und medizinische Betreuung auf einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr."

Einen Schluessel zur besseren wissenschaftlichen Aufklaerung des Phaenomens Rueckenschmerz liefert die elektrophysiologische Messung der Muskelaktivitaeten. Dazu bedient sich Scholles Team im Institut fuer Pathophysiologie der Jenaer Uni-Klinik des sogenannten Oberflaechen-Elektromyogramms: Elektroden, die einfach auf der Haut plaziert werden, messen die elektrischen Potentiale der aktivierten Muskeln und geben so ein sehr praezises Abbild davon, in welcher Reihenfolge die komplex aufgebauten Rueckenmuskeln bei beliebigen Bewegungen, etwa beim Heben oder Tragen, aktiviert werden. Bei Patienten mit Rueckenbeschwerden gibt es fast immer Abweichungen von einem idealtypischen Verlauf.

Aus diesen Erkenntnissen werden dann individuelle Therapiekonzepte, aber auch Trainings- und Vorbeugemassnahmen entwickelt. Dabei arbeiten die Jenaer Wissenschaftler u. a. eng mit der Berufsgenossenschaft fuer Nahrungsmittel und Gaststaetten zusammen. Die Forschungen stehen ausserdem im Zusammenhang mit dem interdisziplinaeren Innovationskolleg Bewegungssysteme an der Universitaet Jena.

"Bisher muessen wir leider feststellen, dass alle vorbeugenden Initiativen in Rueckenschulen das Problem insgesamt nicht abgemildert haben", beklagt Scholle; vielmehr sei die Tendenz eher steigend. Deshalb appelliert er an alle Buergerinnen und Buerger, die Rueckenmuskulatur "vorbeugend und mit Augenmass zu konditionieren". Wer ins Fitnessstudio gehe, duerfe nicht unbedingt die Koerpermasse eines Arnold Schwarzenegger ins Visier nehmen. Ein individuelles Programm, etwa aus Muskelaufbau und Gewichtsabbau, zeichne die Kompetenz guter Studios aus. Aber auch taegliches Spazierengehen, Schwimmen ein- bis zweimal die Woche und ein bisschen Fruehgymnastik helfe, Beschwerden vorzubeugen, so Scholle.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Hans-Christoph Scholle, Tel.: 03641/937373

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