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Vorausschau als Katalysator für Europas Regionen

10.07.2002 - (idw) Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg

TA-Akademie veranstaltet EU-Kongress in Brüssel
Technikvorausschau als Katalysator für Europas Regionen

Die Einführung des Computers verlief wesentlich dramatischer und schneller als die meisten gedacht haben, die Euphorie über UTMS-Frequenzen ist dagegen bereits wie-der verflogen, weil die Marktchancen offenbar weitgehend überschätzt wurden. Zwei Beispiele, die zeigen, wie schwierig es ist, den Erfolg neuer Technologien wirklich vorher zu sehen. Mit der Technikvorausschau ist neuerdings ein Instrument entwickelt worden, das dies auf nationaler Ebene mit einigem Erfolg praktiziert. Experten aus Wissenschaft und Praxis werden dabei nach ihren Einschätzungen von Zukunftsmärk-ten und Risiken befragt, und diese Einzelmeinungen dann zu einem Gesamtbild zu-sammengesetzt, etwa auf Basis von wissenschaftlichen Konsensus-Konferenzen, der Delphi-Methode und der Entwicklung von Szenarien in Arbeitsgruppen und Workshops. Die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (TA-Akademie) hat diese Methode im Rahmen eines Vorausschau-Projektes der EU mit seinen Partnerregionen Katalonien, Lombardei und Rhone-Alpes(FOMOFO)* erstmals erfolgreich auf regionaler Ebene erprobt und wird ihre Ergebnisse am 24. und 25. September in Brüssel auf der Konferenz ,,Europe's Regions Shaping the Future - the Role of Foresight'' vorstellen. Der Kongress wird von der TA-Akademie ge-meinsam mit der EU veranstaltet (www.regional-foresight.de)* und soll Foresight (auf deutsch: Vorausschau) als Instrument für eine erfolgreiche Bewertung des Zukunfts-potentials neuer technischer Entwicklungen ins Bewusstsein der europäischen Ent-scheidungsträger rücken.
,,Technische Vorausschau ist kein Kaffeesatz-Lesen, sondern vermittelt Entschei-dungsträgern Orientierungshilfe zur Interpretation von Technischen Entwicklungen und deren möglichen Marktchancen auf einer realistischen Grundlage'', so Prof. Ortwin Renn, Leitender Direktor der TA-Akademie. Dies gelinge jedoch nur, wenn ein breiter Dialog mit all denjenigen zustande kommt, die als Entwickler, Nutzer oder Re-gulierer Mitgestalter des technischen Wandels sind. Gerade hier liege jedoch auf euro-päischer Ebene noch einiges im argen. ,,Einerseits sind wichtige Akteure auf EU-Ebene bisher nur wenig vernetzt. Gleichzeitig werden europäische Zuständigkeiten und Entscheidungen beim ,,Blick in die Zukunft'' (regionalen und nationalen Vorausschaustudien) nicht systematisch berücksichtigt, obwohl sie schon längst die Entschei-dungen der Gegenwart bestimmen'', so Günter Clar, Wissenschaftskoordinator bei der EU. Mittel- bis langfristig könnte sich diese Situation negativ auf die Umsetzung der Lissabon-Strategie auswirken, fürchtet Clar mit Blick auf die im März 2000 auf dem Europäischen Gipfel in Lissabon entwickelte gemeinsame Vision für die ökonomische und soziale Entwicklung in Europa.
Damals wurde vereinbart, die Europäische Union bis 2010 zur wettbewerbsfähigsten, wissensbasierten Volkswirtschaft zu machen. Regionale Innovationssysteme und ein gemeinsamer Europäischer Forschungsraum sollen dieses Ziel unter Einbeziehung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) als zentralem Wirtschaftsfaktor in der Region realisieren. ,,Regionale Vorausschau-Aktivitäten können dabei eine Katalysatorfunktion übernehmen, in dem sie Wege aufzeigen, die Außendarstellung der Region zu verbessern'', so Gerhard Fuchs, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TA-Akademie. Fuchs: ,,Innovationen werden in regionalen Clustern gemacht. Auch die endgültige Umwandlung von Wissen in wirtschaftlich relevante Aktivitäten findet meist auf regionaler Ebene statt.'' Die globale Wettbewerbsfähigkeit hänge zunehmend von einer aktiven Suche nach regionalen Stärken und deren Entwicklung ab, die regio-nal und global vermarktet werden müssten. ,,Künftig wird diejenige Regionalpolitik Erfolg haben, die langfristig und realistisch Innovationspfade vorzeichnet und umsetzt'', so Fuchs.

Ansprechpartner: Gerhard Fuchs, Tel: 0711/ 9063-199

Gerhard.fuchs@ta-akademie.de

Markus Geckeler, Tel:0711/9063-222
Markus.geckeler@ta-akademie.de


*Agnes Pechmann, Gerhard Fuchs: Four Motors Foresight Baden-Württemberg. Ein regionales Fore-sight- Projekt für die Branchen Biotechnologie und Multimedia. Arbeitsbericht der TA-Akademie, Nr. 215, März 2002. Bestellbar unter Fax-Nr. 0711/9063-299 oder als download im Internet unter www.ta-akademie.de.
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