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10.000 mal schnellerer med. Sensor

24.11.1995 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Nr. 201

10.000 mal schnellerer Sensor entwickelt

Nervenzellen nun auch ueber den pH-Wert steuern

RUB-Physiologe erhaelt hohen Preis der Sandoz-Stiftung

Medizinern und vorerst vielleicht noch eher den Neuroinformatikern nutzt eine neue Erkenntnis, wie ganze Nervenzellgruppen beeinflusst werden koennen: durch AEnderung des pH-Wertes. Dafuer und fuer die Entwicklung eines Sensors, der AEnderungen von Ionenkonzentrationen in Zellen 10.000-mal schneller als bisherige Mikroelektroden messen kann, erhaelt der Bochumer Nachwuchswissenschaftler Dr. Soeren Schreiber, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Peter Scheid (Organphysiologie, Institut fuer Physiologie, Medizinische Fakultaet der Ruhr-Universitaet Bochum), das mit 10.000 DM dotierten Graduierten-Stipendium der SANDOZ-STIFTUNG FUER THERAPEUTISCHE FORSCHUNG. Die Sandoz-Stiftung foerdert an 15 Medizinischen Fakultaeten in Deutschland qualifizierte junge Wissenschaftler. Der Preis wird Dr. Schreiber, dem ersten Bochumer Preistraeger, AM Mittwoch, 29. November 1995, 18 Uhr, im Bedienungsrestaurant der Mensa ueberreicht. Die Medien sind herzlich willkommen. Seit 35 Jahren ist bekannt, dass die Aktivitaeten von Nervenzellen durch Membranstroeme von Natrium-, Kalium- und Calciumionen gesteuert werden. Da diese Stroeme innerhalb von Millisekunden ablaufen, konnte man sie bisher nur indirekt messen. Mit dem neu- bzw. weiterentwickelten Sensor auf der Basis von Mikroelektroden koennen nun die Ionenstroeme direkt waehrend eines Aktionspotentials gemessen werden. Diese Moeglichkeit eroeffnet die Chance, die Regulation der Nervenaktivitaeten besser verstehen zu lernen. Das Nervensystem arbeitet aehnlich einem Computer, der vom Stromfluss (Bits sind ja/nein bzw. 0/I Zustaende) gesteuert wird. Beim Nervensystem sind es Ionenstroeme. Wie Dr. Schreiber herausgefunden hat, kann das Aktionspotential von Nervenzellen aber auch ueber eine AEnderung des pH-Wertes erfolgen. Bei Messungen an der bestbeschriebenen Nervenzelle, am Riesenaxon des Tintenfisches, fand er neben den bekannten Ionenstroemen auch Protonenstroeme. Diese kleinen biphasischen AEnderungen des intrazellulaeren pH-Wertes geben Grund zur Annahme, dass auch Protonen zu den Regulationsmechanismen des Zentralnervensystems gehoeren. Dr. Schreiber ist der erste RUB-Preistraeger der 1969 errichteten SANDOZ-STIFTUNG FUER THERAPEUTISCHE FORSCHUNG, die seit drei Jahren Graduierten-Stipendien vergibt. Die Sandoz-Stifung foerdert mit jaehrlich etwa 1,5 bis 1,7 Mio DM Projekte auf medizinisch-wissenschaftlichem Gebiet. Dr. Schreiber erhaelt den Preis fuer seine hervorragende Dissertation "Entwicklung schneller ionensensitiver Mikroelektroden und Messung des intrazellulaeren pH waehrend des Aktionspotentials am Riesenaxon des Tintenfisches".

WEITERE INFORMATIONEN Dr. Soeren Schreiber, Ruhr-Universitaet Bochum, Institut fuer Physiologie, Medizinische Fakultaet, 44780 Bochum, Tel. 0234/7004883, Fax: 7094-449
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