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Erfurter Versorgungstechniker zur Fußball-WM 2006?

10.07.2002 - (idw) Fachhochschule Erfurt

Anfang Juli beschloss der Fachbereichsrat Versorgungstechnik die Einrichtung von zwei neuen Spezialisierungen im bisherigen Studiengang Versorgungstechnik der FH Erfurt. Dazu Fragen an Dekan Prof. Dr. Michael Kappert.


Prof. Kappert vor der Anzeigetafel der Erfurter Photovoltaikanlage. Sie wollen ab Herbst mit Erneuerbaren Energien sowie Freizeittechnik und Veranstaltungsmanagement zwei neue Spezialisierungen anbieten. Reicht das traditionelle Angebot von Heizung-, Klima- und Sanitärtechnik sowie dem Gebäudemanagement nicht mehr aus?
Kappert: Die Industrie erwartet eine verstärkte Ausrichtung unserer Lehre in der Vertiefungsrichtung Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik auf die speziellen Aufgaben der erneuerbaren Energien. Die Wachstumsraten auf diesem Gebiet, speziell durch das neue Einspeisegesetz, verlangen einfach mehr spezialisierte Fachkräfte. In unserer Vertiefungsrichtung Gebäudemanagement stehen wir einem wachsenden Bedarf an Fachkräften gegenüber, die sich speziell in den Bereichen Sport, Freizeit und Touristik einbringen. Dabei geht es um organisatorische Belange und den kostengünstigen Einsatz der Technik.

Wie werden die neuen Studienangebote organisatorisch abgesichert?
Kappert: Ich gehe davon aus, dass wir ab dem Sommersemester 2003 die Spezialisierungen anbieten. Diese werden 20 Semesterwochenstunden als Wahlpflichtfach umfassen. Personell sind wir zwar momentan in der Lage, die entsprechenden Lehrgebiete -wenn auch mit hohem Aufwand- abzudecken, aber der Fachbereich unternimmt Anstrengungen, um zukünftig frei werdende Stellen in der Lehre mit den entsprechenden Fachleuten zu besetzen.
Ansonsten ist das Studium in den neuen Spezialisierungen ein Studium wie jedes andere an unserer Hochschule: straff organisiert, praxisorientiert und damit zeitlich sehr effektiv.

Was muss ein Student unternehmen, wenn er die neuen Spezialisierungen studieren will?
Kappert: Generell müssen die Studierenden im Studiengang Versorgungstechnik eingeschrieben sein. Im 2. Semester des Grundstudiums können die Studierenden dann bereits die Vertiefungsrichtungen wählen. Das wären die Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik und das Gebäudemanagement. Im 5. Semester kann die Entscheidung kommen, sich auf eine weitere Spezialisierung zu orientieren: die Erneuerbaren Energien sowie die Freizeittechnik und Veranstaltungsmanagement.

Wird es jetzt neben der Photovoltaikanlage in der Adalbertstraße 49 noch ein Windrad für die Erneuerbaren Energien und ein Karussell für die Freizeittechnik geben?
Kappert: Ein Windrad wäre schon nicht schlecht, wenn es den entsprechenden Standort und die Genehmigung dafür gibt. Ein Karussell wird es definitiv nicht geben: Es geht uns bei der Freizeittechnik um die eigentlichen technischen Einrichtungen. Beispielsweise die Wassertechnik in einem Schwimmbad oder die Klimatechnik in einer Veranstaltungshalle.
Was wir den Studierenden an Technik praktisch zeigen wollen, können wir auch sehr gut mit Partnern aus der Praxis realisieren.

Gibt es bereits Kontakte zu potentiellen Arbeitgeber Ihrer Absolventen?
Kappert: Unser Fachbereich hat traditionell sehr gute Kontakte zu Unternehmen und Einrichtungen der Branche. Für die Erneuerbaren Energien gibt es in der Region eine breite Palette von Firmen, etwa die ERSOL GmbH und PV Silicon in Erfurt, Antec Solar GmbH in Arnstadt sowie die NOI- Rotortechnik GmbH und NOI- Meerestechnik GmbH in Nordhausen bzw. Göllingen.
In Sachen Freizeittechnik fallen mir spontan Sport- und Kulturstätten ein. Zum Beispiel die Erfurter Eislaufhalle. Wir haben auch schon einmal eine Anfrage an den Leipziger Oberbürgermeister gerichtet. Vielleicht betreuen dann unsere Absolventen 2006 die Fußball-WM?

Immer mehr taucht der Begriff Management in den Studieninhalten auf. Ist der alte Diplom-Ingenieur passé?
Kappert: Nein. Das klassische Feld des Entwickelns und Planens bleibt Sache des Diplom-Ingenieurs. Aber in unserer modernen Zeit werden Service und Dienstleistung aus einer Hand immer wichtiger. Somit wird der "alte" Diplom-Ingenieur zunehmend zum Betreiber. In diesem Metier gehört betriebswirtschaftliches Denken und Handeln einfach dazu.

Gibt es in Ihrem Fachbereich, der ja traditionell die HLS-Ausbildung anbietet, weitere Überlegungen für neue Studienangebote?
Kappert: Offen gesagt wandelt sich unser Fachbereich seit geraumer Zeit. Der 2000 eingeführte interdisziplinäre Bachelor-Studiengang Angewandte Informatik ist organisatorisch unserem Fachbereich zugeordnet, seine maßgeblichen "Väter" waren Versorgungstechniker.
Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in einem Jahr Bachelor-Studiengänge in den bestehenden Vertiefungsrichtungen Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik sowie Gebäudemanagement anbieten, aber auch in den neuen Richtungen Erneuerbare Energien und Freizeitechnik und Veranstaltungsmanagement.. Auf diesen Studiengängen aufbauend ist dann ein Masterstudium möglich.

Wie sehen die Chancen der Absolventen in der Versorgungstechnik jetzt aus und wie ist der Trend?
Kappert: Wir können die Wünsche der Industrie nach Absolventen nicht decken. Etwa ein Drittel der Studierenden entscheidet sich für das Gebäudemanagement, zwei Drittel studieren die "traditionelle" Versorgungstechnik. In zunehmendem Maße werden "Kombinierer" erwartet, die sowohl die Technik als auch die Betriebswirtschaft im Griff haben. Ich denke, dass wir mit den Bachelor-Studiengängen schneller auf diesen Bedarf reagieren können, da die Absolventen bereits nach 3 Jahren in die Wirtschaft gehen können. Ich gehe davon aus, dass sich die Masse der Studierenden für diesen Weg des kurzen Studiums zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss entscheidet. Nur relativ wenige und auch nur die Besten werden den Master in Angriff nehmen.

Für das Gespräch bedankt sich Roland Hahn.

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