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Bandscheibenchirurgie

30.09.1997 - (idw) Universität Ulm

Chirurgie an den Stossdaempfern Bandscheibenspezialisten in Ulm

Rund 70 Prozent unserer Landsleute leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter starken Rueckenschmerzen, die meisten von ihnen (85%) werden mehrfach heimgesucht, und manchem (zwischen 3 und 7 % der Gesamtbevoelkerung) laesst der schmerzend Ruecken lebenslang keine Ruhe. In den Statistiken der Betriebe fuehren Rueckenprobleme mit 10 bis 15% die Liste der Gruende fuer das Fernbleiben vom Arbeitsplatz an, haben Ausfallzeiten von 1400 bis 2600 Stunden pro Jahr und 1000 Arbeitern zu verantworten und zwingen mehr Arbeitnehmer in Fruehrente als irgendeine andere Erkrankung. Den jaehrlichen Schaden fuer die Volkswirtschaft schaetzen Fachleute auf 20 bis 50 Milliarden Mark.

Schuld an den Schmerzen sind nicht selten die Bandscheiben. Die Stossdaempfer unserer Wirbelsaeule - duenn ummantelte Faserknorpelringe, die jeweils einen weichen Kern, den Nucleus pulposus, einschliessen - koennen geklemmt, gequetscht und verschoben werden, sind letztlich die Leidtragenden alltaeglicher und aussergewoehnlicher Fehlbelastungen und -haltungen, und juenger wird ja so eine Bandscheibe, medizinlateinisch ein Discus intervertebralis, auch nicht.

Heilung oder Linderung der Beschwerden bringt oft nur eine Operation, und wenn die Wirbelsaeulenchirurgen in letzter Zeit von Jahr zu Jahr gefragter werden, so verdanken sie dies nicht zuletzt ihrer Kompetenz in Sachen Bandscheibe. Rund 200 fuehrende Spezialisten auf diesem Gebiet aus dem gesamten deutschsprachigen Raum - Unfallchirurgen, Orthopaeden, Neurochirurgen und Biomechaniker - trafen sich Ende September 1997 im Ulmer Congress-Centrum auf der 9. Jahrestagung der Gesellschaft fuer Wirbelsaeulenchirurgie (GW), um unter dem Titel "Die operative Behandlung der verletzten und degenerativen Bandscheibe" neueste theoretische und klinische Ergebnisse zu diskutieren. Die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Dr. Lutz Claes, Chef der Abteilung Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik der Universitaet Ulm, zugleich amtierender GW-Praesident.

Poroese Stellvertreter

Theorie und Grundlagenforschung standen am ersten Kongresstag im Mittelpunkt der Fachgespraeche. Experimentelle Untersuchungen haben neue Erkenntnisse ueber Struktur und Zusammensetzung, Alltagsbewegungen und -belastungen der Bandscheiben geliefert, die fuer Einteilung und Begutachtung, Diagnostik und Therapie von Bandscheibenschaeden nicht folgenlos bleiben werden. Der Problemzone Halswirbelsaeule widmeten die Experten unter diesen Gesichtspunkten eine gesonderte Sitzung.

Der zweite Tag stand im Zeichen der neuen bandscheibenchirurgischen Operationstechniken. Angesichts einer Vielzahl zum Teil erst in juengster Zeit entwickelter Verfahren und Implantate faellt dem Arzt die Entscheidung fuer einen bestimmten Eingriff im Einzelfall nicht immer leicht. Strittig ist nicht allein die Indikationsstellung insgesamt, auch fuer das operative Vorgehen bieten sich verschiedene Alternativen, deren Vor- und Nachteile erwogen werden muessen. Auf der Grundlage ihrer juengsten praktischen Erfahrungen haben sich die Tagungsteilnehmer vor allem mit den verschiedenen Optionen der minimalinvasiven Chirurgie - endoskopische Chirurgie, Laserbehandlung, chemische Aufloesung von Bandscheibengewebe - auseinandergesetzt. Zukunftsperspektiven erschlossen mehrere Vortraege ueber computerunterstuetzte Wirbelsaeulenchirurgie und Neuronavigation.

Ein unter Bandscheibenchirurgen kontrovers diskutiertes Thema ist die Fusion von Wirbelsaeulenabschnitten mit Hilfe von Implantaten, sogenannten "cages" ("Kaefigen"): poroesen Koerpern, die als Abstandhalter die Bandscheibe vertreten, um die Versteifung des Wirbelsaeulensegments zu beschleunigen. Von verschiedenen Verfahren der Implantierung, verschiedenen Materialien, biomechanischen Grundlagenexperimenten und klinischen Erfahrungen wurde hier berichtet. Uneinheitlich wird von den Experten die Frage beantwortet, ob ueberhaupt und, wenn ja, wann ein Wirbelsaeulenabschnitt fusioniert und wann die Funktion einer schadhaften Bandscheibe - eventuell durch eine Prothese - erhalten werden kann und soll.


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