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Unfall durch Routine

21.02.1997 - (idw) Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (bis 31.12.2002)

Psychologische Schulung entschaerft Unfallschwerpunkte

Unfaelle durch Routine

Routinearbeiten sind am gefaehrlichsten. Die Unfallzahlen sind dort am hoechsten, wo Arbeitsablaeufe gewohnheitsmaessig und deshalb mit verringerter Aufmerksamkeit verrichtet werden.

Werden die Mitarbeiter jedoch speziell psychologisch geschult, gehen die Unfaelle jaehrlich um 25 v.H. zurueck. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie zur Unfallforschung an der Universitaet Duisburg.

Es scheint paradox: Wo man sich besonders sicher fuehlt, zu Hause oder in gewohnter Umgebung, passieren nachweislich die meisten Unssfaelle. Der unfalltraechtigste Ort ist bekanntlich der Haushalt. Was tausssendmal gut gegangen ist - die Arbeit auf einer wackeligen Leiter etwa - wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal schiefgehen.

Unfaelle kosten jaehrlich mehrere Millionen

Wie in anderen Industriezweigen fallen auch im Bergbau jaehrliche Unssfallkosten in dreistelliger Millionenhoehe an. Die Ruhrkohle AG und Bessrufsgenossenschaften wandten sich deshalb an den Duisburger Sicherssheitspsychologen Dr. Hans-Peter Musahl. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Unfaelle kuenftig auch dort vermeiden lassen, wo die Sisscherheitsstandards bereits sehr hoch sind und dennoch viele Unfaelle auftreten.

Dr. Musahl untersuchte darauf hin die Unfallstatistiken mehrerer Steinsskohlebergwerke der Ruhrkohle AG, befragte Mitarbeiter und entwickelte zusammen mit ihnen Weiterbildungsmassnahmen. Um jeden Unfall moeglichst genau zu erfassen, wurde jeder Hauptarbeitsssbereich unter Tage in bis zu 33 genau definierte Einzeltaetigkeiten zerlegt.

Frageboegen erfassten die Einschaetzung der Mitarbeiter ueber die Unfallsshaeufigkeit und -schwere innerhalb der Einzeltaetigkeiten. Die Ergebnisse wurden dann mit dem tatsaechlichen Unfallgeschehen verglichen.

Wo das Gefahrenbewusstsein fehlt, passieren die meisten Unfaelle

Resultat: Ueber 90 Prozent aller Taetigkeiten wurden zwar zutreffend bessurteilt, doch bei vier Arbeitsschritten wurde die Gefahr grob unterssschaetzt. Und genau bei diesen Taetigkeiten im Bereich des Abbaus kassmen mehr als die Haelfte aller verunglueckten Bergleute zu Schaden.

Die Ruhrkohle testet deshalb zur Zeit mit EU-Unterstuetzung ein Prossgramm zur Verbesserung der Sicherheitsarbeit auf den Bergwerken. Zu den Vorbeugemassnahmen, die in Mitarbeiterzirkeln weiterentwickelt werden, gehoert auch die Suche nach Beinahe- Unfaellen und der Umssgang mit Stoerungen.

Das Sicherheitsprogramm, so Dr. Musahl, laesst sich auch auf Bereiche ausserhalb des Bergbaus uebertragen. Interessant sind die Erkenntnisse und Innovationsvorschlaege vor allem fuer die Berufsgenossenschaften. Nachfrage gibt es auch bereits vom Braunkohletagebau und anderen Industrieunternehmen.

PD Dr. H.-Peter Musahl, Gefahrenkognition: Theoretische Annaeherungen, Empirische Befunde, Erklaerungen, Forschungsfragen und Anwendungen zur subjektiven Gessfahrenkenntnis. Verlag Roland Asanger, Heidelberg 1997

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