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Wunschkinder

10.03.1998 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Pressemitteilung vom 10.3.1998 der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsklinikum

Hoffnungen auf das Wunschkind lassen sich immer häufiger erfüllen

,Erfolgsrate" von über 40 Prozent bei künstlichen Befruchtungen an Magdeburger Klinik

Die ungewollte Kinderlosigkeit steht im Mittelpunkt einer Arbeitstagung, zu der am Sonnabend, dem 21. März 1998, die Klinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie der Otto-von-Guericke-Universität niedergelassene Frauenärzte und Klinikärzte einlädt. Vor drei Jahren hat sich die Magdeburger Spezialklinik an ihrem jetzigen Standort in der Gerhart-Hauptmann-Straße 35 mit ihrer derzeitigen Struktur etabliert. ,Die kontinuierliche Zunahme von Patienten - im vergangenen Jahr hatten wir über 1 000 stationäre Aufnahmen - war nur durch die gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten möglich", betont Klinikdirektor Prof. Dr. Jürgen Kleinstein.

In der Klinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie werden Frauen mit gynäkologischen Hormonstörungen und Paare mit ungewollter Kinderlosigkeit betreut. Ungefähr 400 000 Paare, das sind 10 bis 15 Prozent, sind in Deutschland davon betroffen. Durch neue, moderne Behandlungsverfahren kann vielen heutzutage der Kinderwunsch dennoch erfüllt werden, meint Professor Kleinstein. Die Magdeburger Klinik hat dazu alle Voraussetzungen. Allerdings waren teure Investitionen in Geräte und in die Ausbildung der Mitarbeiter durch die Universität in den letzten drei Jahren vorausgegangen.

Damit eine Behandlung zur gewünschten Schwangerschaft führen kann, müssen zuerst einmal die Ursachen der Sterilität festgestellt werden, betont der Experte. Dabei ist die Ursachenklärung bei den betroffenen Frauen eindeutiger. Sehr häufig handelt es sich um vorausgegangene Unterleibsentzündungen oder hormonelle Funktionsstörungen der Eierstöcke. Weshalb immer mehr Männer in ihrer Zeugungsunfähigkeit eingeschränkt sind, ist dagegen nicht immer einfach zu klären. Häufig berichten diese Männer über vorausgegangene Infektionen, Hodenhochstand oder Krebsleiden. ,Aber auch ständig anhaltende Streßbelastung könnte ein Grund dafür sein", so Professor Kleinstein.

Allein im vergangenen Jahr wurden bei über 500 Paaren eine der Maßnahmen der künstlichen Befruchtung in der Magdeburger Spezialklinik durchgeführt. Die Paare kamen aus ganz Sachsen-Anhalt und benachbarten Bundesländern. Besonders erfreulich ist dabei für die Magdeburger Reproduktionsmediziner die hohe Schwangerschaftsrate von rund 40 Prozent bei der Mikroinjektion von Spermien. Diese Methode muß bei der hochgradigen Einschränkung der Zeugungsfähigkeit des Mannes angewandt werden, um Schwangerschaften erwarten zu können.

,Eigentlich handelt es sich auch bei der Mikroinjektion, die wir seit über zwei Jahren mit großem Erfolg einsetzen gar nicht um eine künstliche Befruchtung sondern eher um eine Überbrückung von Barrieren, die Spermien nicht von alleine überwinden können. Die Vereinigung des Erbmaterials läuft so ab, wie es die Natur vorsieht, nur in einem Reagenzglas", erklärt Professor Kleinstein.

Vor kurzem wurde in Kooperation mit der hiesigen Urologischen Universitätsklinik eine neuartige Methode eingeführt, die auch Paaren den Kinderwunsch erfüllen kann, wenn beim männlichen Partner die Spermien in der Samenflüssigkeit völlig fehlen. Bei dieser sog. testikulären Spermaextraktion (TESE) werden die zeugungsfähigen Spermien direkt aus Gewebeproben des Hodens gewonnen. Dazu werden mehrere kleinere Gewebeproben aus dem Hoden in flüssigen Sauerstoff aufbewahrt (kryokonserviert). Am Tage der Eizellgewinnung bei der Frau wird ein Teil dieser Gewebeprobe aufgetaut und durch Einwirkung eines Enzyms aufgeschlüsselt. Dadurch werden Samenzellen aus dem Samenkanälchen frei und können für die Mikroinjektion in die Eizellen eingesetzt werden. Diese Methode kommt vor allem Männern zugute, die angeborene oder durch Entzündung erworbene Verschlüsse ihrer Samenleiter haben.

In einer Forschungsstudie beschäftigt sich das Magdeburger Ärzteteam auch mit der Problematik der Mehrlingsschwangerschaft bei der künstlichen Befruchtung, die gegenwärtig bei jeder fünften Patientin eintritt. Behandlungsziel sei es, so Professor Kleinstein, das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft zu minimieren, ohne aber die Erfolgsaussichten auf eine Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung zu senken.

Bei der Fortbildungsveranstaltung am 21. März 1998 im Herrenkrug-Hotel Magdeburg werden namhafte Referenten der Bundesrepublik über aktuelle Themen der Reproduktionsmedizin informieren. Dabei geht es beispielsweise um die Frage: ,Nimmt die ungewollte Kinderlosigkeit zu?" oder ,Vaterschaft trotz Azoospermie (Fehlen von Spermien in der Samenflüssigkeit)?" Künftig will die Klinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie diese Fortbildungsveranstaltung für Frauenärzte einmal jährlich veranstalten.

Weitere Auskünfte erteilt gern:

Prof. Dr. Jürgen Kleinstein, Klinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Gerhart-Hauptmann-Str. 35, 39108 Magdeburg, Tel. 0391/ 67 17390.


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