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Ursache einer Form von Bindehautentzündung entdeckt

16.10.1997 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Seltene Krankheit mit holzartigen Ablagerungen auf Bindehaeuten

Conjunctivitis lignosa - darunter verstehen Mediziner die seltene Form einer schweren und chronischen Bindehautentzuendung, die meist schon im Saeuglingsalter beginnt. An der Kinderklinik der Universitaet Wuerzburg wurde eine Ursache fuer diese Krankheit entdeckt.

Die Conjunctivitis lignosa, zu deutsch "holzartige Bindehautentzuendung", ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Charakteristisch fuer sie: Auf den betroffenen Bindehaeuten bilden sich dicke Membranen mit einer holzartigen Beschaffenheit. AEhnliche Membranen finden sich zum Teil auch auf der Schleimhaut in Mund und Rachen sowie, bei betroffenen Frauen, im Genitalbereich. Die Conjunctivitis lignosa kann bei entsprechend veranlagten Kindern und Erwachsenen durch eine lokale Reizung "ausgeloest" werden - zum Beispiel durch Infektionen, kleine Verletzungen oder Operationen. Hauptbestandteil der Membranen ist Fibrin, ein wichtiges Endprodukt der Blutgerinnung. Die bisherigen Befunde lassen vermuten, so PD Dr. Volker Schuster von der Wuerzburger Kinderklinik, dass es sich bei der Conjunctivitis lignosa um eine systemische Erkrankung handelt. Bis 1995 war ihre Ursache unbekannt: Dann wies Prof. Dr. Anne-Marie Mingers von der Kinderklinik der Universitaet Wuerzburg erstmals bei drei nicht miteinander verwandten Patientinnen mit einer Conjunctivitis lignosa einen schweren Plasminogen-Mangel nach. Plasminogen sorgt dafuer, dass unser Blut fluessig bleibt und nicht vorzeitig gerinnt. Darueber hinaus spielt es bei der Wundheilung und verschiedenen zellphysiologischen Vorgaengen eine wichtige Rolle. In einem neuen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefoerderten Projekt untersucht die Arbeitsgruppe von Dr. Schuster, Prof. Dr. Hans Wolfgang Kreth, Dr. Petra Zeitler und Prof. Dr. Mingers nun die molekulargenetischen und gerinnungsphysiologischen Grundlagen bei Conjunctivitis lignosa. Die Wissenschaftler haben mittlerweile bei zehn Patienten mit dieser Erkrankung einen schweren Plasminogen-Mangel nachgewiesen. Bei bisher fuenf Kindern wurden unterschiedliche Mutationen im Gen fuer Plasminogen gefunden. In den kommenden Monaten sollen weitere Blutproben von Kindern aus England, der Tuerkei und den USA in Wuerzburg untersucht werden. Die Ergebnisse werden zeigen, ob ein schwerer Plasminogen-Mangel die einzige und haeufigste Ursache der Conjunctivitis lignosa ist.

Kontakt: Dr. Volker Schuster, Telefon (0931) 201-3484, e-mail: kink098@mail.uni-wuerzburg.de

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