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Muskelschmerz-Sprechstunde

19.12.1997 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Pressemitteilung vom 19.12.1997 der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsklinikum

Muskelschmerz - keine Bagatelle!

Muskelerkrankungen werden häufig spät diagnostiziert - Spezialsprechstunde in der Uniklinik

Muskelschmerzen, rasches Ermüden bis hin zu Muskelschwäche und Muskelschwund, aber auch -zuckungen sind charakteristische Beschwerden bei Erkrankungen der Skelettmuskulatur oder der versorgenden Nerven. Frühzeitige Diagnostik und Therapie entscheiden darüber, wie sich die Krankheit weiter entwickelt. In der Bundesrepublik gibt es mittlerweile ein flächendeckendes Netz von Spezialsprechstunden für diese Erkrankungen. In Magdeburg hat das Muskelzentrum seinen Sitz in der Universitätsklinik für Neurophysiologie.

Jeder Muskel des Körpers erhält ausgehend vom Gehirn, über das Rückenmark und Nervenfasern ständig Signale, ohne die keine Bewegung möglich wäre. Gemeinsam ist vielen Erkrankungen die Muskelschwäche der Arme und Beine. Mitunter tritt auch eine Herzmuskelschwäche auf. Besondere Probleme bereiten Atemschwäche, Kau- und Schluckstörungen sowie gelegentlich Doppelbilder. Die Vielzahl dieser Erkrankungen ist erstaunlich komplex und umfaßt nicht selten erbliche Prozesse, die schon im Kindesalter beginnen können. Ein Beispiel hierfür ist die große Gruppe der Muskeldystrophien. Bei diesen Erkrankungen wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Besonders wichtig hierbei: Die umfassende Beratung der Betroffenen und Eltern. Medikamentös mittlerweile gut zu behandeln sind auch Erkrankungen, die durch ein fehlgesteuertes Immunsystem, wie bei der Myasthenia gravis entstehen. Eine häufige schwere, schicksalhafte Erkrankung der motorischen Zellen des Rückenmarks, die zu Muskelschwund und Lähmungen führen kann, ist die amyotrophische Lateralsklerose (ALS). Neben neuen medikamentösen Therapiemöglichkeiten kommt auch hierbei der psychosozialen Betreuung unter Einbeziehung der Angehörigen eine große Bedeutung zu.

Meist auf Umwegen zum Muskelzentrum

Obwohl die Patienten ihre Beschwerden glaubhaft schildern, kommen sie häufig erst auf Umwegen in die entsprechende Spezialsprechstunde. Die richtige Diagnose gelingt oft nur durch den kombinierten Einsatz verschiedener wissenschaftlicher Diagnoseverfahren, deren Ergebnisse in Fallkonferenzen von Klinikern und Spezialisten (Neurophysiologen, Neuropathologen, Immunologen, Genetikern) gemeinsam beurteilt werden. Ein weiterer Vorteil eines Muskelzentrums besteht neben der modernen diagnostischen Ausstattung in einem großen Angebot an neuen Arzneimitteln im Rahmen wissenschaftlicher internationaler Studien. So konnte die Prognose vieler neuromuskulärer Krankheiten in den letzten Jahren entscheidend verbessert werden. Spezielle elektrodiagnostische Labortests, bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Kernspintomographie des Muskels, mitunter auch erst die direkte Untersuchung einer Muskelgewebeprobe und des Erbmaterials klären die Erkrankung schließlich auf.

Lebenshilfe für den Alltag

Ziel ist es auch, mit speziellen Informationen und Hilfsmitteln den Patienten zu unterstützen, trotz Muskelschwäche manche Tätigkeiten des Alltags wieder selbständig auszuführen. So kann eine fachkundige Krankengymnastik zusammen mit den richtigen Hilfsmitteln, zum Beispiel mit einer leichten Sprunggelenksschiene bei einer Muskelschwäche der Fußheber Gangunsicherheit und Stürze verhindern helfen. Bei schweren Atembeschwerden kann in Einzelfällen eine Heimbeatmung mit einer speziellen Maske sinnvoll sein. Das Muskelzentrum koordiniert auch die psychosoziale Betreuung, wie die häuslichen Pflege, Schwerbehindertenausweis, Pflegeversicherung. Wichtige Unterstützung erfolgt in diesem Bereich durch die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Muskelkrankheiten e.V. mit Hauptsitz in Freiburg. Durch die Landesgruppenleiter/innen ist diese Selbsthilfeorganisation auch in Sachsen-Anhalt mit der Geschäftsstelle in Magdeburg vertreten und organisiert regelmäßig Zusammenkünfte, Symposien und informiert aktuell durch Broschüren und Schriften zu den einzelnen Krankheitsbildern.

Autor: Dr. Stefan Vielhaber, Klinik für Neurophysiologie am Universitätsklinikum Magdeburg, Tel. 0391/ 6713426


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