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Wirbelsäulenforschung

06.11.1997 - (idw) Universität Ulm

6.11.1997

Die Wibelsaeule des Schafes - ein valides Modell Europaeischer Posterpreis fuer Ulmer Biomechaniker

Das Schaf ist das klassische Versuchskaninchen des Wirbelsaeulenforschers. An seinem Rueckgrat werden unter anderem neue Operationstechniken zur Behandlung von Wirbelsaeulenverletzungen und Bandscheibenerkrankungen und neue Wirbelsaeulenimplantate getestet. Dabei war man sich in Fachkreisen durchaus nicht immer sicher, inwieweit die am Schafsmodell erhobenen Daten auf den Menschen uebertragbar sind, handelt es sich beim Schaf doch um einen Vierbeiner, wogegen zu den Spezifika des Menschen der aufrechte zweibeinige Gang gehoert - mit moeglicherweise voellig anderen Belastungsverhaeltnissen im Rueckenbereich.

Vor zwei Jahren beschlossen deshalb vier Wissenschaftler aus der Abteilung Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik der Universitaet Ulm - PD Dr. Hans-Joachim Wilke, Dr. Annette Kettler, Dr. Karl Wenger und Abteilungsleiter Prof. Dr. Lutz Claes, die komplexen dreidimensionalen Bewegungseigenschaften der Schafs- und der menschlichen Wirbelsaeule vom Hals bis zu den Lenden biomechanisch zu untersuchen und Wirbel fuer Wirbel miteinander zu vergleichen. Die Gruppe verfuegt in Gestalt des an ihrem Institut entwickelten Wirbelsaeulen-Belastungssimulators ueber ein Geraet, das die Nachahmung jeder nur denkbaren Beanspruchung des Rueckgrats erlaubt.

Modell vom Metzger

Jetzt koennen die Vergleichbarkeitsbedenken als ausgeraeumt gelten: die biomechanischen AEhnlichkeiten zwischen Schaf und Mensch sind ueber die gesamte Wirbelsaeule sogar groesser als bisher angenommen. Dies zu wissen ist nicht nur hilfreich fuer die Planung kuenftiger Forschungsarbeiten, sondern ermoeglicht im nachhinein auch eine bessere Einordnung der Resultate bereits durchgefuehrter Studien.

Es zeigte sich zudem, dass selbst mit Wirbelsaeulen vom Metzger wichtige biomechanische Untersuchungen durchgefuehrt werden koennen: zu Fragen naemlich, in denen ueblicherweise menschliche Anatomiepraeparate eingesetzt werden, die jedoch sowohl aus ethischen als auch praktischen Gruenden (Anatomieleichen sind primaer als Objekte fuer den Praeparier-Kurs gedacht) kaum in ausreichender Zahl zur Verfuegung stehen.

Die Ergebnisse der Ulmer Arbeitsgruppe haben mittlerweile internationale Anerkennung gefunden: auf der Jahrestagung der European Spine Society, die vom 10.-13. September 1997 auf Kos in Griechenland stattfand, wurde ihr Beitrag "Validity of the Sheep Spine as a Biomechanical Model for the Human Spine" als beste von insgesamt 159 wissenschaftlichen Praesentationen mit dem 1. Poster-Award ausgezeichnet.

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