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Sozialkundebücher: Ambivalente Darstellung von Ausländern

12.02.1998 - (idw) Universität Kassel

Pressemitteilung der GhK 12/98, 12. Februar 1998

Sozialkundebücher: Ambivalente Darstellung von Ausländern Wie sollen Schulbücher im Einwanderungsland aussehen?

Kassel. Die Einwanderungswirklichkeit hat auch die Schulbücher erreicht. Allerdings werden in vielen deutschen Sozialkundebüchern "die Ausländer" primär als Benachteilig-te und Opfer von Diskriminierung dargestellt. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) unter der Leitung von Privatdozent Dr. Klaus Geiger. "Damit", so Geiger, "wird ein Bild erzeugt, das Einfühlung und daraus entstehende Identifikation oder Solidarisie-rung eher behindert." Überdies würden viele der Schulbuchautor(inn)en anscheinend vergessen, daß eine beträchtliche Zahl der von ihnen angesprochenen Schüler(inne)n selbst aus den Zuwanderungsgruppen stammen. Sprachliche Signale verfestigten allzu leicht die Grenze zwischen "uns", den Einheimischen, und "denen", den Einwande-rungsfamilien, meint Geiger. Eine Gruppe von Studierenden hat sich unter Geigers Leitung damit beschäftigt, wie interkulturelles Lernen in der Schule aussehen könnte; denn dieses ist als Lernprinzip im hessischen Schulgesetz wie in den Rahmenplänen vorgeschrieben. Dabei ging es er-stens um eine Umsetzung der Tatsache, daß sich die bundesdeutsche Bevölkerung und damit im schulischen Alltag auch die Zusammensetzung der Klassen durch Zuwanderung verändert haben; zweitens verlangt die wachsende Verflechtung der Bundesrepu-blik mit globalen Vorgängen, daß Schüler(innen) über diese Zusammenhänge Bescheid wissen und mit Menschen aus anderen Ländern kommunizieren können. In einem nächsten Schritt hat die Gruppe ihre Frage für die Fächer Sozialkunde und Gesellschaftslehre in den Klassen 5 bis 10 konkretisiert. Die Studierenden untersuchten anhand eines selbst entwickelten Fragenrasters den hessischen Rahmenplan für diese Fächer ebenso wie alle hierfür zugelassenen Lehrwerke. Das Ergebnis fällt zwiespältig aus: Einerseits gibt es unter den heutigen Lehrwerken keines, in dem nicht die Zuwanderung in die Bundesrepublik und ihre Folgen oder die Lebenssituation in anderen Ländern und Fragen der internationalen Beziehungen behandelt würden. Andererseits gerät gerade das Bild von der Einwanderungsgesellschaft der Bundesrepublik vielen Buchautor(inn)en allzu klischeehaft. Die Veröffentlichung der Untersuchung, die als Buch heute an der GhK vorgestellt wurde, verfolgt einen vielfachen Zweck: Sie will Lehrer(innen), Kultusverwaltung und Schulbuchredaktionen unterstützen bei ihren Versuchen, interkulturelles Lernen in kon-kreten Unterricht umzusetzen. Sie will ferner Lehrer(innen) dazu anregen, mit ihren Schüler(inne)n in ähnlicher Weise Lernmaterialien zu untersuchen, wie es die Studierenden getan haben, und so politisches Lernen lebendig zu gestalten. Schließlich will das Buch innerhalb der Hochschulen für die Veranstaltungsform "Lehrforschungsprojekt" werben, eine Form des Lehrens und Lernens, die zwar einen erhöhten Arbeitsaufwand erfordert, aber sehr effektiv in wissenschaftliches Arbeiten einführt - und Spaß macht. p./jb

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