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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 16. Dezember 2019 

Radioimmuntherapie-gezielt gegen Krebszellen

18.03.1998 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin

Thema auf der Internationale Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin:

Radioimmuntherapie - gezielte innere Bestrahlung von Tumorzellen

Eines der wesentlichen Probleme der Krebstherapie besteht darin, die entarteten Tumorzellen abzutoeten, ohne gleichzeitig die gesunden Zellen im umliegenden Gewebe zu schaedigen. Dies gilt fuer die Chemo- ebenso wie fuer die Strahlentherapie und natuerlich auch fuer nuklearmedizinische Therapieansaetze. Ziel der Radioimmuntherapie ist es, strahlende Substanzen mit minimaler Reichweite moeglichst direkt an oder in die krankhaft veraenderte Zelle zu bringen und zwar so spezifisch, dass gesunde Zellen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Nuklearmedizinische Therapie

Bei einigen speziellen Krebserkrankungen sind diese Verfahren laengst etabliert. Nuklearmediziner fuehren seit Jahrzehnten Radioiodtherapien bei gutartigen und boesartigen Schilddruesenerkrankungen durch. Dies gilt beispielsweise fuer die Behandlung von Metastasen bei Schilddruesentumoren, bei denen eine chirurgische Behandlung nicht mehr moeglich ist. Dabei wird dem Patienten radioaktives Jod - 131 (I-131) in Kapselform verabreicht. Da Jod, und damit auch Radioiod, ganz gezielt in Schilddruesen- und Schilddruesentumorzellen angereichert wird, sucht sich dieser "Strahler" selbst den Weg und kann mit seiner Betastrahlung mit nur kurzer Reichweite die Tumorzellen, in denen I-131-angereichert ist, von innen bestrahlen.

Radioimmuntherapie

I-131 durch "Schlepperstoffe", meist Antikoerper oder Peptide, auch an andere, nicht per se jodanreichernde Tumorzellen heranzubringen, das ist das Ziel der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Wolfgang Becker, Universitaet Goettingen, die ihre Ergebnisse auf der Internationalen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft fuer Nuklearmedizin praesentieren wird. Dabei werden mit Jod-131 "beladene" Antikoerper verwendet, die ganz spezifisch Oberflaechenstrukturen von Tumorzellen erkennen koennen und dann dort binden. Auf diese Weise gelingt es, Jod-131 unmittelbar an Tumorzellen zu tragen und dadurch eine hochselektive Bestrahlung zu erreichen.

Derzeitige experimentelle Therapien

Dr. Thomas M. Behr, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Goettinger Arbeitsgruppe, untersucht zur Zeit das Ansprechen von Lymphomen, die auf der Zelloberflaeche die Rezeptoren CD20 und CD22 tragen, auf diese neue Therapie. Zum einen eignen sich Lymphome wegen ihrer guten Strahlenempfindlichkeit fuer diese Behandlung, zum anderen sind fuer die Rezeptoren CD20 und CD22 bereits Antikoerper vorhanden. Darueber hinaus allerdings werden in einer weltweit erstmaligen, wissenschaftlichen Therapiestudie Patienten behandelt, die an Metasasen eines Darmkrebes, einem sogenannten kolorektalen Karzinom, leiden und einer Sonderform des Schilddruesenkarzinoms, dem sogenannten medullaeren oder C-Zell Karzinom, das einer ueblichen I-131-Therapie nicht zugaenglich ist. Dem Darmkrebs und dem medullaeren Karzinom ist es gemeinsam an der Zelloberflaeche das Antigen CEA zu exprimieren und damit Antikoerper gegen CEA zu binden. Diese Antikoerper werden dann wieder mit I-131 markiert und intravenoes injiziert.

Nebenwirkungen und Therapiedurchfuehrung

Diese Form der Behandlung muss auf einer besonders dafuer geeigneten nuklearmedizinischen Therapiestation durchgefuehrt werden. Sie ist fuer den Patienten wenig belastend, kann aber, insbesondere bei Hochdosistherapien von Lymphomen, eine nachfolgende Stammzell- oder Knochenmarkstransplantation erforderlich machen, was eine enge Kooperation mit den behandelnden Onkologen voraussetzt. Bei Darmkrebs werden bisher ausschliesslich Patienten behandelt, die nach einer Primaeroperation des Karzinoms eine Lebermetastase entwickelten und auch an dieser behandelt wurden. Treten dann erneut Lebermetastasen auf, sind diese klein und multipel in verschiedenen Organen verteilt, so dass eine Operation nicht mehr in Frage kommt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass in solchen Faellen, die neue - und gut vertraegliche - Form der Radioimmuntherapie mit Jod-131-markierten Antikoerpern zu guten Ergebnissen fuehrt. Fortgeschrittene Tumorstadien mit grossen Tumormassen sind allerdings nicht zu behandeln.

Entwicklungstendenzen

Diese Form der Behandlung ist vielversprechend und steht noch am Anfang, da bisher nicht alle verfuegbaren Antikoerper und Peptide oder moegliche radioaktiven Strahler (etwa Yttrium-90 etc.) zum Einsatz gekommen sind.

Dr. Behr traegt die Ergebnisse seine bisherigen Arbeit waehrend der Internationalen Jahrestagung der DGN im Congress Centrum in Leipzig vom 2. bis 4. April 1998 vor (V1, V2, Donnerstag, 2.04., 11.30-12.30 Uhr, Therapie I). Er und Prof. Becker stehen dort gerne fuer Gespraeche zur Verfuegung.

Weitere Informationen zur Radioimmuntherapie und zur Jahrestagung bekommen Sie bei: Heike Jordan, PR-Referentin der Deut. Ges. f. Nuklearmedizin, Tel. 0551/376447, Fax 0551/376453

Auf unserer Homepage http://www.nuklearmedizin.de finden Sie das komplette Tagungsprogramm und ausfuehrliche Informationen zu den Presseveranstaltungen.


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